Chef der Bayerischen Landesbank
Werner Schmidt: Tanz auf dem Drahtseil

Der 58-jährige Chef der bayerischen Staatsbank spielt eine Schlüsselrolle im Drama um Leo Kirch. Und er geht demonstrativ auf Distanz zur Politik - ein Drahtseilakt.

MÜNCHEN. Werner Schmidt gilt als ehrgeizig, standfest und selbstbewusst - Eigenschaften, die er bei seinem neuen Job als Chef der Bayerischen Landesbank gut gebrauchen kann. Denn der hoch gewachsene Schwabe mit den silbernen Haaren, der seit acht Monaten in München ist, hat gleich an zwei Fronten zu kämpfen.

Er spielt als mit Abstand größter Gläubiger eine Hauptrolle bei der Rettung der schwer angeschlagenen Kirch-Gruppe. Gleichzeitig aber will er seine Landesbank aus der Umklammerung der bayerischen Politik befreien, um sie fit zu machen für eine Zukunft ohne Staatsgarantien.

"Ich habe bisher noch keine Weisung der Staatsregierung erhalten", meinte Schmidt, 58, vor einer Woche. Sein Haus, setzte er noch eins drauf, sei kein Befehlsempfänger der Politik.

Solch aufmüpfige Töne wird man ein paar Straßen weiter, in der Münchener Staatskanzlei, gar nicht gerne hören. Gilt doch die Landesbank, zur Hälfte in Staatsbesitz, seit Jahrzehnten als verlängerter Arm der CSU.

Im Verwaltungsrat sitzt das halbe Kabinett des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber - und betreibt eifrig Standortpolitik: Ob bei Leo Kirch, bei Grundig, beim Immobilienskandal um die LWS oder bei der Beinahpleite der Schmidt-Bank in Hof - immer war die Landesbank betroffen.

Doch das Verhältnis zwischen Kanzlerkandidat Stoiber und dem parteilosen Schmidt hat sich merklich abgekühlt. Zwar war es Stoiber, der den früheren Chef der Landesbank Baden- Württemberg im März 2001 gegen manche Widerstände nach München holte. Doch schon schnell gerieten die beiden Herren aneinander, weil Schmidt mehr Gehalt für sich und seine Vorstandskollegen bei der Landesbank forderte. Und der Banker weiß: Stoiber kann sich im Wahlkampf keinen öffentlichen Streit mit ihm leisten.

Schmidt nutzt dies und geht immer mehr auf Distanz zur Politik. Das bescheinigt ihm sogar die rot-grüne Opposition im bayerischen Landtag. "Der macht, was er will", meint etwa die Grünen-Haushaltsexpertin Emma Kellner, eine ausgewiesene Kritikerin der Landesbank.

Keinerlei Probleme hat Schmidt dabei, sich gegen CSU-Mann Rudolf Hanisch, Ex-Chef der Staatskanzlei und jetzt eine Art Aufpasser bei der Landesbank, durchzusetzen. Außer Hanisch hat nur noch ein weiteres Vorstandsmitglied das CSU-Parteibuch.

Auch in Sachen Kirch ging Schmidt zuletzt in die Offensive und mahnte öffentlich eine schnelle Lösung der Krise an. Die Landesbank ist offenbar nicht bereit, weitere Kredite an den angeschlagenen Medienunternehmer zu vergeben. Der steht bei ihr nämlich schon jetzt mit 1,9 Milliarden Euro in der Kreide.

Seine Vorgänger haben sich gute Sicherheiten geben lassen, versichert Schmidt: "Nehmen Sie mir ab: Ich kann in aller Ruhe schlafen."

Doch die Gelassenheit scheint nur gespielt. Denn die Sicherheiten, die Kirch zu bieten hat - etwa Filmlizenzen oder die Übertragungsrechte für die Formel 1 -, sind in Wahrheit mit hohen Ausfallrisiken behaftet.

Ein Totalausfall würde die Landesbank wohl nicht in den Abgrund reißen, aber doch für ein erhebliches Finanzloch sorgen. Es kommt hinzu: Die anderen privaten Gläubiger, etwa Deutsche oder Dresdner Bank, verfolgen ihre eigenen Interessen. Kein Wunder, dass Schmidt bereits eindringlich zur Geschlossenheit mahnt. Wie stark letztlich seine Verhandlungsposition etwa gegenüber Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer ist, weiß niemand.

Schmidt, dessen Lieblingsfilm "Casablanca" ist, sagt von sich selbst, dass er kein ausgewiesener Medienexperte ist. Schon jetzt zeigt sich, dass seine Aufgabe bei der Bayerischen Landesbank, immerhin Nummer zwei in Deutschland, mindestens eine Nummer größer ist als sein früherer Spitzenjob in Baden-Württemberg.

Doch der Vater zweier erwachsener Söhne, der Erholung beim Skifahren in der Schweiz sucht, verfügt als ehemaliger Leistungsschwimmer zumindest über Ausdauer. Noch aus Stuttgarter Zeiten stammt auch seine Vorliebe für schwere Mercedes-Limousinen. Privat wie beruflich lässt sich Schmidt übrigens nicht gern lenken. Er übernimmt lieber selbst das Steuer, einen Fahrer braucht er nur für offizielle Anlässe.

Bleibt zu hoffen, dass er bei dem hohen Tempo unfallfrei bleibt.

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