Chef des US-Beratungskonzerns AMS
Alfred Mockett: Zu schade für die zweite Reihe

Im vergangenen Herbst schmiss der Wahlamerikaner seinen Topjob bei British Telecom. Nun kehrt er nach Europa zurück - um Marktanteile für AMS zu erobern.

Der überraschende Rücktritt einer ihrer profiliertesten Manager war British Telecom (BT) nur ein paar lapidare Zeilen wert. Alfred Mockett, Chef der Breitbandtochter BT Ignite, wolle sich mehr um seine junge Familie kümmern und kehre deshalb zurück in die USA, hieß es im vergangenen Herbst.

In Wahrheit war Mockett, der seit 1991 bei BT gearbeitet und das internationale Geschäft des Telefonriesen mit aufgebaut hatte, damals tief frustriert. Insbesondere darüber, dass BT den ursprünglichen Plan, die Tochter Ignite vom Konzern abzuspalten, aufgegeben hatte, berichten Ex- Kollegen.

Mockett, der intern bereits als Nachfolger des damaligen Konzernchefs Sir Peter Bonfield gehandelt wurde, sah bei BT keine Zukunft mehr für sich. Mit der neuen Strategie, die überdies eine stärkere Konzentration auf Europa vorsah, hätte sich der Wahlamerikaner ohnehin nicht anfreunden können.

Mockett selbst redet nicht gern über den Bruch mit BT. "Ich wollte ein Unternehmen führen, keine Abteilung", sagt er zurückhaltend. Und wechselt das Thema.

Der drahtige Manager mit dem akkuraten Haarschnitt und den durchdringenden blauen Augen blickt lieber nach vorn. Sein neuer Job als Chef des US-amerikanischen Beratungskonzerns American Management Systems (AMS) fordert seine ganze Aufmerksamkeit.

Viel Zeit, sich um seine Frau und den inzwischen sechsjährigen Sohn zu kümmern, hat Mockett indes auch jetzt nicht. "Ich bemühe mich, die Wochenenden mit ihnen zu verbringen", sagt er mit einem schmalen Lächeln.

Die Zeit mit seinem Sohn ist ihm wichtig - da fliegt er schon mal für ein Fußballturnier, bei dem der Kleine mitspielt, von Tokio nach Nord-Virginia, wo er seit fünf Jahren wohnt. "Schließlich habe ich spät angefangen mit der Familie", fügt der 52-Jährige hinzu. Zudem ist Fußball - neben Rugby - seine Leidenschaft, obwohl er längst nur noch andere trainiert und nicht mehr selbst spielt. Mit einer Ausnahme: "Das Geschäft ist mein Lieblingsspiel", und das hängt er nicht an den Nagel.

Aufgewachsen ist Mockett in einem kleinen Dorf in Nordengland, in einer Familie von Farmern und Bestattern. "Wir waren darauf spezialisiert, Dinge in die Erde zu bringen", sagt er grinsend. Sich selbst sieht er eher in der Tradition der Farmer - als jemanden, der etwas aufbaut, schafft.

1976 ging er dann in die USA. "Es ist der größte Markt der Welt", beschreibt er seine Motivation. "Hier passiert alles etwas eher als anderswo." Inzwischen hat er auch die US-Staatsbürgerschaft - sein britischer Akzent dringt jedoch immer noch durch.

Die Enttscheidung, zu AMS zu gehen, hat sich Mockett nicht leicht gemacht: "Ich habe mit 60 oder 70 Leuten gesprochen, bevor ich zugesagt habe." Der Job ist auch keine leichte Aufgabe: AMS hatte voriges Jahr nicht nur mit einer schwachen Konjunktur und einem weltweit schwächeren Beratungsgeschäft zu kämpfen. Viel schlimmer traf den Konzern, dass die Kunden nicht zufrieden waren - was in den USA gar zwei Schadensersatzklagen zur Folge hatte. So schrumpfte die AMS-Belegschaft im vergangenen Jahr von mehr als 8 500 auf knapp 7 000 Mitarbeiter.

Das stark ramponierte Image war es wohl auch, das Mockett dazu veranlasste, seinen ersten Arbeitstag bei AMS, den 3. Dezember 2001, nicht am Schreibtisch in seinem Büro, sondern bei Kunden im kanadischen Toronto zu verbringen. Neun Gespräche hatte er vereinbart - ein deutliches Zeichen, dass der Kunde bei AMS künftig (wieder) König sein soll.

"Ich werde das Unternehmen fokussieren", beschreibt Mockett seine Pläne. Für ihn zählen - anders als bei BT - nur noch Ergebnisse. In England war er mit seiner direkten und extrovertierten Art noch angeeckt, im neuen Job kommt er damit gut an. "Neben dem US-Geschäft werden wir unsere Aktivitäten in Europa stark ausbauen", bläst Mockett zum Angriff. Kritische Masse sei wichtig, und deshalb werde AMS sich weiter auf die Branchen Finanzen/Telekom und den öffentlichen Sektor konzentrieren. "Der Telekom - und der Finanzsektor haben eine schwere Zeit hinter sich - das muss dieses Jahr einfach besser werden", hofft er.

In den USA gehören 43 Bundesstaaten und die US Navy zu den Kunden von AMS. Auch in Europa sieht Mockett in diesem Sektor enormes Potenzial für sein Unternehmen.

"Noch sind wir kein großartiges Unternehmen", gibt sich Mockett bescheiden. "Aber wir haben das Potenzial." Und das will er heben.

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