Chef der britischen Post Consignia
Allan Leighton: Der Firmen Wunderdoktor

Er gilt als Supermanager und charismatischer Motivator. Nun soll Allan Leighton die marode britische Post vor dem Ruin retten. Eine Aufgabe, die ihn scheinbar kalt lässt.

LONDON. Alles unter Kontrolle. Selbst seine lockere Position auf dem Bürostuhl wirkt bei Allan Leighton an diesem Morgen gewollt lässig. Mal die Beine über Kreuz, dann ein Schluck aus der Kaffeetasse, die randlose Brille betont hoch auf den Kahlkopf geschoben - der britische "Firmen-Wunderdoktor" hat seine Körpersprache voll im Griff.

Nur nichts Zufällen oder gar Emotionen überlassen. Schließlich steht der neue Chairman der britischen Post unter Beobachtung. Und so ist auch jeder Satz, den er sagt, genau und mit Bedacht gewählt. "Wenn 30 000 Leute gehen müssen, ist das nichts, worauf wir stolz sein können." Das kritzeln die Reporter sofort in ihre Büchlein. Leighton schaut nur kurz vom Rednerpult auf und weiß: Alles unter Kontrolle.

Superman, Alleskönner und Motivator in einem

Allan Leighton, 49, das ist dieser faszinierende Teufelskerl, der schon für so viele Schlagzeilen gesorgt hat. Irgendwie Superman, Alleskönner und Motivator in einem. Dabei ist Leighton nicht einer von den hemdsärmeligen Typen wie etwa Ryanair-Chef Michael O?Leary, der einem schon bei der Begrüßung laut lachend auf die Schulter haut. Und Leighton sucht auch nicht die Öffentlichkeit mit barbusigen Frauen wie Virgin-Chef Richard Branson.

Nein, der charismatische Brite sucht stets den leisen und präzisen Weg zum Erfolg. Und dann hören ihm alle zu. "Wenn Deine Worte nicht hängen bleiben, dann hast Du nichts gesagt", ist eine seiner Weisheiten, die der Manager-Guru auf seiner Web-Seite verbreitet. Auf die Frage nach dem Schlüssel zum Erfolg antwortet er allerdings weniger esoterisch, sondern ganz pragmatisch: "Hart arbeiten und immer lernen."

Gelernt hat der Sohn eines Ladenbesitzers aus Hereford die Welt des Managements bei seinem ersten Job. 18 Jahre lang verkaufte er nach dem Studium süße Riegel für Mars. "Alles was ich weiß, habe ich dort gelernt", sagt der Mann mit dem lichten Haar. Bekannt wurde sein Name aber Mitte der 90er-Jahre, als er bei der hoch verschuldeten Supermarktkette Asda die Führung übernahm. "Super-Allan" schaffte, was niemand für möglich hielt: Er holte Asda aus dem Tief und verkaufte den Laden an den US-Riesen Wal-Mart.

Zwischenstation bei Wal-Mart

Dieser Coup brachte ihm selbst 80 Millionen Pfund (130 Millionen Euro) und zudem den Posten des Europachefs bei Wal-Mart ein. Doch für den "bunten Vogel" Leighton war der gleichgeschaltete US-Konzern auf Dauer nichts. Reich genug, schmiss Leighton alles hin. "Denk daran, Du lernst mehr von den Leuten, mit denen Du zusammenarbeitest, als von der Firma, für die Du arbeitest", lautet ein anderer "Leightonism".

Also Kreativität statt Karriere? Oder eben beides. Denn seitdem ist Leighton gefragt wie nie zuvor. Als er im Frühjahr den Spitzenposten bei der krisengeschüttelten britischen Post übernahm, hatte Leighton bereits rund zehn ähnliche aktive Führungsjobs in der Tasche: bei der Baufirma Wilson Conolly, beim TV-Sender BSkyB und bei Lastminute.com. Als Fan von Leeds United konnte der eingefleischte Fußballfreund natürlich auch dem Verein nicht widerstehen. Dort ist Leighton nun Vize Chairman. So viel Fußball muss sein.

Kampf gegen schlechte Moral und starke Gewerkschaften

Doch vielleicht hat er den Posten nicht mehr lange. Denn die Post wie einst Asda aus der Krise zu führen, ist eine Mammutaufgabe. Das Unternehmen, das sich erst vor gut einem Jahr den Kunstnamen Consignia verpasst hat, steckt tief in den roten Zahlen.

Bei der Post muss Leighton gegen die Aufsichtsbehörden kämpfen, gegen die schlechte Moral in der Belegschaft und gegen starke Gewerkschaften. Doch der neue Chef macht, was sich bislang kein Postmanager getraut hat. Er zieht einfach sein Sakko aus, hängt es über die Lehne und verkauft dann einen radikalen Stellenabbau, höheres Porto, ein neues Management und das Ende des teuer erworbenen Kunstnamens.

"Es sind eben einige Sachen ziemlich schief gelaufen", straft Leighton mit sanfter Stimme seine Vorgänger ab. Dabei wirft sein perfekt gebügeltes blaues Business-Hemd kein einziges Fältchen. Alles unter Kontrolle.

Vita

Allan Leighton wird am 12. April 1952 in Hereford geboren. Er studiert an der North Oxon Polytechnik, am Institute of Bankers und schließlich an der Harvard Business School. Nach 18 Jahren beim Schokoriegelhersteller Mars wechselt er kurz zum Hundefutterproduzenten Pedigree und kommt 1992 zur Supermarktkette Asda, wo er 1996 den Chefsessel übernimmt. Im Frühjahr 2002 wird er Chef der britischen Post.

Quelle: Handelsblatt

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