Chef der Bauer AG
Thomas Bauer: Der Unterhändler

Er ist einer der wenigen erfolgreichen Unternehmer in der Krisenbranche Bau. Jetzt ist Thomas Bauer in die schwerste Tarifauseinandersetzung der Branche geraten. Als Verhandlungsführer der Arbeitgeber ist er bemüht, den aktuellen Streik möglichst kurz zu halten.

MÜNCHEN. Schon sehr früh in seinem Leben hat er soziale Verantwortung übernommen - ob als Klassensprecher, Pfadfinder oder als Redakteur der Schülerzeitung. Er ist jedoch nicht der Typ, der sich unbedingt danach drängt. Thomas Bauer lässt sich lieber fragen. Dann fällt es ihm aber schwer, Nein zu sagen.

Dieser Charakterzug hat dem Chef des bayerischen Bauunternehmens Bauer AG einen heiklen Job beschert. Vor dreieinhalb Jahren haben ihn die Arbeitgeber der Bauindustrie zum Verhandlungsführer bei den Tarifauseinandersetzungen gekürt. "Ich wurde gebeten, als mein Vorgänger aufhörte", sagt Bauer ganz bescheiden.

Mitten im heftigsten Tarifstreit der Nachkriegszeit

Jetzt befindet sich der weltläufige Bayer, dessen Dialekt nur leicht anklingt, mitten im heftigsten Tarifstreit der Nachkriegszeit. Er hofft auf einen kurzen Streik in der Baubranche: "Sonst sind wir am Ende alle Verlierer." Der Markt kenne kein Pardon, und im achten Jahr der Baukrise erstmals zu streiken hält er für "denkbar ungünstig". Das Angebot der Arbeitgeber liege aber schon an der Schmerzgrenze.

Wohl ist dem Unterhändler der deutschen Bauindustrie nicht. Er plädiert, sehr zum Gefallen der Gewerkschaften, für höhere Mindestlöhne in Deutschland, die dann auch die Konkurrenz aus dem Ausland zahlen müsste. Doch genau dieser Punkt hat die Schlichtung gesprengt, weil die Arbeitgeber im Osten Deutschlands nicht mehr zahlen wollen oder können.

Bauer zählt zu den Unternehmern, die alte Muster des Klassenkampfes verabscheuen und auf Konsens aus sind. "Wir sind ein Familienunternehmen und verstehen unser Tun nicht zuerst als Gewinnoptimierungsprozess, sondern in der sozialen Verantwortung, in der Menschen gemeinsam ihren und unseren Erfolg erarbeiten", schreibt der 46-jährige Betriebswirt in seiner Firmenbroschüre. Diesen Satz wird ihm sein Widersacher bei der Tarifauseinandersetzung, IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel, wohl noch häufiger unter die Nase reiben. Liegen doch die Lohnvorstellungen beider Seiten weit auseinander.

Auf Ausgleich bedacht

Da sind Bauers Talente gefragt. Gewerkschafter bescheinigen ihm, er sei ein aufrichtiger Verhandlungsführer, der auf Ausgleich bedacht sei. In seinem Unternehmen sieht er sich selbst als "Teamspieler, der nur mit motivierten Mitarbeitern zusammenarbeiten kann". Von diesen verlangt er viel, gibt ihnen aber dafür viel Verantwortung. Der Vater zweier fast erwachsener Kinder hat eine offene Art. "Wir machen das heute zum ersten Mal. Was können wir besser machen?" fragte er vor einigen Tagen die Journalistenrunde bei der ersten Pressekonferenz des 200 Jahre alten Familienunternehmens aus dem bayerischen Schrobenhausen.

Bauer wird auch das sicherlich schnell lernen, wie er alles in seinem Leben schnell lernte und lernen musste. Als sich sein Vater in den Aufsichtsrat zurückzog, rückte der Junior im Alter von nur 31 Jahren an die Spitze der Firma. Er konzentrierte das Geschäft auf den Spezialtiefbau, baute eine eigene Fertigung von Spezialmaschinen für den Tiefbau auf und setzte früh auf das Auslandsgeschäft ("ein riesiger Kraftakt"). So steigerte er den Umsatz von 120 Millionen auf 600 Millionen Euro. Heute gehört es zu den zehn größten Bauunternehmen im Lande.

Trotz der Doppelbelastung als Unternehmenschef und Verhandlungsführer im Tarifstreit wirkt Bauer recht entspannt. Er erklärt dies mit seiner Fähigkeit, auch im größten Stress abschalten zu können. Bauer erholt sich gerne beim Skifahren, Segeln oder bei Touren mit seinem Motorrad. Und er schützt sein Privatleben rigoros: Kein familiärer Termin wird wegen eines geschäftlichen verschoben. Es dürfte aber nicht leicht sein, dieses Prinzip in den nächsten Tagen auch im großen Tarifstreit zu verteidigen.

Vita

Thomas Bauer, geboren am 27. Juli 1955 in Schrobenhausen, studiert Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einer Tätigkeit in den USA ist er seit 1982 in der Bauer-Gruppe in leitender Stellung tätig: 1986 übernimmt er die Führung des Familienunternehmens von seinem Vater, das seit 1994 als Bauer AG firmiert. Er ist zudem Vizepräsident des Vorstandes des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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