Chef der Bundesbehörde für Infektionskrankheiten
100 Mill. Euro für Aids-Bekämpfung in Osteuropa gefordert

Ende dieses Jahres würden in Russland und den anderen osteuropäischen Staaten etwa 700 000 Menschen mit der Immunschwächekrankheit infiziert sein; vor drei Jahren seien es noch 140 000 gewesen. Wie in Afrika und Asien sei Aids in Osteuropa von den Drogenkonsumenten auf die allgemeine Bevölkerung übergegangen. In den russischen Gefängnissen mit 1,1 Mill. Häftlingen gebe es eine mit dem Drogenkonsum einher gehende "regelrechte Epidemie von Aids" und sehr schwer heilbarer Tuberkulose, sagte Kurth.

Deutsche Experten nach Osteuropa

Die EU-Kommission zahle bisher jährlich 20 bis 30 Mill. Euro für Hilfsprogramme. Doch ein Mitteleinsatz unter 100 Mill. Euro würde nichts bringen. Außerdem müssten auch deutsche Experten nach Osteuropa geschickt werden, forderte der Behördenchef. Die in staatliche Einrichtungen geflossenen Gelder hätten bisher nicht den erhofften Effekt gehabt, erklärte Kurth. Sie seien zum Teil auch "verschwunden". Jetzt arbeite man mit Nichtregierungsorganisationen zusammen, die die Gelder besser verwendeten. Die offizielle Einstellung zum Aids-Problem hat sich nach Angaben Kurths "selbst in Russland" geändert. Man sei kooperativ und negiere das Problem nicht mehr.

Bei der Aids-Bekämpfung müsse man sich zunächst auf die großen Städte wie Königsberg beschränken, in denen sich das HI-Virus am stärksten ausbreitet, sagte Kurth. In den ebenfalls stark betroffenen Ländern Ukraine und Weißrussland liefen bisher wenig Hilfsprogramme.

In Deutschland wird die Zahl der HIV-Infizierten nach Einschätzung des Experten bei 2 000 im Jahr konstant bleiben. Das sei bei 80 Mill. Einwohnern wirklich niedrig, meinte Kurth. Den Grund dafür sieht er in den frühen Aufklärungskampagnen seit Mitte der 80er Jahre. Die damalige Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (CDU) habe entscheidend zum Erfolg beigetragen.



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