Chef muss soziale Gesichtspunkte abwägen
Tipps beim Streit um Urlaubsanträge

In vielen Betrieben gibt es jedes Jahr wieder Streit um die Urlaubsplanung der Belegschaft. Muss der alleinstehende Mitarbeiter tatsächlich ständig zurückstecken, wenn die zweifache Mutter aus der gleichen Abteilung partout in denselben Wochen in die großen Ferien gehen will?

wiwo/ap. Und darf der altgediente Mitarbeiter wirklich auf ein Vorrecht pochen, wenn er seinen Urlaubsantrag einreicht? Ja, lautet die Antwort in beiden Fällen, wie der Jurist Otto Bretzinger betont.

Kriegt ein Chef mehrere Urlaubswünsche für die gleiche Zeit auf den Tisch, muss er nach sozialen Gesichtspunkten abwägen. So schreibt es das Bundesurlaubsgesetz vor. Das heißt in großen wie in kleinen Firmen: Der Arbeitgeber muss einen Spagat bewältigen, um den Betriebsfrieden nicht zu gefährden. Wer mit seinen Ferienwünschen nie so recht zum Zug kommt, sollte wissen: Gegen Eltern mit schulpflichtigen Kindern haben anhanglose Singles so gut wie keine Chance, wenn sie in den gleichen Ferienwochen verreisen wollen. "In solchen Fällen werden Personalstellen immer auf Möglichkeiten außerhalb der Schulferien verweisen. Die sind ohnehin ratsam, weil sie preiswerter sind", erklärt Arbeitsrechtler Bretzinger.

Kämpfen "gleichberechtigte" Kollegen - jeweils mit Nachwuchs - um dieselbe Urlaubszeit, muss der Chef klären: Für welchen Mitarbeiter handelt es sich um den ersten Urlaub dieses Jahres, für wen schon um den zweiten oder dritten? Wer bereits wiederholt Pause vom Job gemacht hat, muss in einem solchen Fall dann wohl oder übel zurückstecken.

Auch die längere Betriebszugehörigkeit kann in Streitfällen ausschlaggebend sein. Neulinge in der Firma sollten nicht verzweifeln, wenn sie langgedienten Mitarbeitern ständig den Vortritt lassen müssen. Ihnen kann diese Regelung in späteren Jahren auch einmal zugute kommen. Geraten sich langjährige Kollegen mit ihren Wünschen ins Gehege, sind nicht allein die Jahre im Job entscheidend. Zu berücksichtigen ist dann auch das Alter sowie die Erholungsbedürftigkeit des Mitarbeiters.

Urlaub muss gewährt werden

Kann der Ärger um Ferienwünsche nicht vom Chef zufrieden stellend gelöst werden, kann auch der Betriebsrat eingeschaltet werden. Wie Bretzinger betont, sind Urlaubspläne ohnehin mitbestimmungspflichtig. In kleinen Betrieben muss die Belegschaft das Hick-Hack um Ferienpläne auf eigene Faust lösen. In solchen Fällen sind salomonische Urteile wie ein rotierendes System gefragt. "Herr A könnte ja mit seiner Familie in der ersten Hälfte der Sommerferien verreisen und Frau B in der zweiten. Und im Jahr darauf wird getauscht", schlägt Bretzinger vor.

Grundsätzlich gilt, dass ein Arbeitgeber den Urlaubswunsch eines Arbeitnehmers nicht einfach ablehnen darf. Die Ausnahmen: Wenn die Belange eines Kollegen Vorrang haben oder dringende betriebliche Angelegenheiten dagegen sprechen. Dazu gehört, dass der Krankenstand in der Firma dramatisch hoch ist, Stellen nicht besetzt werden können, ein Auftrag viel Arbeit bringt oder branchenbedingt Hochkonjunktur herrscht wie im Schlussverkauf.

Auch wenn jedem Arbeitnehmer Urlaub gesetzlich zusteht: Die freie Zeit muss vom Chef gewährt werden. Niemand darf sich die Auszeit einfach nehmen. Das Eintragen in eine Urlaubsliste allein genügt nicht. Geht ein Mitarbeiter eigenmächtig in die Ferien, ohne dass der Arbeitgeber zuvor ausdrücklich zustimmte, riskiert er die fristlose Kündigung.

Weitere Bestimmungen rund um den Urlaub bietet der Ratgeber "Durchblick, Urlaub 2002" der Verbraucherzentralen. Er kann für 4,80 Euro in allen Beratungsstellen abgeholt werden. Für zusätzlich zwei Euro (Versand) kann er bestellt werden unter 0180/500 14 33 (0,12 Cents pro Minute).

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