Chef der Douglas Holding AG
Henning Kreke: Der geborene Vorzeigesohn

Das ist selten bei Generationswechseln in Unternehmen: Vater und Sohn liegen voll auf einer Wellenlänge. Jörn und Henning Kreke von Douglas machen es vor.

DÜSSELDORF. Er ist wohl so, wie sich ein Vater seinen Sohn wünscht: Er redet mit der gleichen Überzeugungskraft wie sein Vater, er vertritt die gleichen, grundsoliden Werte - kurz: er kommt daher wie der jüngere Bruder, äußerst gepflegt in Anzug mit Weste. Für einen solchen Sohn macht man gerne Platz an der Unternehmensspitze. Der 37-jährige Henning Kreke durfte vor einem Jahr den 61-jährigen Vater Jörn als Vorstandschef der Hagener Douglas Holding AG ablösen.

Seine Bilanz für das erste Jahr, die er jüngst vorstellte, kann sich sehen lassen. Der Fachgeschäftskonzern für Kosmetik (Douglas), Schmuck (Christ), Bücher (u.a. Thalia), Mode (Appelrath & Cüpper) sowie Sport (Voswinkel) schnitt deutlich besser ab als der übrige deutsche Einzelhandel.

Damit führt er die Erfolgsstory seines Vaters fort. Jörn Kreke, der 32 Jahre lang die Geschicke des Hagener Fachgeschäftskonzerns geleitet hatte, vollzog geschickt den Wandel von der reinen Süßwarenkette zum Konzern mit gehobenem Anspruch und beachtlichem Auslandsgeschäft - ohne Schnörkel, ohne Hang zu Projekten mit unabsehbarem Ausgang, halt grundsolide.

Dass der Chefsessel bei einem börsennotierten Unternehmen quasi in Familienbesitz bleibt, zeigt die Besonderheit bei Douglas: 35 Prozent des Kapitals hält der Pool um die Familie Eklöh. Herbert Eklöh, ehemals Chef und Mehrheitsgesellschafter des Konzerns, der damals noch Hussel hieß, war Jörn Krekes Stiefvater.

Eigene Akzente im Familienunternehmen

Doch trotz aller Liebe zur Firmentradition und der Gemeinsamkeit mit seinem Vater - Henning Kreke setzt seine eigenen Akzente. Bereits beim ersten öffentlichen Auftritt im April vergangenen Jahres sagte er, wo es langgehen soll: "Wir sind bei Parfümerien die Nummer eins in Deutschland. Das wollen wir auch in Europa werden. Wir sind im Buchmarkt die Größten hier zu Lande und wollen dies auch in den Auslandsmärkten werden, in denen wir präsent sind."

Henning Kreke setzt beim weiteren Ausbau des Lifestyle-Konzerns auf Markenzeichen. Was seinem Vater, der die Führung bei Douglas 1969 bereits mit 29 Jahren übernommen hatte, mit dem gehobenen Parfümerie-Geschäft gelang, will der Junior mit der Uhren- und Schmuck-Tochter Christ schaffen: Ebenso wie Douglas als Top-Marke des deutschen Einzelhandels fast schon zum Gattungsbegriff geworden ist, soll Christ zum Synonym "für den beliebtesten Schmuck- und Uhrenhändler" in Deutschland werden.

Da hat sich Kreke ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Zwar ist Christ zahlenmäßig bereits der Größte in der Branche. Doch stehen Luxusgüter wie Uhren und Schmuck derzeit angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute nicht besonders hoch im Kurs. Aber Kreke lässt sich dadurch nicht beirren. Dafür ist er wie sein Vater zu sehr Händler - mit Leib und Seele. Schon als Kind schlenderte er durch die Einkaufsstraßen und studierte die Schaufenster. Er wollte nie etwas anderes werden als Händler.

Erfahrungen in den USA gesammelt

Kreke, der heute mit einer Amerikanerin verheiratet ist, sammelte Erfahrungen in den USA beim Schmuck-Einzelhändler Zale in Dallas/Texas und studierte an der University of Texas in Austin Marketing und Finanzen. Auch sein Vater studierte in den USA. Und die Promotion zum Doktor machte er - wie sein Vater - in Deutschland. Nur Kreke junior promovierte in Kiel, Kreke senior in Frankfurt.

Bei so vielen Parallelen zwischen Vater und Sohn - selbst die Stimme hat den gleichen Klang - liegt der Schluss nahe, dass der Führungswechsel einen Generations-, aber keinen Strategiewandel markiert. Damit beantwortet sich die wohl drängendste Frage: Kann das gut gehen, wenn der Vater als Aufsichtsratschef den Sohn kontrolliert? Solche Konflikte, die viele Familienunternehmen prägen, gibt es bei den Krekes nicht.

Vater und Sohn arbeiten schon seit 1993 zusammen. Bereits seit 1997 prägte Henning Kreke im Vorstand die Geschäftspolitik des Handelskonzerns mit: Sein Gesellenstück war das Life-Style-Haus in Frankfurt. In der Mainmetropole fasste er zum ersten Mal alle Geschäfte des Konzerns unter einem Dach zusammen.

Doch sein Versprechen, eine offenere Öffentlichkeitsarbeit zu machen, hat er noch nicht ganz eingelöst. Das liegt daran, dass der Vater dreier Kinder vorerst mit der Basisarbeit ausgelastet ist: Er reist zu den Filialen und spricht mit den Mitarbeitern, um das Geschäft von der Basis her zu beeinflussen. Auch das teilt er mit seinem Vater: das "Management by Walking around".

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