Charttechnisch kaum noch Unterstützungslinien
Neuer Markt kann unter 1000 Punkte fallen

Nachdem die Indizes am Neuen Markt am Freitag auf neue Tiefstände gefallen sind und psychologisch wichtige Marken nach unten durchbrochen haben, wird das Wachstumssegment nach Einschätzung verschiedener Aktienhändler in den kommenden Wochen und Monaten seine Talfahrt weiter fortsetzen.

Reuters FRANKFURT. "Die Charts des Neuen Marktes und der Indizes sehen jämmerlich aus", sagte Klaus Tafferner vom Handelshaus Concord Effekten. "Der Markt kann dreistellig werden", ergänzte der Händler unter Verweis auf die nicht mehr weit entfernte Marke von 1000 Punkten. Solange die Welle negativer Meldungen und Gewinnwarnungen nicht abbreche, sei keine Besserung für das deutsche Wachstumssegment in Sicht. Erst müsse sich die konjunkturelle Situation in Europa und den USA bessern und das Vertrauen in den Neuen Markt zurückkehren.

Charttechnisch gebe es kaum noch Unterstützungslinien, sagten Händler. Der Nemax50, der am Freitag ein neues Rekordtief von 1181 Punkten markierte, habe bereits sämtliche Marken nach unten durchbrochen. Dennoch seien viele Werte noch nicht bei ihren Tiefständen angelangt, sagte ein Frankfurter Händler. In den vergangenen Wochen seien besonders die "heiligen Kühe" wie beispielsweise Aixtron geschlachtet worden.

"Die Anleger sind dermaßen verunsichert, dass sie nur noch raus wollen - egal zu welchem Preis." Es seien besonders die Schwergewichte im Index wie Aixtron oder Qiagen, die trotz des anhaltenden Abwärtstrends ihren Boden noch nicht gefunden hätten, sagte auch Aktienhändler Tafferner.

Dementsprechend habe der Auswahlindex weiteres Potenzial nach unten, hieß es. Der Markt könne auch unter 1000 Punkte fallen.

Im alle Werte umfassenden Nemax-All-Share-Index gibt es Tafferner zufolge bei 1235 Punkten noch eine schwache Unterstützung vom November 1998. Am Freitag markierte der All-Share-Index ein neues Jahrestief bei 1289 Punkten. Die Börse vergesse solche Unterstützungen nicht, auch wenn sie mehrere Jahre zurück lägen, sagte Tafferner. Andere Marktteilnehmer sagten dagegen, es handele sich um einen völlig veränderten und nicht mehr vergleichbaren Markt. Diese noch bestehende Unterstützung stamme aus der Zeit vor dem Entstehen und dem folgenden Platzen der Spekulationsblase am Neuen Markt. Dementsprechend schwach sei ihr Signal, hieß es.

Am Freitag markierten 88 der 326 am Gesamtmarkt gehandelten Aktien ein neues Jahrestief. Das entspricht mehr als einem Viertel aller Papiere. Im Nemax50 fielen 19 der 50 Blue Chips auf einen neuen Tiefstand im laufenden Jahr.

Das Vertrauen könne der Markt nur zurück gewinnen, falls die Deutsche Börse strengere Regularien beschließe, sagten die meisten der von Reuters befragten Aktienhändler. Unter anderem wurde immer wieder ein Ausschluss von "Billig-Aktien" unter einem Euro vom Kurszettel des Neuen Marktes gefordert. Diese so genannten Penny Stocks locken Händlern zufolge nur noch Spekulanten an und würden den gesamten Markt in Verruf bringen. "In den Billigaktien tummeln sich nur noch Zocker", sagte ein Händler.

Außerdem müsse sich die konjunkturelle Situation bessern. Erst wenn der Deutsche Aktienindex Dax sich erhole und seinen Boden finde, könne auch der Neue Markt wieder steigen. "Wir brauchen einen nachhaltigen Boden im Dax", sagte ein Börsianer.

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