Chef der Thyssen-Krupp AG
Ekkehard Schulz: Für ihn zählen nur Fakten

Am Freitag legt Thyssen-Krupp die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres vor. Auch Schulz zieht Bilanz: über sein erstes Jahr als alleiniger Vorsitzender des Vorstandes.

Lampenfieber hat Ekkehard Schulz nicht. In Auftritten wie diesem hat der Chef der Thyssen-Krupp AG Routine. Schließlich sitzt er seit 1991 im Holdingvorstand. Gleichwohl ist der heutige Tag ein besonderer für den Manager: In der Villa Hügel in Essen, dem einstigen Wohnsitz der Industriellendynastie Krupp, legt Schulz die Bilanz des Stahl- und Industriegüterherstellers vor. Das Geschäftsjahr 2001/2002 ist zugleich auch seine Bilanz für das erste Jahr als alleiniger Vorstandschef.

Schon der Ort des Geschehens erinnert an eine eher unrühmliche Zeit des 1999 aus der Fusion der beiden Erzrivalen entstandenen Ruhrkonzerns. Bis Ende September 2001 hatte Thyssen Krupp - mit Schulz und Ex-Krupp-Chef Gerhard Cromme noch zwei gleichberechtigte Vorstandsvorsitzende.

In der Öffentlichkeit zelebrierten Cromme und Schulz, das ungleiche Paar, Einigkeit. Sie stimmten ihre Reden aufeinander ab, nie fiel ein böses Wort. Und doch war abseits der offiziellen Events oft von Selbstblockade die Rede. Denn die beiden waren wie Feuer und Wasser: Schulz, der Konsensstifter, Cromme, der knallharte Sanierer, der bei der Schließung der Stahlhütte Rheinhausen auch faule Eier der IG Metall in Kauf nimmt, nur um sein Ziel durchzusetzen. Irgendwann im Sommer vorigen Jahres hatte der damalige Aufsichtsratschef Heinz Kriwet ein Einsehen. Er räumte vorzeitig seinen Stuhl für Cromme, die stumpfe Doppelspitze im Vorstand wurde abgeschafft.

Die Zahlen, die Schulz heute vorlegen wird, sind beachtlich. Thyssen Krupp - hat die eigenen Prognosen und sogar die der meisten Finanzanalysten leicht übertroffen. Dabei gab es beim Revirement an der Konzernspitze nicht wenige, die Zweifel hegten, ob Schulz wirklich die richtige Besetzung für den Posten ist. War das verwunderlich? Der Lebensweg des promovierten Ingenieurs verlief bis dahin einfach langweilig. Immer nur Stahl, immer nur Thyssen, knapp 30 Jahre lang.

Schulz nahm und nimmt von den Bedenkenträgern kaum Notiz. Ohnehin glaubt er, dass es in Deutschland zu viele Leute gibt, die nur daran arbeiten, dass sich die Ansichten über Fakten verbessern. Er selbst gehöre zu denjenigen, die ihren Fokus auf die Verbesserung der Fakten richten. Und langfristig, lautet seine feste Überzeugung, "werden sich die Fakten durchsetzen".

Fakt ist für ihn etwa, dass Thyssen und Krupp 1995 die mittlerweile weitgehend abgeschlossene Konsolidierung in der europäischen Stahlindustrie ausgelöst haben. Gegenüber der Konkurrenz sei Thyssen-Krupp um Jahre voraus, glaubt Schulz. "Auch in der Krise machen wir beim Stahl Gewinn."

Und warum steht die Aktie dann momentan im Keller? Ist die Botschaft etwa nicht angekommen? Schulz räumt ein, dass "es Dinge gibt, die mir mehr Spaß machen als Konferenzen mit Finanzanalysten". Das seien doch oft junge Burschen, ohne operative Erfahrung, die kurzlebigen Moden nachhingen. Die Strategie von Thyssen-Krupp sei aber langfristig.

Ekkehard Schulz, in Branchenkreisen "Ekki Schulz" genannt, ist ganz und gar uneitel - einmal abgesehen von dem stets korrekten Seitenscheitel. Er wirkt am liebsten im Hintergrund, etwa in einer regelmäßigen, exklusiven Runde mit dem Kanzler, wo "ich dann eindeutig Stellung beziehe". Stets hat Schulz die Sache im Auge. Weil sein Vertrag Anfang 2005 ausläuft, holte er in diesem Jahr gleich drei Neue in den Vorstand. Dass die Youngster allesamt von außen kamen und er damit interne Bewerber verprellte, ficht ihn nicht an. "Die Zahl geeigneter Nachfolgekandidaten, sagt er, "kann gar nicht groß genug sein".

Der verheiratete Vater von zwei Kindern sieht sich auch in der Rolle des Vorstandsvorsitzers als Teamspieler. Bei Thyssen-Krupp verdienen alle Vorstände gleich viel. Nur er und sein Stellvertreter bekommen mehr. Besser, so Schulz, könne man die gemeinsame Verantwortung aller für den gesamten Konzern nicht regeln.

Als Student hat der Teamspieler zunächst Feldhandball, später Hallenhandball gespielt und es dabei in die damals höchste Spielklasse, die Oberliga gebracht. Auch beim Sport hat die Kämpfernatur alles gegeben.

Und Golf? Natürlich spielt der 61-Jährige Golf. "Aber wenn ich die Wahl habe, gehe ich lieber auf die Jagd." Dann steht der Morgenmuffel sogar um drei Uhr in der Früh auf.

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VITA

Ekkehard Schulz wird 1941 in Westpreußen geboren. Eisenhüttenwesen studiert er an der Bergakademie in Clausthal, wo er 1971 auch promoviert. Ein Jahr später wechselt er zum Thyssen-Konzern. Dort arbeitet er sich bis 1985 in den Vorstand der Thyssen Stahl AG hoch, deren Chef er 1991 wird. Nach der Fusion von Thyssen und Krupp im Stahl wird Schulz 1997 Vorsitzender der Thyssen-Krupp Stahl AG. Als ein Jahr später Dieter Vogel als Chef der Thyssen AG zurücktritt, rückt Schulz nach. 1999 folgt die Vollfusion von Thyssen und Krupp. Gemeinsam mit Gerhard Cromme führt Schulz den Konzern bis September 2001. Dann wurde Cromme Aufsichtsratschef, Schulz alleiniger Vorstandsvorsitzender.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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