Charttechniker schlagen Alarm
Anleger lassen Vodafone fallen

Die Analysten stehen mit ihren Kaufempfehlungen zu Vodafone. Doch der Kurs kennt nur eine Richtung: nach unten. Die einseitige Konzentration auf den Mobilfunkmarkt rächt sich.

LONDON/DÜSSELDORF. "Wie geht?s?", ist die Frage des britischen Mobilfunkriesen Vodafone in seiner Werbekampagne. Sie soll die Handykunden anregen, öfter anzurufen oder eine Textnachricht zu senden. Doch der flotte Spruch hat in diesen Tagen für die Vodafone-Investoren eher einen bitteren Beigeschmack. In der vergangenen Woche betrug das Minus rund fünf Prozent - täglich. Da half auch nicht die zwischenzeitlich leichte Erholung am Freitag.

Die bislang als Superstar und sichere Top-Anlage empfohlene Aktie ist auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen. Allein im April wurden gut 20 Mrd. Euro Anlegergeld vernichtet. Noch zu Beginn dieses Jahres haben Einsteiger ein Drittel mehr bezahlt. Genau diese Schwäche überrascht. Denn Wettbewerber auf dem Kontinent wie Deutsche Telekom, France Telecom und KPN schneiden deutlich besser ab. Und das obwohl Vodafone weltweit präsent und viel weniger verschuldet ist als die Konkurrenz.

Dementsprechend preisen fast alle Analysten die Aktie an. In den letzten drei Monaten rieten 33 Investmenthäuser zum Kauf, in den vergangenen 30 Tagen waren es 14. Für einen Verkauf votierte in beiden Zeitabschnitten nur eine Adresse. Für Schroders Salomon Smith Barney etwa ist das Papier im Normalfall ein "attraktiver" Wert. Kursziel: 160 Pence. Merrill Lynch hat ein "strong buy" für Vodafone ausgegeben und sieht den Kurs in einem Jahr sogar bei 205 Pence.

Die vielen Kaufempfehlungen haben angesichts der hohen Aktienumsätze einen faden Beigeschmack. Seit Tagen gehört der Mobilfunkbetreiber weltweit zu den meist gehandelten Werten. In der vergangenen Woche trug Vodafone gut ein Drittel zum Gesamtumsatz im Londoner Börsenindex FTSE-100 bei. Händler und einige Analysten sehen dies als Zeichen, dass Banken und große Fonds Vodafone-Aktien abstoßen. Der Blick auf die hohen Umsätze zeige, dass nicht nur nervöse Kleinanleger ausgestiegen sein können, meint Alex Scott, Analyst bei Seven Investment Management. Die Anleger würden zunehmend die Bewertungsansätze in der Branche anzweifeln, erklärt er den Rückzug der Investoren. Scott: "Über den Telekomwerten hängen momentan dunkle Schatten."

Kurzfristig malen viele Experten ein eher düsteres Bild - trotz der Kaufempfehlungen. "Vodafone wird weiter heruntergehen", sagt Martin Dobson von NatWest Stockbrokers. Hinter leichten Erholungen wie am Freitag stünde nur der Versuch großer Investoren, den freien Fall der Vodafone-Aktie zu vermeiden. Charttechniker schlagen Alarm, nachdem sogar das Tief von September 2001 unterschritten wurde. "Es lässt sich einfach kein europäischer Telekommunikations-Blue-Chip mit schlechterer charttechnischer Verfassung finden", resumiert Holger Stuck von M.M. Warburg.

Vor allem die britischen Marken Vodafone, Orange (inzwischen eine Tochter von France Telecom) und Mmo2 (früher British Telecom) haben als reine Handyanbieter zu kämpfen. Denn die Boomzeiten bei den Kundenzuwächsen sind vorbei. Gleichzeitig nutzen die Kunden ihre Handys kostensparender, und die Umsätze pro Kunden (wichtige Kenngröße für den wirtschaftlichen Erfolg in der Branche) legen nicht so wie erhofft zu. Auch die bunte Datenwelt, die der Mobilfunkbranche wieder Aufwind bescheren soll, lässt auf sich warten. "Für Telekomwerte sehe ich kurzfristig keine Hoffnung", sagt ein Händler in London, "das Festnetz ist tot, der Mobilfunk lässt nach, und die neue Handygeneration 3G ist ein Wunschtraum." Niemand wisse, woher das Wachstum in der Branche kommen soll.

Die große Zahl der Vodafone-Anhänger sieht den Konzern bei einem Einbruch am Handymarkt aber gut gerüstet. "Die Firma hat selbst im Abschwung noch Raum, hart zu konkurrieren", sagt Christian Kern von Schroders in London. Vor allem bei den Kosten und Investitionen orten die Analysten für Vodafone noch immenses Sparpotential. Dies allein sei aber nicht genug, warnt selbst der Schroder-Experte: "Vodafone muss umgehend Spitzenwachstum liefern." Nach zehn Millionen Neukunden im vergangenen Jahr dürften es 2002 aber "weniger als sieben Millionen" sein, so die Prognose.

Vor allem Japan, wo der britische Konzern bereits 20 % seines Umsatzes macht, wird als Schlüsselmarkt gesehen. Doch auch hier ziehen dunkle Wolken auf. Konkurrent DoCoMo gab gerade einen düsteren Ausblick. Wenn Vodafone Ende Mai seine Jahresbilanz vorlegt, werden die Investoren bei den Aussagen von Konzernchef Chris Gent zum Markt in Asien besonders aufhorchen. Den Londoner Analysten Martin Dobson sorgen aber vor allem mögliche Wertberichtigungen in der Telekombranche. Bei Vodafone wird über rund 25 Mrd. Pfund spekuliert. Die Folgen für die Aktie sind für Dobson klar: "Die Chancen für abwärts sind größer als für aufwärts."

Quelle: Handelsblatt

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