Chef des US-Konzerns Tyco: Dennis Kozlowski: Der kleine Jack Welch

Chef des US-Konzerns Tyco
Dennis Kozlowski: Der kleine Jack Welch

Seinen Traum vom Mischkonzern nach dem Vorbild General Electric muss er begraben. Die wachsende Skepsis der Investoren zwingt Kozlowski jetzt, Tyco aufzuspalten.

HB NEW YORK. So schnell können sich die Zeiten ändern: Noch im Oktober, bei einem Treffen erfolgreicher Unternehmenslenker in New York, schien der Stuhl, auf dem Dennis Kozlowski Platz genommen hatte, zu klein für den bulligen Konzernchef von Tyco International. Doch als er vergangene Woche die Aufspaltung des US-Mischkonzerns bekannt gab, wirkte der ehemalige College-Basketballspieler regelrecht klein.

Da konnte der 55-Jährige noch so sehr betonen, dass er eine Aufspaltung des Konzerns schon lange erwogen habe. "Ich wollte immer Wert schaffen und nicht ein Imperium aufbauen", versuchte Kozlowski die Investoren mit seiner gepressten Stimme zu überzeugen, die im Gegensatz zu seiner breiten Statur steht. Es nutzte nichts. Der Mann, der als aggressivster US-Vorstandschef gilt, war in der Defensive.

Keine Frage: Kozlowski hat dem zunehmenden Druck der Aktionäre nachgegeben. Nach dem Debakel um den zahlungsunfähigen Energiekonzern Enron sowie den Insolvenzen der Supermarktkette K-Mart und der Telekomfirma Global Crossing verlangen Investoren klare Verhältnisse. Sie fordern übersichtliche Bilanzen. Mischkonzernen wie Tyco trauen sie wegen ihrer komplizierten Struktur nicht über den Weg. Seit Dienstag verlor Tyco rund ein Drittel seines Börsenwerts.

Und Kozlowski will den Aktienkurs des Konglomerats mit Sitz in Pembroke auf den Bermudas unbedingt verbessern. Schon lange beschwert er sich über den schwachen Börsenkurs. Mit der Aufspaltung will er Tyco für Investoren attraktiver machen.

Ursprünglich hatte Kozlowski aber ein ganz anderes Ziel. An seinem 60. Geburtstag im Jahr 2006 wollte er einen Konzern mit 100 Mrd. Dollar Umsatz führen. Er setzte in den vergangenen Jahren alles daran, das Ziel zu erreichen: Seit der Sohn eines Detektivs aus New Yorks Nachbarstadt Newark/New Jersey 1992 die Führung von Tyco übernahm, hat er den Umsatz des Herstellers von Alarmanlagen von damals drei Milliarden auf mehr als 35 Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr gesteigert. Mehr als 200 000 Menschen arbeiten heute für Tyco und seine Töchter, 1100 davon in Deutschland.

Kozlowski war permanent auf Kauftour. Nach eigenen Angaben gab er allein in den vergangenen zwei Jahren rund 30 Milliarden Dollar für Übernahmen aus. Er stellte den Konzern zwar nicht so breit auf, wie es die Managerlegende Jack Welch beim US-Riesen General Electric vormachte. Doch schaffte es der kleine Jack Welch immerhin, vier Geschäftsbereiche aufzubauen: Feuerschutz und Sicherheitsdienste, Gesundheit, Elektronik und Finanzdienstleistungen. Außerdem hat Tyco eine Plastiksparte, die Kozlowski aber schnell verkaufen möchte.

Das Finanzgeschäft gehört erst seit letztem Sommer zum Konzern, als Tyco für neun Milliarden Dollar die Firma CIT übernommen hatte. Der Coup verschaffte Kozlowski besondere Genugtuung. Blitzte er doch vor Jahren einmal bei CIT ab, als er sich um einen Wirtschaftsprüferjob bewarb.

Bei seinen Coups folgt Kozlowski klaren Kriterien: Er übernimmt Unternehmen nur, wenn sie ihm schon im ersten Jahr Profit bringen. Feindliche Übernahmen kommen nicht in Frage, denn Kozlowski will sehen, was er kauft. Er schickt seine Prüfer zu den Firmen, um die Geschäftsunterlagen vor dem Kauf zu analysieren. Manchmal geht der Konzernchef, der Bilanzwesen studiert hat, auch selbst hin. Nach der Übernahme verschlankt er die Firmenstrukturen und setzt häufig die bisherigen Manager vor die Tür.

Aufgewachsen in einem italienisch-polnisch geprägten Stadtviertel von Newark, hat Kozlowski sich das Studium an der katholischen Universität seiner Heimatstadt selbst finanziert. Und diese Erfahrung hat ihn geprägt: Er sucht auch heute nach Leuten, die hungrig sind nach Erfolg. Er zieht Menschen vor, die aus einfachen Verhältnissen kommen "und ihre wirtschaftliche Lage verbessern wollen" - wie er es vorsichtig ausdrückt. Besondere Leistungen honoriert er mit großzügigen Bonuszahlungen.

Auch er selbst hat es zu ansehnlichem Wohlstand gebracht. Er besitzt drei Harley Davidson und eine 40 Meter lange Segelyacht. Mit der "Endeavor" nimmt er an internationalen Regatten teil. Außerdem sponsert der Tyco-Konzern eine Segelmannschaft beim legendären Volvo Ocean Race, einer Regatta rund um die Welt.

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