Charttechniker sagen Bärenmarkt voraus
Analysten sehen Dax 2001 im Aufwind

Trotz des Ausbleibens der erhofften Jahresendrally 2000 und der anhaltenden Nervosität an den amerikanischen Märkten rechnet die Mehrzahl befragter Analysten damit, dass der Dax im kommenden Jahr über die Marke von 8 000 Punkten klettern könnte. Beherrschen werde die Märkte unter anderem wohl die Frage, wie schnell das Wirtschaftswachstum in Amerika abkühlt - also ob es ein "Hardlanding" oder ein "Softlanding" geben wird - und wie sich dies auf die US-Zinspolitik auswirkt

Reuters FRANKFURT. Mit einem Kursfeuerwerk war der Dax ins neue Jahrtausend gestartet. Das "Millenium-Gespenst", das die Weltbörsen Ende 1999 in Schach gehalten hatte, war zur Freude der Investoren schnell wieder verschwunden. Getrieben von einer Euphorie für Technologiewerte kletterte der Dax innerhalb der ersten zehn Wochen des Jahres um mehr als ein Fünftel auf seinen Jahreshöchststand von 8136 Punkten. Schnell wurden kritische Stimmen laut, die vor Überbewertungen und Spekulationsblasen warnten. Der Dax konnte dann sein Wachstumstempo auch nicht halten und bröckelte stattdessen nach und nach wieder ab. Im September setzte der Index zu einer Talfahrt an, die ihn binnen eines Monats unter die Marke von 6800 führte und damit auf sein Niveau zu Jahresbeginn zurückwarf. Mit einem Stand von gut 6300 Zähler kurz vor Weihnachten notierte der Dax schließlich rund sieben Prozent schwächer als zu Jahresbeginn.

Nach Einschätzung von Günter Senftleben, Aktienanalyst bei der Bankgesellschaft Berlin, war der radikale Umschwung der Dax-Kurve im zweiten Halbjahr nicht vorhersehbar. Die große Überraschung im vergangenen Jahr sei der enorme Ölpreisanstieg gewesen, der unter anderem auch die Geldpolitik in den USA restriktiver als erwartet habe ausfallen lassen. Dies habe sich negativ auf die amerikanische Konjunktur ausgewirkt. "Jetzt müssen wir eben mit Rezessionsängsten leben, die sich auch noch ins nächste Jahr hinein schleppen werden", sagte Senftleben. Nach unruhigem Beginn oberhalb der 6000-er Marke werde der Dax Senftlebens Einschätzung zufolge im ersten Halbjahr die Widerstandsmarken von 7 400 Punkten und 7 500 Punkten testen.

Starke Wachstumszahlen bei den Unternehmen

Hendrik Garz, Aktienstratege bei West LB Panmure, sieht den Dax bei einem Jahresendstand von 8100 Punkten. Konjunkturell dürfte das Marktumfeld auf absehbare Sicht positiv gestimmt sein. In den USA und Grossbritannien seien Zinssenkungen wahrscheinlich. Von der Europäischen Zentralbank werde derweil eine stabile, neutrale Geldpoltik erwartet, so dass insgesamt mit einem positiven Umfeld zu rechnen sei. Ein deutlicher Aufwärtstrend beim Dax werde aber erst für das zweite Halbjahr 2001 prognostiziert, sagte Garz weiter. "Wir glauben, dass wir zumindest im ersten Quartal weiter schwache Wachstumszahlen bei den Unternehmen sehen werden. Derzeit haben wir zwar eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums, aber wir sind weit entfernt von einer Rezession", unterstrich der Aktienexperte.

Trotz der starken Abhängigkeit von den US-Börsen könnte der Dax im kommenden Jahr nach Meinung einiger Analysten auch eigene Wege gehen. Zwar werde eine schwächere US-Wirtschaft für den deutschen Markt wohl negative Effekte haben, sagte etwa Lothar Weniger, Head of Equity Research bei der DG-Bank. In Europa gebe es aber noch stabilisierende Faktoren, die eine Rezession abmildern könnten. So wirkten sich beispielsweise die beschlossenen Steuerreformen besonders günstig aus. Auch das vorherrschende niedrige Inflationsniveau und die starken Wachstumsraten in der Produktivität machen eine Rezession eher unwahrscheinlich. Auch Weniger hält das Erreichen der 8 000 Punkte-Marke beim Dax bis Mitte des Jahres für denkbar.

Markt wird von sinkenden Steuern und Gewinnwachstum profitieren

Bei der Deutsche Bank überwiegen ebenfalls die optimistischen Erwartungen an die Entwicklungen der Aktienmärkte im Jahr 2001. Die Analysten sehen den Dax auf Zwölf-Monats-Sicht sogar bei 8 200 bis 8 700 Punkten. Anlage-Schwerpunkte sehen sie bei Banken, Versicherungen, Medien und im Technologiebereich. Generell werde der europäische Aktienmarkt voraussichtlich von sinkenden Steuern und einem Gewinnwachstum der Unternehmen profitieren. Weniger optimistisch beurteilt Chartanalyst Hans-Dieter Schulz die Zukunft des Dax. "Die meisten Analysten sehen die Entwicklung nur saisonbedingt und somit zu optimistisch. Langfristig gesehen werden wir in einen Bärenmarkt eintreten." Für dieses Jahr liege die Unterstützungslinie des aktuell noch intakten Aufwärtstrends bei 5 800 Punkten. Sollte dieser Trend brechen, kann es durchaus auch unter die 5 000 Punkte gehen, sagte Schulz weiter.

Gänzlich andere Maßstäbe legt Wirtschafstastrologe Uwe M. Kraus bei seiner Prognose für den Dax an. "Der Dax ist am 1. Juli 1988 geboren, also Sternzeichen Krebs", stellt Kraus fest. Sein Index-Horoskop sagt dem Kursbarometer eine moderat positive Entwicklung in den ersten sechs Monaten 2001 voraus. In der zweiten Jahreshälfte seien dagegen Belastungsaspekte in den Sternen erkennbar. Im besten Fall könne der Dax im Frühjahr 7 500 bis maximal 8 000 Punkte erreichen, und dann wie im vergangenen Jahr in einen Abwärtstrend fallen. "Ab August bis November haben wir nämlich eine Saturn-Pluto-Konstellation, die erfahrungsgemäß kritisch ist", warnte Kraus.

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