Chef der Eurowings AG
Friedrich-Wilhelm Weitholz: Der ruhige Billigflieger

Er passt nicht in den lauten Markt der Billig-Airlines. Weitholz ist kein Blender, sondern ein sachlicher Typ. Den Start von Germanwings muss er heute dennoch im Ryanair-Stil verkaufen.

DORTMUND. Seinen 50. Geburtstag hat er kürzlich im kleinen Kreis gefeiert - und noch mal schnell ein paar Tage Urlaub drangehängt. Wohl wissend, dass ihm turbulente Wochen und Monate bevorstehen. Wie sein Billigflug-Abenteuer Germanwings am Markt ankommen wird, steht noch in den Sternen.

Fest steht allerdings: Friedrich-Wilhelm Weitholz, der die Dortmunder Regional-Airline Eurowings Luftverkehrs AG seit September 1999 sachlich und unspektakulär führt, wird künftig weit öfter in den Schlagzeilen stehen als bisher. Dafür sorgt schon allein das Marktsegment Billigflug, in dem sich schillernde Koryphäen tummeln: vom britischen Milliardär Sir Richard Branson (Virgin Express) über den griechischen Reeder-Sohn Stelios Haji-Ioannou (Easyjet) bis hin zu Ryanair-Chef Michael O?Leary - jenem notorischen Schreihals, der große Airlines mit Vorliebe als Abzocker beschimpft und Bußgelder als Marketing-Ausgaben verbucht.

Das Getöse hat dem Image der Billigheimer kaum geschadet - im Gegenteil: Öffentlich werden sie bestaunt und bejubelt, weil sie Tickets zum Preis einer Kinokarte verscherbeln und dennoch munter Geld verdienen. Dass auch Ryanair im Durchschnitt mehr als 130 Euro pro Passagier und Reise erlöst, geht im Marktgeschrei oft unter.

Doch von seinem irischen Kollegen O?Leary unterscheidet sich Weitholz schon äußerlich. Hier der leger gekleidete Turnschuhfan O?Leary, dort Weitholz im konservativen Dress, stets korrekt mit Schlips und weißem Hemd. Der mittelgroße, sportlich-drahtige Niedersachse erscheint im Vergleich zum bunten Vogel O?Leary wie ein braves Lamm. Er ist zwar jemand, der weiß, was er will. Aber er gilt als besonnener Manager mit einem feinen Gespür für künftige Trends in der Luftfahrt.

Im März, als mancher Airline-Chef das stramme Wachstum der Billigkonkurrenz noch belächelte, hob Weitholz bereits warnend den Zeigefinger: "Wir schauen mit Sorge auf diese Entwicklung." Kein Wunder: Für ein regionales Unternehmen wie Eurowings, das sich auf Linienflüge zu europäischen Metropolen spezialisiert, wurden die nach Deutschland drängenden Billigflieger zu einer echten Bedrohung. Ryanair, Easyjet, Deutsche BA, Buzz, Hapag Express, -Lloyd Virgin Express - alle wollen sie plötzlich im Sturm den deutschen Billigflugmarkt erobern. Sie drücken auf die Ticketpreise und träumen dabei von zweistelligen Wachstumsraten, während Analysten bereits vor einem harten Verdrängungswettbewerb warnen.

Der begeisterte Surfer und Mountainbike-Fan Weitholz sah sich zum Handeln gezwungen. Er schickt nun - mit freundlicher Unterstützung des Eurowings-Aktionärs Lufthansa - den Billig-Ableger Germanwings ins Rennen. Am heutigen Freitag schaltet er am Flughafen Köln/Bonn das Buchungssystem frei und startet mit Tamtam eine Image- und Werbekampagne.

In dieser ungewohnten Rolle mache Weitholz den gewohnt ruhigen, fast coolen Eindruck, berichten Vertraute. Und der studierte Betriebswirt macht sich schon einmal selber Mut. Das Billigfluggeschäft sei "keine schwarze Magie", betont er immer wieder. Dabei ist der gelernte Speditionskaufmann relativ neu in der Luftfahrtbranche. Die meiste Zeit seiner Karriere - 30 Jahre - verbrachte er in Diensten der Speditionsfirmen Rhenus und Schenker. Doch die Fliegerei war ihm von Kindesbeinen an vertraut. Weitholz stammt aus einer Pilotenfamilie, der Vater war Fluglehrer und Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg. Auch der Sohn kennt sich im Cockpit aus. Als Privatpilot absolviert er noch heute 100 bis 200 Flugstunden pro Jahr.

Jetzt startet er mit fünf Airbus-Maschinen des Typs A319 ins Billigflugland. Bis zuletzt hatte er versucht, das Thema herunterzuspielen: "Der Medienrummel ist völlig grundlos. Und wir sind schon gar nicht die Speerspitze der Deutschen Lufthansa", pflegt er zu sagen, wenn er auf die enge Verbindung zur Kranich-Airline angesprochen wird. Sie ist mit 24,9 Prozent an Eurowings beteiligt und besitzt eine Option auf weitere 25 Prozent.

Branchenbeobachter sind sich jedoch einig: Lufthansa nutzt die weitaus günstigeren Kostenstrukturen des Partners, um indirekt ins Boom-Business einzusteigen. Während Lufthansa von der Tribüne aus zuschauen kann, wird Weitholz fortan den Spagat probieren müssen: hier die gepflegte Business-Reise, die mit mehr als 40 Flugzeugen noch immer das Hauptgeschäft von Eurowings darstellt - auf der anderen Seite die neue Tochter Germanwings für Schnäppchenjäger.

Lockvogelpreise ab 29 Euro wird Weitholz heute anpreisen. Er wird ein bisschen O ?Leary spielen, aber nur für einen Tag - und nicht so laut. Das liegt dem ruhigen Manager eben nicht.

Quelle: Handelsblatt

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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