Chef des Fernsehkonzerns RTL Group geht bereits am 28. Februar
Wechsel bei RTL ändert Bertelsmann-Machtgefüge

Mit dem Ausscheiden von Didier Bellens an der Spitze des Fernseh- und Radiokonzerns RTL Group verliert der Bertelsmann-Gesellschafter Albert Frère an Einfluss. Der belgische Finanzmagnat, der ab 2005 einen Börsengang von Bertelsmann verlangen kann, empfahl dem RTL-Vorstandschef den Wechsel zum Telekomkonzern Belgacom.

DÜSSELDORF/BERLIN. Mit dem Abgang von Didier Bellens als Vorstandschef des Fernsehkonzerns RTL Group verliert Albert Frère seinen einzigen Vertrauensmann im Bertelsmann-Konzern. Frère ist Mehrheitsgesellschafter der Group Bruxelles Lambert (GBL), die mit 25 % am Gütersloher Medienkonzern beteiligt ist. Bellens wollte sich am Montag zu seinem Abgang nicht äußern. Aus dem Umfeld des RTL-Group-Chefs hieß es: "Bellens genießt das volle Vertrauen von Frère." Damit trat die Luxemburger Holding Spekulationen von Bertelsmann-Kreisen entgegen, Bellens hätte das Vertrauen des belgischen Finanzmagnaten verloren.

"Es war Frère, der Bellens darauf hingewiesen hat, dass es keinen Sinn mehr macht, länger zu bleiben", hieß es am Montag in Luxemburg. Bellens wird den Chefsessel auf dem Luxemburger Kirchberg bereits am 28. Februar räumen. Der frühere GBL-Manager wechselt dann an die Spitze der belgischen Telefongesellschaft Belgacom in Brüssel.

Über seine Nachfolge bei der RTL Group ist hingegen noch entschieden. "Wir brauchen eine schnelle Entscheidung", sagte RTL-Group-Sprecher Roy Addison gestern. Insider gehen davon aus, dass Rolf Schmidt-Holtz, Chef der Bertelsmann Musik Group (BMG) in New York und seit März 2002 Aufsichtsrat bei der RTL Group den Fernsehkonzern übernimmt. Der ins Spiel gebrachte Vorstandschef des französischen Fernsehkonzerns M 6, Nicolas Tavernaux, gilt als chancenlos. An M6 ist sowohl die RTL Group als auch indirekt Frere beteiligt.

Sollte Schmidt-Holtz die Führung bei dem Fernsehkonzern übernehmen, müsste er von einem internationalen Management "eingerahmt" werden, glauben viele in Luxemburg. "Wenn ein deutscher Chef kommt, braucht er die internationale Erfahrung anderer Manager" sagte ein Insider. In der französischen und vor allem britischen Presse wurde der abrupte Wechsel des Belgiers Bellens negativ bewertet. "Schmidt-Holtz wäre die Germanisierung der RTL Group", befürchtete ein deutscher Kritiker.

Schmidt-Holtz sollte übrigens bereits früher die RLT-Group übernehmen, als Clive Calder im Zuge der Übernahme des US-Labels Zomba BMG-Chef werden sollte. Wegen der jüngsten Reorganisation sind die Voraussetzungen nun für einen schnellen Abgang von Schmidt-Holtz an der Spitze von BMG günstig.

Über die Besetzung des Chefsessels in Luxemburg entscheidet nicht nur der Medienkonzern Bertelsmann, der mit über 90 % an der RTL Group beteiligt ist. Auch der RTL-Aufsichtsrat müsste einstimmig zustimmen, sagte ein Sprecher. "Immerhin sind noch 10 % an der Börse." Im Aufsichtsrat repräsentieren neben Schmidt-Holtz Bertelsmann-Chef Gunter Thielen, Direct-Group-Chef Ewald Walgenbach und Finanzvorstand Siegfried Luther die Interessen des Gütersloher Medienhauses. Vor allem Schmidt-Holtz und Walgenbach gelten als Kritiker von Bellens. GBL gehört hingegen nur ein Aufsichtsratssitz. "Frere hat 25 % der Stimmen bei Bertelsmann und kann dennoch gar nichts entscheiden. Er hat keinen unternehmerischen Einfluss mehr" sagte ein RTL-Manager.

Insider gehen davon aus, wenn Frerè den offenen Kampf mit Bertelsmann suchen will, dann jetzt, so ein den Vorgängen nahe stehender Manager. Die Gründe seien offensichtlich: Frère muss den Einfluss bei RTL behalten, um sich für den Fall eines missglückten Börsengangs der Bertelsmann-Holding ab 2005 abzusichern. Dann wäre eine Rückabwicklung RTL-Anteile gegen Bertelsmann-Anteile möglich.

Die RTL Group gilt als einer der großen Gewinnbringer bei Bertelsmann. Für 2002 wird nach Angaben von Insidern ein Gewinn von über 400 Mill. Euro bei einem Umsatz von rund 4 Mrd. Euro erwartet. Die Jahreszahlen werden allerdings erst Mitte März vorgelegt.

2001 musste der Konzern bei einem Umsatz von 4,05 Mrd. Euro allerdings einen Gewinnrückgang von rund 35 % hinnehmen. Das Ebitda fiel auf 361 Mill. Euro. Die Aktie der RTL Group mit ihren großen Sendern wie RTL (Deutschland), M 6 (Frankreich), RTL 4 (Niederlande), RTL TVI (Belgien) und Channel 5 (Großbritannien) stieg in Brüssel bis zum Abend um über 7 % auf 27 Euro.

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