Chef der Brau und Brunnen AG
Michael Hollmann: Verkäufer in eigener Sache

Nach eineinhalb Jahren in seinem Amt hat Michael Hollmann es geschafft: Das Ansehen des drittgrößten deutschen Getränkekonzerns ist wieder hergestellt.

Michael Hollmann eilt der Ruf voraus, ein besonders forscher Vertreter seiner Zunft zu sein. "Manchmal zu forsch", hört man aus dem Arbeitnehmerlager. Doch dies nimmt der Vorstandsvorsitzende des Dortmunder Getränkekonzerns Brau und Brunnen AG eher als Kompliment denn als Grund, das eigene Handeln in Zweifel zu ziehen.

Zum Zaudern besteht derzeit auch kaum Anlass, denn der 44-jährige Hollmann hat den lange Zeit neben der Fahrrinne dahindümpelnden drittgrößten deutschen Getränkekonzern wieder in tieferes Fahrwasser gesteuert.

In den eineinhalb Jahren seiner Amtszeit stieg der Aktienkurs um das Dreifache auf zeitweise 45 Euro. Zwar notiert das Bier-Papier immer noch deutlich unter seinen einstigen Spitzenpreisen, doch allein für die phänomenale Kursentwicklung der vergangenen Monate mochten ihm einige Kleinaktionäre auf der Hauptversammlung im Juni beinahe die Füße küssen. Sie störte es kaum, dass das Eigenkapital des Konzerns aufgezehrt ist und keine Aussicht auf Dividende besteht.

Brancheninsider sind verblüfft und vermuten, dass Hollmann vor allem als PR-Stratege brilliert. Abgerechnet wird ohnehin erst 2003. Dann, so Hollmanns ehrgeiziges Ziel, soll Brau und Brunnen wieder schwarze Zahlen schreiben.

Der Dank der Aktionäre galt auch dem Aufsichtsratschef Dieter Rampl, der mit Hollmann endlich einen Branchenkenner nach Dortmund geholt hat. Rampl, gleichzeitig Vorstand der Hypo-Vereinsbank, tat dies aber im Eigeninteresse - die Bank hält 55 Prozent an Brau und Brunnen.

Michael Hollmann ist dafür bekannt, dass er nicht um jeden Preis einen Kompromiss eingeht. Er wäre somit genau der Richtige, der nach erfolgreicher Sanierung einen Verkauf der Beteiligung auf den Weg bringen könnte. Zwar bestreitet der Spitzenmanager - ein Leutnant der Reserve - einen solchen Marschbefehl des Mehrheitsaktionärs. Doch in München plant man offenbar weiterhin einen Verkauf des Brau-und-Brunnen-Pakets.

Gleich nachdem er im Januar 2001 die Geschäfte übernahm, hat Hollmann die Ärmel mächtig aufgekrempelt und erst einmal ein Exempel statuiert. Wenig Geduld hatte er mit dem Chef der Erfrischungsgetränkesparte, der in Zeiten neuer Rekorde beim Absatz von Mineralwässern mit seinem Unternehmensbereich floppte. Nach dem Rausschmiss des Verantwortlichen und der Schließung der unrentablen Betriebsstätte des Spreequell Mineralbrunnens steht nun auch das Joint Venture zwischen der Mineralquelle Apollinaris und dem britischen Getränkekonzern Cadbury Schweppes zur Disposition.

Keinen Hehl macht Hollmann aus seiner Abneigung gegen das Gemeinschaftsunternehmen: Sein Vorvorgänger hatte den Briten trotz einer Beteiligung von nur 28 Prozent die Hälfte der Stimmrechte eingeräumt. Das geht Hollmann gegen den Strich. Zwar werde er "Apollinaris nur verkaufen, um zukunftsgerichtete Investitionen zu tätigen", versichert er, doch ausschließen will er keine Option.

Michael Hollmann stellt klar, dass er zurück zum ursprünglichen Geschäft will - dem Bier. Damit kennt er sich aus: Schon als Student eröffnete er in Kiel eine Kneipe, seine Karriere begann er als Trainee beim Friesischen Brauhaus zu Jever. Und so schließt sich der Kreis - Jever ist heute das Flaggschiff des Dortmunder Braukonzerns.

Jever, die einzige nationale Pilsmarke des Unternehmens, genießt die unumschränkte Aufmerksamkeit des Konzernlenkers. Für drei Millionen Euro pro Jahr prangt das Logo jetzt auf den Trikots des Bundesligaclubs, dessen Mitglied er seit einigen Jahren ist: Borussia Mönchengladbach. Hollmanns Lieblingsgetränk? Na klar: "Ein frisch gezapftes Jever."

Quelle: Handelsblatt

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