Chef und Inhaber von Bruno Banani Underwear
Wolfgang Jassner: Der bodenständige Revolutionär

Eigentlich müsste er nervös sein. Das Geschäft mit Unterwäsche lief im ersten Halbjahr schlecht in Deutschland. Doch Wolfgang Jassner wirkt äußerst entspannt. Gelassen lehnt sich der leger in Sakko und Poloshirt gekleidete Unternehmer im Konferenzraum seiner Chemnitzer Firmenzentrale zurück.

CHEMNITZ. "Wir werden auch in diesem Jahr wieder zweistellig wachsen - gegen den Branchentrend", verkündet der Chef des Unterwäscheherstellers Bruno Banani Underwear GmbH stolz.

Der Grund für die Gelassenheit des 61-Jährigen sind die farbigen Teile, die links und rechts neben ihm hängen: gelb-rot-lila gestreifte Herrenslips oder weiße, auf denen vorne provozierende Symbole wie Danger prangen. Mit der besonderen Wäsche für Männer und für Frauen im oberen Preissegment hat Jassner bisher Erfolg.

Er ist so etwas wie ein Revolutionär in der Branche. Als er Anfang der neunziger Jahre mit seiner Lifestyle-Unterwäsche auf den deutschen Markt kam, trugen die meisten Herren noch Biederes in Feinripp am Körper. Doch Jassner setzte sich mit seinen farbigen Designer-Produkten durch. Er profitierte von der Lifestyle- und Wellnesswelle, die damals anrollte.

Anfang der neunziger Jahre suchte der gelernte Industriekaufmann und studierte Betriebswirt eine neue Herausforderung. Jassner hatte 16 Jahre lang als Geschäftsführer bei verschiedenen Wäschefirmen auf der Schwäbischen Alb gearbeitet. Dann kam er als Unternehmensberater zum VEB Trikotex, der schon zu sozialistischen Zeiten hochwertige Herrenwäsche für westliche Auftraggeber produzierte, und gründete Bruno Banani.

"Wir konnten hier unvorbelastet ein neues Label aufbauen", sagt er, und ein leichter schwäbischer Akzent ist nicht zu überhören. Er spricht fast immer von "wir" und selten in der Ich-Form. Er ist niemand, der weitschweifig redet. Er formuliert lieber präzise, in kurzen Sätzen - immer klar zielorientiert. Er bezeichnet sich als "Macher".

Ein Macher mit vielen Ideen zwar, der aber seine Grenzen kennt. Um die neue Marke Bruno Banani zu kreieren, zog er eine Agentur zu Rate. Mit dem Kunstnamen sollte die Marke italienisches Flair erhalten. Als Zielgruppe definierte er "die jungen Aufsteiger". Seine Designerware war auf dem deutschen Markt eine der ersten - Calvin Klein galt 1993 als Geheimtipp. Andere Textilhersteller folgten später mit eigenen Kollektionen.

Jassner ist in der Branche ein Exot. Einerseits ist er der Typ des bodenständigen Mittelständlers. Andererseits weist er im Gespräch gerne darauf hin, dass er ausgefallene Modelle seiner Kollektion auch selbst trägt. In der Werbung greift er - wegen seines bescheidenen Etats - gern auf ungewöhnliche Methoden zurück. Da lässt er die Teilnehmer des Extremwettbewerbs "Adventure Race" im australischen Queensland und den russischen Astronauten Nicolai Budarin für Bruno Banani werben. Damit erregt der Mittelständler den Unwillen manches großen deutschen Konkurrenten. Das ficht Jassner aber nicht an: Die Marke sei halt "Kult". Auf jeden Fall belegen Banani-Produkte stets einen bevorzugten Platz in den Kaufhausetagen.

Auch künftig soll sein Unternehmen in Familienbesitz bleiben. Beide Söhne arbeiten in der Firma, seine Tochter studiert Modejournalismus in München. Mit 105 Beschäftigten und einem Umsatz von 27 Mill. Euro zählt sein Betrieb zu den kleineren der Branche, und er gehört zu den wenigen, die noch in Deutschland produzieren.

Allein aus Qualitätsgründen ist das nicht zu begründen. Dahinter steht vor allem seine Vorstellung von echtem Unternehmertum. Dafür erfährt er Respekt in der Branche. So wurde er ins Präsidium des Verbands der deutschen Maschen-Industrie gewählt.

Doch mit dem Wäschegeschäft alleine kann auch Jassner auf Dauer nicht überleben. Deshalb hat er schon vor Jahren begonnen, Lizenzen für Parfüme, Brillen oder Uhren zu verkaufen. Damit geht Jassner als reiner Unterwäschehersteller wieder einen ungewöhnlichen Weg.

Im Lifestylegeschäft fühlt er sich sichtlich wohl. Der 61-Jährige, der gerne Ski fährt und als Hobby "ein Faible für Inseln" nennt, genießt die Bewunderung junger Menschen, die in seiner Firma arbeiten. "Ich verlasse mich auf die jungen Leute um mich herum", sagt der Modemacher anerkennend - wohl wissend, dass er, der Chef, am Ende doch immer das letzte Wort hat.

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