Chef des weltgrößten Chipherstellers Intel
Craig Barrett: Der entzauberte Optimist

Er war felsenfest davon überzeugt, dass Intel gestärkt aus der Branchenkrise hervorgehen würde. Doch jetzt ist Craig Barrett gezwungen, 4 000 Stellen abzubauen.

SAN FRANCISCO. Harte Zeiten für den unerschütterlichen Optimisten und Vorstandschef des Chipherstellers Intel, Craig Barrett: Nachdem die Ergebnisse für das vergangene Quartal schlechter als erwartet ausfielen, wird Barrett nun bis zu 4 000 Stellen durch Fluktuation und Verkauf von Firmenteilen abbauen.

Leicht wird ihm das nicht fallen: Denn bis zuletzt hatte der ergraute Vorstandschef daran festgehalten, dass Intel gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Auf die Frage, was beim größten Chiphersteller der Welt schief laufe, antwortete er noch im vergangenen Jahr: "Gar nichts" und verwies auf die allgemeine Wirtschaftslage.

Während andernorts ein rigider Sparkurs gefahren wurde, investierte Barrett immer mehr in Forschung und Entwicklung - zuletzt waren es vier Milliarden Dollar. "Wenn der Aufschwung kommt, haben wir einen spektakulären Vorteil", ließ Barrett die Investoren wissen.

Vor wenigen Wochen machte der ehemalige Professor für Materialwissenschaft an der Elite-Universität Stanford den Investoren Mut. Bei einem Analystentreffen im kalifornischen San José legte er eine Folie auf, die einen steil steigenden Bedarf für Computerchips zeigte. "Ich bin optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr", strahlte er. Diesen Aufschwung hätte noch niemand vorausgesagt.

Voraussagen haben sich nicht erfüllt

Dass sich die Voraussagen des Ex-Professors, der heute noch gerne behauptet, er sei kein Verkäufer, sondern Lehrer, nicht so schnell erfüllen wie gehofft, ist tragisch. Schließlich trat der großväterlich wirkende Barrett vor vier Jahren in die Fußstapfen des charismatischen Andy Grove, der Intel im PC-Boom der neunziger Jahre zu explosivem Wachstum führte. Mit ihm muss er sich auch heute vergleichen lassen.

Während Grove mit seinem Buch "Nur der Besessene überlebt" Furore machte und bei seinen Mitarbeitern als knallharter und manchmal aggressiver Entscheider bekannt war, gilt Barrett heute vor allem als hervorragender Motivator. Er stellt hohe Anforderungen an sich selbst und verlangt gleichen Einsatz von seinen Mitarbeitern. "Sein Leistungsbewusstsein und seine Lust am Wettbewerb gehen so weit, dass er immer als Erster oben ankommen will, wenn er mit anderen Treppen steigt", sagt ein Freund.

Von Beginn an setzte Barrett auf den Zukunftsmarkt Telekommunikation. Doch nach dem Bilanzskandal des Telekommunikationsanbieters Worldcom ist die Branche erstarrt und als Wachstumsbringer völlig untauglich. Zudem blieben im April die PC-Verkäufe an Privatkunden um 22,5 Prozent hinter denen des Vorjahres zurück.

Der Nachfolger wartet schon

Der Intel-Chef steht vor einem ernsten Problem: Barrett, 63, bleiben noch zwei Jahre, um sich seinen Platz in der Intel-Firmengeschichte zu sichern. Der als Kronprinz gehandelte Paul Otellini, der seit Jahresanfang für das operative Geschäft verantwortlich ist, steht bereits in den Startlöchern.

Doch große Erfolge sind in Zeiten des Abschwungs auch für einen Optimisten wie Barrett schwer zu erzielen, dessen Detailversessenheit die Produktion und Effizienz von Intel erheblich gesteigert hat. "Barrett hat die Produktion auf Weltklasse-Niveau getrimmt", lobt ein ehemaliger Mitarbeiter. Doch die hohe Produktivität gereicht in Zeiten der Krise leicht zum Nachteil.

Für die Prognosen der Analysten bringt Barrett nach den Fehleinschätzungen des vergangenen Jahres nur noch wenig Respekt auf: "Die Experten an der Wall Street ändern ihre Meinung doch ohnehin alle zwölf Stunden", sagt er. "Ich höre schon gar nicht mehr auf die neuesten Voraussagen."

Angesichts der jüngsten Finanzskandale bei Worldcom und beim US-Energiekonzern Enron gefällt sich Barrett dagegen in der Rolle des soliden Geschäftsmannes: "Leider haben einige Unternehmenslenker die Glaubwürdigkeit der Geschäftswelt beschädigt", sagte der Intel-Chef jüngst auf einer Konferenz. "Jetzt ist es notwendig, wieder Vorbilder für ethisches Verhalten zu schaffen."

Vita

Craig Barrett wird am 29. August 1939 in San Francisco geboren und studiert Materialwissenschaften an der Universität Stanford, wo er nach seiner Promotion 1964 zehn Jahre lang lehrt. 1974 beginnt er als Technologiemanager beim weltgrößten Chiphersteller Intel, steigt 1985 zum Leiter der Produktionsentwicklung auf und wird 1992 in die Konzernleitung gewählt. Seit 1998 ist er Präsident und Chief Executive Officer des Konzerns. Vom Beginn seiner Tätigkeit an führt er Intel in die neuen Geschäftsfelder Netzwerk- und Kommunikationstechnik.

Quelle: Handelsblatt

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