Chef der britischen Einzelhandelskette Tesco
Terry Leahy: Der stille Supermarktkönig

Terry Leahy ist seit fünf Jahren Chef von Tesco, der größten britischen Supermarktkette. Das Leben des 46-Jährigen lässt sich schnell beschreiben: "Vor allem Tesco, seine Familie und der FC Everton".

LONDON. Es war irgendwann im Sommer 1979, als sich ein junger Mann mit hartem Liverpool-Akzent bei der britischen Supermarktkette Tesco bewarb. Fast ein Vierteljahrhundert später wird der inzwischen 46-jährige Terry Leahy heute als Chef des Konzerns einen Rekordgewinn verkünden. Und dabei wird in seiner Stimme noch immer der unverkennbare Klang der Arbeiterstadt im Norden Englands mitschwingen. Denn seinen Wurzeln ist Leahy auch als Chief Executive Officer des größten britischen Lebensmittelhändlers treu geblieben, nicht nur als Fan des Liverpool-Clubs FC Everton. Auf die Frage, warum ausgerechnet er den Konzern seit fünf Jahren von einem Erfolg zum anderen führt, antwortet Leahy: "Ich bin eben mit den Menschen aufgewachsen, die unsere Kunden sind und die in unseren Läden arbeiten."

Aber auch internationale Expansion, Online-Verkauf und Kostenstrategie haben Tesco in den vergangenen Jahren zu einem der erfolgreichsten Unternehmen im Land gemacht. "Tesco ist vor allem eine britische Erfolgsgeschichte", sagt Leahy. Dazu gehört es, dass er zur Beerdigung von Queen Mum alle Geschäfte in Großbritannien schließen ließ und die Bilanzvorlage um einen Tag verschoben hat.

Die Karriere von Terry Leahy passt so richtig in den britischen Lebenstraum. Geboren Mitte der fünfziger Jahre als Sohn eines Zimmermanns, der mit seinem nicht gerade üppigen auf einer Liverpooler Werft verdienten Lohn seine Familie ernährt. In der grauen Industrie- und Hafenstadt wächst Terry zum Teenie heran, als die Beatles ihre ersten Erfolge haben und sich der Lebensstandard in Großbritannien für die ärmere Klasse zu bessern beginnt.

Auch der Handel erlebt zu der Zeit einen Boom und einen Wandel. So ändert die als Billiganbieter gegründete Kette Tesco ihr Image und wird unter dem damaligen Chef Lord MacLaurin zu einem modernen Supermarkt. Er entdeckt das Talent des jungen Leahy. Die Legende erzählt, dass der Lord ihn schon lange vor dem Führungswechsel als Nachfolger ausgewählt haben soll.

Leahy wählt seine Worte mit Bedacht

Leahys ruhige, zurückhaltende Art soll den offenherzigen MacLaurin beeindruckt haben. Leahy wählt jedes Wort mit Bedacht, spricht eher leise und hört genau zu. "Er sagt wenig, aber wenn er was sagt, bringt er die Sache auf den Punkt", beschreibt ihn ein Kollege. Andere empfinden den ruhigen Mann, der nur ungern über Privates spricht, eher als Eisklotz - kühl und unnahbar.

Auf jeden Fall hat Leahy die Kette etwa mit neuen Produkten wie Fertiggerichten, durch die Einführung einer Kundenkarte sowie mit Bio-Lebensmitteln oder dem Angebot von Bankdarlehen genau den Bedürfnissen der Briten angepasst - und so die Konkurrenz abgehängt. Auf dem britischen Markt, noch immer der Großteil des Tesco-Umsatzes, ist der Konzern mit einem Marktanteil von einem Viertel die Nummer eins vor Sainsbury (17,7 Prozent), Asda (15,9) und Safeway (10,2).

Weltweite Beachtung fand Leahy aber vor allem mit seinem Online-Verkauf. Der Mann, der die britische Karriereleiter nicht über Oxford, sondern über die Universität Manchester erklomm, hat es selbst der US-Konkurrenz von Wal-Mart gezeigt. Tesco ist der größte Online-Lebensmittelhändler der Welt und gilt als Vorbild. Nach Leahys Plänen soll Tesco vor allem im Ausland wachsen. Der Konzern hat bereits Läden in Polen, Ungarn, Thailand und Taiwan. Leahy sieht Chancen in China, Japan und plant seit langem den Sprung über den Teich nach Amerika. "Amerika macht ein Viertel des weltweiten Bruttosozialprodukts pro Minute", merkt er an. Doch auf der heutigen Präsentation in London werden die Analysten das Auslandsgeschäft unter die Lupe nehmen. Noch ist unklar, ob sich die Milliarden, die Leahy dort investiert hat, auszahlen werden. Und auch zu Hause bröckelt es im Reich des "Supermarktkönigs". In Großbritannien hat Tesco erstmals seit Jahren Kunden an die Konkurrenz verloren.

Nach 23 Jahren Aufstieg muss sich vielleicht auch Leahy auf härtere Zeiten einstellen. Wie der FC Everton. Der Fußball-Club, noch vor wenigen Jahren unter den Top-Vereinen, ist zurzeit auf Platz 13 der englischen Liga.

Vita:
Das Leben von Terry Leahy lässt sich schnell beschreiben: "Vor allem Tesco, seine Familie und der FC Everton". Geboren 1956 in Liverpool, studiert Leahy an der Universität in Manchester und startet 1979 seine Karriere bei dem Unternehmen Tesco. Seit fünf Jahren ist der heute 46-Jährige Chef der größten britischen Supermarktkette. Leahy lebt mit seiner Frau Alison und drei Kindern in Cuffley nahe der Tesco-Zentrale in Hertfordshire.

Quelle: Handelsblatt

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