Charttechniker contra Fundamental-Analysten
Auch Aktien-Experten überdenken Strategie

Die Talfahrt an den Börsen, verbunden mit stark ansteigenden Volatilitäten, verunsichert nicht nur die Privatanleger, sondern auch ausgesprochene Aktienexperten und lässt sie ihre Anlagestrategien überdenken. Charttechniker kommen zu einem anderen Ergebnis als Fundamental-Analysten.

vwd FRANKFURT. Während aber Charttechniker derzeit eher positiv gestimmt sind, raten Fundamental-Analysten zur Zurückhaltung. So meint Alfred Kaiser von Nols, aus charttechnischer Sicht sei die Zeit für eine kurzfristige Spekulation auf eine technische Erholung im Dax gekommen. Als Perspektive sei dabei der Bereich um 3900 Stellen zu nennen, wo der langfristige Aufwärtstrend seit 1982 verlaufe, der die Zielmarke setze.

Noch optimistischer sieht Klaus Tafferner von Concord Effekten die aktuelle Lage. Er nennt 3450 Stellen als Einstiegsniveau, und das auf kurz-, mittel- und langfristige Sicht. Schnell könnten dann 4500 oder sogar 5000 Zähler ins Visier genommen werden, allerdings seien anfangs durchaus starke Nerven nötig. Anschließend könnte auf Grund der bevorstehenden Wahlen eine Seitwärts- oder leichte Abwärtsbewegung erfolgen, wie die Historie lehre.

Die gesehenen Trendbrüche in den Indizes sollten laut Tafferner nicht überbewertet werden: "Na und, dann sind die langfristigen Aufwärtstrends eben gebrochen - es gibt nunmal keine lebenslang gültigen Trends." Dafür würden nun als nächstes die kurz- und mittelfristigen Abwärtstrends zur Disposition stehen. Die unzweifelhaft ehemals existierende "irrationale Übertreibung" an den Aktienmärkten sei längst abgebaut, ergänzt Tafferner. Die zunehmende Anzahl an Skeptikern bestärke ihn in seiner Ansicht.

Kaufzurückhaltung bei den Blue Chips?

Andere Analysten empfehlen dagegen aus fundamentaler Sicht eine Kaufzurückhaltung bei den Blue Chips. "Wir geben derzeit keine Empfehlung, massiv in den Markt zu investieren", lautet die Anlagestrategie eines Hamburger Aktienexperten. Der Analyst erwartet weitere schlechte Konjunktur- und Unternehmenszahlen und begründet damit seine "sehr vorsichtige Haltung gegenüber dem Aktienmarkt". Zwar gebe es zahlreiche Teilnehmer mit einer optimistischen Sicht auf die wirtschaftliche Entwicklung, doch wiesen etwa die Daten des Konsumentenvertrauens auf eine negative wirtschaftliche Entwicklung hin.

Den Analysten stimmen zudem die schlechten Unternehmensergebnisse der vergangenen Tage negativ. "Die Gewinnentwicklung war zu niedrig und die derzeitigen Gewinnerwartungen sind meiner Ansicht nach zu hoch", ergänzt er. Auch Klaus Tafferner erwartet eine Revision der Gewinnschätzungen, doch dürfte diese nicht so dramatisch wie im Vorjahr und daher nicht kursbelastend ausfallen: "Ich rechne mit einer Revision von bisher rund 190 auf 140 bis 150 Euro für den Dax", erklärt er.

Positiv für die kommenden Tage zeigt sich Christian Schneider, Fondsmanager des Aktienfonds dit-Vermögensbildung Global. Er hat seine Kassenposition von zehn Prozent in der vergangenen Woche auf aktuell zwei Prozent zurückgefahren. "Wir rechnen mit einer kurzen technischen Erholung an den Märkten für die kommenden zwei bis drei Tage. Würde ich jetzt erst anfangen, die Cashquote herunterzufahren, wäre es zu spät", sagte Schneider. Schneider hat in den vergangenen Tagen vor allem in den USA investiert.

Auf Sektorebene habe er die Gelder in US-Pharmawerte und Finanztitel gesteckt, da diese Werte stark unter Druck geraten seien und die Bewertung nicht mehr die wirtschaftlichen Verhältnisse spiegelten. Jedoch gehe er davon aus, dass viele Fondsmanager erst jetzt damit anfingen, in dieser kurzen technischen Erholung ihre Kassenpositionen zu reduzieren. Schneider halte seine zwei Prozent als Puffer für Mittelabflüsse. Da die Nettomittelabflüsse sei einiger Zeit unter einem Prozent des Fondsvermögens lägen, geht Schneider davon aus, dass die Anleger noch nicht komplett kapituliert haben.

Setzen auf nachhaltige Erholung

Patrick Schwahn, Leiter Regionen-Fonds bei Deka Investment, setzt auf eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten. Trotz der Panikstimmung am gestrigen Tag seien die Deka-Aktienfonds daher voll investiert, sagte Schwahn im Gespräch mit vwd am Donnerstag. "Die fallenden Kurse sind in unseren Augen das Resultat der US-Bilanzskandale. Wir gehen davon aus, dass in den kommenden drei Wochen alle schlechten Nachrichten raus sind". Am 14. August müssten 950 US-Unternehmen unter Eid aussagen, dass ihre Zahlen stimmen. Der Deka-Experte sei daher optimistisch, dass ab da wieder die fundamentalen Kennziffern im Vordergrund des Interesses stehen werden.

Aus den Deka-Aktienfonds habe es Nettomittelabflüsse von nur geringem Umfang gegeben. Daher hätten die Deka-Fondsmanager keine Cashposition aufgebaut, sondern hätten am gleichen Tag, an dem Ablüssse verzeichnet wurden, einzelne Werte verkauft, erläuterte Schwahn weiter. In den globalen Portfolios würden derzeit Japan und Europa übergewichtet, die USA untergewichtet. "Auf Branchenebene setzen wir in Europa auf Zykliker wie Chemie-, Auto- und Rohstoffwerte", sagte Schwahn. Untergewichtet würden Pharmaaktien, Versorger, Telekommunikationsunternehmen und Banken/Versicherer. Allerdings werde darüber nachgedacht, die Banken/Versicherer hochzufahren, weil sie zum Teil ungerechtfertigt unter zu starken Druck geraten seien.

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