Charttechnische Unterstützungen nach unten durchbrochen
Analyse: Kapitalabflüsse in die USA belasten den Euro

Mit dem Fall des Euros wurden charttechnische Marken nach unten durchbrochen. Laut Hellmeyer besteht damit weiteres technisches Abwärtspotenzial bis in den Bereich von 0,95 $. Sartoris zufolge müsste die Unterstützung bei 0,96 $ halten, sonst könnte es sogar einen Rückschlag bis auf 0,94 $ geben, "wenn es schlecht läuft".

DÜSSELDORF. Der Kurs des Euros hat gestern gegenüber dem US-Dollar deutlich nachgegeben. Bereits am Vormittag fiel er unter die Marke von 0,97 $ und damit auf den niedrigsten Stand seit gut sechs Wochen. Auch gegenüber dem japanischen Yen, zum britischen Pfund und zum Schweizer Franken konnte der Dollar zulegen.

In Marktkreisen fehlte eine eindeutige Begründung für die Befestigung der US-Devise, zumal keine neuen Wirtschaftsdaten vorgelegt wurden. Auch hätten die Verluste an der Wall Street am Vortag eigentlich eher für einen schwächeren Dollar gesprochen. Spekuliert wurde im Handel zum einen darüber, dass die amerikanische Notenbank angesichts der jüngsten Wirtschaftsdaten in den nächsten Monaten die Zinsen weiter senken wird. Davon habe der Dollar profitiert. Andererseits mehren sich die Stimmen, die auch eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank prognostizieren. "Zinsfantasien gibt es für beide Länder bzw. Regionen", sagt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Es gebe kein plausibles Argument, warum ein Land deutlich mehr von einer Zinssenkung profitieren sollte.

Als weitere Begründung für den festen Dollar wurde im Handel auf Rückflüsse von Geldern in die USA verwiesen. Auch Sartoris hält für denkbar, dass "Fondsmanager ihre Positionen in Euro-Land glattstellen". Folker Hellmeyer beurteilt die Lage ähnlich. "Man muss in den USA die Löcher stopfen", sagt der Chefanalyst des Treasury der Bremer Landesbank. Die gegenwärtigen Dollarkäufe beruhten nicht auf einer Stärke oder Attraktivität der USA, sondern basierten auf "eklatanter Schwäche". "Die Liquidität wird gebraucht", sagt Hellmeyer. Dafür spricht seiner Meinung nach, dass in ganz unterschiedlichen Anlagen - unter anderem bei Gold oder auch defensiven Aktienwerten - Gewinne realisiert werden, und zwar "losgelöst von einer Individualprüfung" der jeweiligen Vermögensanlage. Psychologische Unterstützung habe der Dollar zudem durch Gerüchte einer Übernahme von Hershey durch Nestlé im Volumen von bis zu 12 Mrd. $ erhalten.

Mit dem Fall des Euros wurden charttechnische Marken nach unten durchbrochen. Laut Hellmeyer besteht damit weiteres technisches Abwärtspotenzial bis in den Bereich von 0,95 $. Sartoris zufolge müsste die Unterstützung bei 0,96 $ halten, sonst könnte es sogar einen Rückschlag bis auf 0,94 $ geben, "wenn es schlecht läuft".

Beide Experten schließen weitere Einbußen für den Euro nicht aus. Gleichwohl sind die Kapitalabflüsse laut Hellmeyer und Sartoris "nur eine temporäre Erscheinung". Nach Ansicht des HSBC-Experten bleibt der Ausblick mittelfristig positiv für den Euro. Der größte Belastungsfaktor für den Dollar sei nach wie vor das Leistungsbilanzdefizit in den USA. Und auch Hellmeyer glaubt, die "Korrekturbewegung des Dollars kann jederzeit beendet sein".

In den Mittelpunkt könnte heute wegen des geldpolitischen Treffens die norwegische Krone rücken. Sollte die Norges Bank, die Zentralbank des Landes, die Zinsen erneut anheben, "würde die Krone weiteren Auftrieb bekommen", sagt Klaus Papenbrock vom Research-Büro der Deutschen Bank. Binnenwirtschaftlich würde zwar einiges für eine Zinsanhebung sprechen, doch hält Papenbrock diese angesichts der internationalen Marktturbulenzen und der globalen konjunkturellen Unsicherheit eher für unwahrscheinlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%