Chef der Essanelle Hair Group, ist gar nicht eitel
Uwe Grimminger: Der erste Friseur geht an die Börse

Am heutigen Dienstag beginnt die Zeichnungsfrist für die Essanelle-Aktien. Uwe Grimminger ist fest davon überzeugt, dass die Anleger mit dem Papier einen guten Schnitt machen werden.

DÜSSELDORF. "35 Minuten, eine verdammt gute Zeit", strahlt Uwe Grimminger. Der Vorstandsvorsitzende der Düsseldorfer Essanelle Hair Group ist mit sich zufrieden. "Es gibt Tage, an denen brauche ich für die Fahrt von meinem Haus in Kerpen ins Büro eineinhalb Stunden." Gut, dass heute auf den Straßen um Köln und Düsseldorf so wenig los war.

Denn Zeit hat Grimminger derzeit kaum. Seit der größte Friseurfilialist Deutschlands mit 535 Salons, 5000 Mitarbeitern und 108 Millionen Euro Umsatz angekündigt hat, am 15. Juni an die Börse zu gehen, jagt ein Termin den nächsten: Verhandlungen mit den Banken, Präsentationen und immer wieder Interview-Wünsche.

Grimminger hat Spaß daran, bei jeder Gelegenheit für die Zeichnung der Essanelle-Aktien zu trommeln. Man nimmt ihm die Begeisterung für sein Unternehmen ab, obwohl er, anders als Bäcker Heiner Kamps oder Optiker Günter Fielmann nicht vom Fach, sprich kein gelernter Friseur ist. "Nein, den neuesten Friseurwitz habe ich nicht parat", vermeidet er Klischees. Die Witze, die er kennt, hat er sich vor ein paar Wochen von einem Kollegen erzählen lassen - für eine Geschichte im "Spiegel". Über die ist er im Nachhinein nicht besonders glücklich.

Aufgewachsen ist der heute 51-Jährige gemeinsam vier jüngereren Geschwistern in Wilhelmshaven. Vater Verwaltungsangestellter bei der Bundeswehr, Mutter Hausfrau, einfachste Verhältnisse. Statt Lehrer zu werden, studiert Grimminger Betriebswirtschaft und geht für seine damaligen Arbeitgeber Alusuisse 1980 ins Rheinland. Von 1986 bis 1990 ist er Finanzdirektor bei der L?Oréal-Tochter Helena Rubinstein, danach drei Jahre Geschäftsführer einer Zeitarbeitsfirma. 1993 wechselt er zu Essanelle und wird 1998 Gesamtgeschäftsführer und Mitgesellschafter.

Seine Art ist unverändert locker. Aus Terminnot habe er kürzlich einen Journalisten mit seinem Dienstwagen nach Frankfurt mitgenommen, erzählt er. "Wir haben ?was gegessen und getrunken, nebenbei habe ich Fragen beantwortet und ständig an meinem Navigationssystem rumgefummelt, damit wir uns nicht verfahren."

Obwohl sich der hoch gewachsene Mann mit seinen dunklen Anzügen, den hellen, unifarbenen Hemden und der gediegenen Krawatte äußerlich kaum von anderen Vorstandschefs unterscheidet, ist Grimminger irgendwie anders. Natürlich spielt er Golf. Sein aktuelles Handikap von 26 bereitet ihm aber keine Sorgen, weil es zeigt, "wie viele Tage ich im Monat arbeite". Er bejubelt nicht jede Niederlage strahlend als Neubeginn, sondern versucht, "aus Fehlern zu lernen und bei Erfolgen nicht gleich abzuheben".

Und er ist, untypisch für seine Zunft, überhaupt nicht eitel. Um sich fit zu halten, fährt Grimminger zwei Mal in der Woche in aller Frühe im Bademantel ins städtische Hallenbad von Kerpen, um dann 1500 Meter zu schwimmen. So viel Zeit muss sein.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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