Chef des Textilkonzerns H & M
Rolf Eriksen: Der biedere Modezar

Er hat den schwedischen Textilkonzern innerhalb von zwei Jahren auf Vordermann gebracht. Heute steht H & M trotz Branchenkrise deutlich besser da als die Konkurrenz.

STOCKHOLM. Den Anzug hat er woanders gekauft. Herr Eriksen wirkt bieder, und daran hat sein grauer Zwirn einen nicht unerheblichen Anteil. Doch, so versichert er, "Unterhose, Strümpfe und auch das Hemd sind von hier". Hier, das ist sein neues Domizil im Zentrum Stockholms. Rolf Eriksen ist seit März 2000 der Herr über das schwedische Unternehmen, das über 400 Millionen Kleidungsstücke im Jahr weltweit absetzt.

Hennes & Mauritz, mittlerweile als H & M deutlich bekannter, das ist eine Erfolgsgeschichte, aber eben auch seine. Denn als Eriksen die Leitung des Weltkonzerns übernahm, stand es gar nicht so gut um den Moderiesen. Ein zu starker Expansionstakt und vor allem Fehleinkäufe zwangen das erfolgsverwöhnte Unternehmen in die Knie.

Zehn Minuten Bedenkzeit

Der damalige H & M-Chef, Fabian Mansson, musste Hals über Kopf die Chefetage verlassen, Eriksen wurde vom Sohn des Firmengründers und heutigem Hauptaktionär, Stefan Persson, nach Stockholm zitiert. "Er gab mir zehn Minuten Bedenkzeit", erinnert sich Eriksen an die "wohl aufregendsten Minuten meines Berufslebens". Er nahm den Job an.

An den schon damals überaus nervös reagierenden Aktienmärkten löste seine Ernennung keine Jubelrufe aus. Der heute 57-jährige Däne war in Schweden so gut wie unbekannt, hatte nicht die Aura seines Vorgängers Mansson, eines kahl geschorenen ehemaligen Rockmusikers. Eriksen gab bei seinen ersten öffentlichen Auftritten eher den schüchternen Herrn Biedermann von der anderen Seite des Öresund ab.

Übersehen hatten viele, dass er die Modebranche seit Jahren kannte wie seine Westentasche. Jahrelang bearbeitete er mit großem Erfolg den dänischen H & M-Markt und machte den Konzern auch dort zum alles dominierenden Mode-Ausstatter. Und im Übrigen passte Eriksen vermutlich deutlich besser in die Firmenphilosophie.

Heimlich & Mächtig

H & M ist nicht nur die Abkürzung für Hennes ("für sie") und Mauritz (ein Jungenname), sondern hätte in der Vergangenheit auch immer für Heimlich & Mächtig stehen können: Der Konzern vermied jedwede Publizität, gab keine Pressekonferenzen, veröffentlichte nur spärlichstes Zahlenmaterial. Und so bemerkte kaum jemand den Aufstieg der von Erling Persson vor 55 Jahren gegründeten Schneiderei.

Eriksen, nach eigenen Aussagen ein hoffnungslos untalentierter Golfer, der am liebsten die Freizeit zusammen mit seiner Frau und den beiden erwachsenen Kindern im Wochenendhaus verbringt, passt gut in dieses Bild: nicht schrill, eher grau, nicht laut, sondern im Hintergrund wirkend. Das allerdings mit Erfolg. Seine Mitarbeiter beschreiben den gelernte PR-Fachmann als einen Manager, der ganz genau weiß, wo es langgeht. Er kennt auch die Anforderungen an ein börsennotiertes Unternehmen, hat die Kommunikationsabteilung auf Trab gebracht und für mehr Transparenz gesorgt.

Deutschland ist wichtigster Markt des Unternehmens

Und gut zwei Jahre nach Besteigung des Modethrons fressen ihm auch die zunächst skeptischen Börsianer aus der Hand. Unter seiner Ägide kam H & M zurück auf die Erfolgsspur. Der biedere Modezar hat ordentlich aufgeräumt. Er hat ein 50-Millionen-Euro-Sparprogramm durchgezogen und das Expansionstempo verlangsamt. Dennoch will er weiter: "Wir werden im laufenden Jahr 55 neue Geschäfte eröffnen", erklärte er diese Woche. Vor allem in Deutschland, dem wichtigsten Markt des Unternehmens, aber auch in den USA, wo er in den kommenden Jahren 50 weitere Läden eröffnen will.

Mittlerweile hat Eriksen die Konkurrenz hinter sich gelassen. Nach dem Börsenwert bemessen, ist H & M heute der wertvollste Modekonzern der Welt. Jetzt hat sein Unternehmen sogar Ericsson in der Rangliste der größten schwedischen Firmen auf den zweiten Platz verwiesen. "Das ist ja schade für Ericsson", sagt Eriksen, zupft an seiner Krawatte und entschwindet. Vermutlich wartet die nächste Geschäftseröffnung auf ihn.

Vita

Rolf Eriksen wird 1944 in Dänemark geboren. Er besucht nicht - wie viele andere Manager - eine renommierte Universität, sondern lässt sich als PR-Fachmann und Dekorationsmaler ausbilden. Zuerst arbeitet er einige Jahre als PR-Chef in einem dänischen Kaufhauskonzern. Erst mit 43 Jahren startet er 1987 seine Karriere bei der schwedischen Textilhauskette H & M. Er bekleidet verschiedene Führungsämter im Konzern und steigt immer weiter auf. Im März 2000 schließlich schafft er den Sprung auf den Chefsessel.

Quelle: Handelsblatt

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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