Chef bei Pro Sieben
Urs Rohner - Der Mann, der alle Hürden locker nimmt

Nach nur sechs Monaten ist der neue Chef von Pro Sieben obenauf. Die Fusion mit Sat.1 steht kurz vor dem Abschluss. Und schon schmiedet der Neuling im TV-Geschäft neue Pläne.

Hürden sind für Urs Rohner kein Problem. Zwei mal hintereinander - 1981 und 1982 - wurde der inzwischen 40-jährige Chef der Pro-Sieben-Gruppe Schweizer Meister im 110-Meter-Hürdensprint. Rohner - noch heute unter den ersten Zehn der ewigen Schweizer Bestenliste geführt - meisterte auch als Manager bislang alle Hindernisse auf dem Weg zum größten deutschen TV-Konzern. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung von Pro Sieben muss er sich nur noch den Segen seiner Aktionäre für den Zusammenschluss mit Sat.1 einholen, dann ist Urs Rohner am Ziel.

Der neue Konzern, mit dem etwas sperrigen Namen "Pro Sieben Sat.1 Media AG" ist in Deutschland mit einem Marktanteil von gut 25 Prozent mit deutlichem Abstand Nummer Eins. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zum Imperium des Münchner Filmhändlers Leo Kirch, 73, und steigt durch die Fusion auch in Europa zu den ganz Großen der Branche auf. Rohner wird künftig Herr sein über 3 000 Mitarbeiter und über einen Umsatz von vier Millarden Mark. Der deutsche Fernseh-Markt ist künftig dreigeteilt: Die großen Spieler sind die Kirch-Gruppe mit Pro 7 und Sat.1, Bertelsmann mit der RTL-Familie und Vox sowie die öffentlich-rechtlichen Sender. Unverhofft findet sich der immer zurückhaltend auftretende Schweizer in der Rolle einer der einflussreichsten TV-Manager in Deutschland und Europa wieder.

Aus der Wirtschaftsanwalts-Kanzlei direkt auf den Chefsessel bei Pro Sieben

Rohner hat einen erstaunlichen Aufstieg hinter sich. Vor gut einem Jahr dachte er wohl selbst nicht im Traum daran, einmal in die glitzernde TV-Branche zu wechseln. In seiner Schweizer Heimat hatte sich der Jurist einen Namen als Wirtschaftsanwalt in der renommierten Zürcher Kanzlei Lenz & Staehelin gemacht, wo er bereits 1992, mit 33, zum Partner aufgestiegen war. Rohner war rundum zufrieden, bis ihn im vergangenen Herbst ein Anruf aus München erreichte, der seine Karrierepläne durchkreuzte: Der Anrufer kam gleich zur Sache und bot dem überraschten Schweizer den Chefsessel bei Pro Sieben an.

Die Aufregung in München war zunächst groß: Ein im TV-Geschäft völlig unerfahrener und zudem ernsthafter Manager als Nachfolger des charismatischen Georg Kofler? Das konnte doch nur schief gehen, unkten die Skeptiker. Der langjährige Sender-Chef Kofler hatte Pro Sieben zu einem erfolgreichen TV-Konzern aufgebaut und 1997 an die Börse gebracht.

Schnell machten Vermutungen die Runde, der stets etwas steif und förmlich wirkende Rohner sei nur ein Strohmann von Kirch. Aber die spektakuläre Personalie hatte auch eine Logik. Angesichts der Stagnation im deutschen TV-Geschäft und der bevorstehenden Konsolidierung waren keine Visionäre mehr gefragt, sondern ein nüchtern denkender Macher und Controller - eben ein Mann wie Rohner. Die Börsianer schalteten als erste: Die lange schlappe Pro-Sieben-Aktie setzte zu einem regelrechten Höhenflug an.

Die erste Aufgabe für Rohner, ein ausgewiesener Spezialist in Fusions- und Medienfragen, war denkbar schwer und die anfänglichen Widerstände waren groß: Die Zusammenführung der Kirch-Sender Sat.1, Pro Sieben und Kabel 1. Jahrelang waren Pro 7 und Sat.1 erbitterte Konkurrenten. Dazu kamen Vorbehalte der anderen Gesellschafter, in erster Linie des Axel-Springer-Verlags, der bei Sat.1 beteiligt ist, und der Rewe-Gruppe, die bei Pro Sieben im Boot sitzt. Doch Rohner brachte alle zusammen. Der der Zusammenschluss wurde nach seinen Wünschen umgesetzt. Seinen großen Widersacher, Sat.1-Chef Fred Kogel, stellte Rohner kalt. Kogel wechselt in den Aufsichtsrat.

Doch die eigentliche Arbeit wartet noch auf Rohner, der einen Fünf-Jahres-Vertrag bei Pro Sieben unterschrieben hat. So muss er aus den TV-Stationen jetzt eine einheitliche Sender-Familie formen, die Sender neu positionieren. Zudem lassen die Gewinne von Sat.1 zu wünschen übrig. Bis der Sender das Rendite-Niveau von Pro Sieben erreicht, ist es noch ein langer Weg. Der endgültige Durchbruch des neuen Nachrichtensenders N 24 steht auch noch aus. Ganz zu schweigen von den Herausforderungen durch das Internet.

Doch Rohner hat der Ehrgeiz gepackt. Die neue Fernseh-Aktie soll in den Deutschen Aktienindex (Dax), kündigte er vollmundig an und ging auf Konfrontationskurs mit Hauptgesellschafter Kirch. Der will mit seiner Fernsehholding nämlich selbst in die höchste Börsenliga. Da stört ein zu großer Erfolg von Rohner bei Pro-Sieben-Sat.1 nur. Doch der Schweizer hat bereits bewiesen, dass er keine Angst vor hohen Hürden hat.

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