Chartkommentar – Panik und günstige Bewertungen signalisieren Kaufgelegenheiten
Der Dax hat Potenzial nach oben

FELIX PIEPLOW HANDELSBLATT, 11.11.2002 DARMSTADT. Kurzfristig dürfte sich die Konsolidierung nach der jüngsten Rally fortsetzen. Die Marke von 3 000 Punkten im Deutschen Aktienindex (Dax) sollte halten. In diesem Bereich ist verstärktes Kaufinteresse zu erwarten. In den letzten

FELIX PIEPLOW

HANDELSBLATT, 11.11.2002

DARMSTADT. Kurzfristig dürfte sich die Konsolidierung nach der jüngsten Rally fortsetzen. Die Marke von 3 000 Punkten im Deutschen Aktienindex (Dax) sollte halten. In diesem Bereich ist verstärktes Kaufinteresse zu erwarten.

In den letzten vier Wochen ist der Dax vom Tief aus in der Spitze um 36 % gestiegen. War dies nur ein Strohfeuer im Bärenmarkt, oder befinden wir uns im Anfangsstadium einer neuen Entwicklung?

Im Juni wurden die 20-jährigen Aufwärtstrends in den wesentlichen Indizes gebrochen. Die Märkte haben erkannt, dass die Wachstumserwartungen langfristig nicht zu halten sind. Schon einmal - Ende der sechziger Jahre - hatte ein trendbrechender Aktienmarkt eine Dekade der Konsolidierung vorweg genommen.

Positives für den Dax ergibt sich aus der Methode der vergleichenden Marktzyklik. Nimmt man den japanischen Aktienmarkt als Muster, erkennt man verblüffende Übereinstimmungen. Als der Nikkei-Index 1990 einbrach, dauerte es zwei Jahre und sieben Monate bis zum vorläufigen Tief. Der Baisse-Schub des Dax seit März 2000 dauerte exakt so lange. Speziell europäische Unternehmen zeigen derzeit günstige Bewertungsniveaus, die zu einem Aktienaufschwung von mehr als einem Jahr führen können.

Eine für Aufschwung-Frühphasen typische Wahrnehmungsverzerrung lässt sich derzeit in der Finanzbranche beobachten: der Hang zum Pessimismus. Dies zeigt sich in den Auswertungen von Analystenmeinungen. Im letzten Quartal sind die tatsächlichen Gewinne vieler Unternehmen deutlich höher ausgefallen, als von Analysten erwartet.

Von diesem Extrem ist besonders Deutschland betroffen. Der "Angstanteil" der Optionspreise, ausgedrückt im V-Dax, variiert derzeit ungewöhnlich asymmetrisch. Steigt der Aktienmarkt, so verbilligen sich die Optionspreise kaum. Fallen die Aktienkurse aber, so ziehen die Optionspreise kräftig an. Das heißt, dass es am Terminmarkt eine Mehrheit gibt, die in kritischen Momenten um jeden Preis ihr Portfolio mit Optionen absichern will. Das ist ein klares Zeichen von Panik.

Wie die Geschichte zeigt Wahrnehmungsverzerrung und Panik in Kombination mit günstigen Bewertungen zeitgleich mit Aktientiefs auf. Für den Anleger ergibt sich daraus eine Kaufgelegenheit.

Kurzfristig lassen technische und zyklische Faktoren eine Fortsetzung der Konsolidierung nach unten erwarten. Da jedoch die Mehrheit der Anleger derzeit unterinvestiert ist, ist bei Kursen um und unter 3 000 Dax-Punkten mit zunehmendem Kaufinteresse zu rechnen.



Felix Pieplow ist unabhängiger Wirtschafts- und Finanzmarktanalyst.

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