Chef und Inhaber der Dussmann-Gruppe
Peter Dussmann: Der König der Dienstleister

Über sich sieht er nur noch den Himmel. Geradezu fürstlich residiert Peter Dussmann in der verglasten obersten Etage seines Kulturkaufhauses in der Berliner Friedrichstraße. In seinem Büro scheint alles klinisch sauber zu sein. Die blaue und weiße Einrichtung verstärkt diesen Eindruck noch.

So gehört es sich wohl für einen Dienstleistungskönig, der sein Geld auch mit Gebäudereinigung verdient. In Deutschland kann ihm beim Service rund um das Gebäude niemand etwas vormachen. Mit rund 54 000 Mitarbeitern erreicht der Chef und Eigentümer der Berliner Dussmann AG & Co KGaA weltweit einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

Zu seinem Geschäft sei er gekommen "wie die Jungfrau zum Kind", erzählt der 63-Jährige mit dem Vollbart. Eigentlich sollte Dussmann die Buchhandlung seiner Eltern übernehmen. Doch er kopiert 1963 lieber die Geschäftsidee aus einer Zeitschrift. Er holt sich einen Gewerbeschein, einen Startkredit von 2000 Mark und beginnt in München, für Junggesellen Strümpfe zu stopfen, zu saugen und Blumen zu gießen. Bald gewinnt er Firmen als Kunden, für die er Büroräume putzt.

Von Catering bis Energiemanagement

Heute ist die Gebäudereinigung nur noch Teil eines Allround-Services für die Bewirtschaftung von Immobilien. Das reicht von Catering und Wachdiensten über Gebäudewartung bis zum Energiemanagement. Hinzu kommen Senioreneinrichtungen und zum Beispiel das Kulturkaufhaus in Berlin, in dem es Bücher und CD gibt.

Die Gruppe wächst aber vor allem im Ausland, insbesondere in den ehemals kommunistischen Staaten. "Die Lehren von Marx, Engels und Lenin haben eine Service-Wüste hinterlassen", freut sich Dussmann. Dienstleistungen, davon ist er überzeugt, könnten auch in Deutschland das Arbeitslosenproblem lösen - aber nur theoretisch. Denn hier vermisst er eine "Mentalität des Dienens". Und schon poltert er auf Schwäbisch los. Er habe etwas dagegen, wenn den Menschen "der rote Teppich" ausgelegt werde. Das soziale Netz sei zu eng geknüpft. "Der Faulenzerei" seien Tür und Tor geöffnet.

Bärbeißiger Selfemademan

Am liebsten würde er den Arbeitsmarkt liberalisieren. So hat der Parteilose bei der jüngsten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus die FDP unterstützt. Er begründet dies mit der ihm eigenen bärbeißigen Art: "Der eine frisst gern Schweizer Käse, der andere Wurstsalat - ich habe es gern liberal."

Diplomatie ist nicht seine Sache. "Ich bin kein Politiker und suche deshalb keine Verbündeten", sagt der Selfmademan. Er sieht sich am liebsten in der Rolle des Vorkämpfers. So hat er die geltenden Ladenschlusszeiten für sein Kulturkaufhaus mit einem Trick unterlaufen. Er beförderte einfach alle Mitarbeiter zu Prokuristen, die bis 22 Uhr arbeiten dürfen.

Trotz seines großen Fleißes entspricht Dussmann nicht dem Stereotyp des sparsamen Schwaben. Gut, er fährt auch einen Smart, doch sein Dienstwagen ist eine BMW-Limousine. Außerdem verbringt er zwei Monate im Jahr im kalifornischen Malibu, der Heimat seiner Frau. Regelmäßig überquert er mit seiner Segelyacht den Atlantik. "Ja", räumt er ein, "ich kann auch die schönen Seiten eines florierenden Unternehmens genießen."

Der Genießer macht sich Gedanken über die Zukunft seiner Firma. Da seine 20-jährige Tochter, die in den USA studiert, kein Interesse zeigt, "läuft die Geschichte auf eine normale AG hinaus - und dann ist der Börsengang nicht mehr weit". Er sieht sich dann als Aufsichtsratschef. Er hätte noch mehr Zeit für seine Dussmann-Stiftung, die Kulturprojekte fördert, oder für seine Uhrensammlung, von der einige Exemplare im Büro zu besichtigen sind.

Vita

Peter Dussmann, am 5.10. 1938 in Rottweil am Neckar geboren, absolviert eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Er soll die Buchhandlung der Eltern übernehmen. Daraus wird aber nichts. Stattdessen gründet er 1963 in München einen Heimpflegedienst für Junggesellen. Das ist die Keimzelle für die heutige Dienstleistungsgruppe Dussmann AG.

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