Chef und Mehrheitseigentümer der Escada AG
Wolfgang Ley: Ein Mann ringt um sein Lebenswerk

Er wollte einen Life-Style-Konzern aufbauen. Das ist ihm misslungen. Jetzt muss sich Modemacher Ley ganz auf seine Kernmarke Escada konzentrieren.

MÜNCHEN. Wolfgang Ley trägt immer einen eleganten Anzug, die halblangen grauen Haare flott zurückgekämmt. Der Escada-Boss verrät nicht, woher seine ständige Gesichts-Bräune kommt. Der Gründer und Chef des hinter Boss zweitgrößten deutschen Modeunternehmens ist eitel, aber das gehört wohl zum Beruf eines Modemannes. Die Branche pflegt die Illusion der ewigen Jugend.

Doch in der Wirklichkeit des Geschäftslebens reichen Illusionen nicht aus. Ley ist 64 Jahre alt, und er muss derzeit kämpfen, um sein Lebenswerk und das seiner vor zehn Jahren verstorbenen Frau Margaretha zu retten.

Der gebürtige Rheinländer will die Escada AG in den nächsten drei Jahren auf eine solide Basis stellen und die Fehler der vergangenen zehn Jahre wieder wettmachen. "Ich hätte noch gerne zehn Jahre, ich habe noch so viele Ideen", sagt Ley, der gerne den Eindruck des Getriebenen macht, im Büro seiner Münchener Firmenzentrale.

Seine vielen Ideen wären Escada in der Vergangenheit fast zum Verhängnis geworden. Seit Jahren will Ley die mit Geld aus dem Börsengang von 1984 zusammengekauften Marken Primera, Laurel und Kemper/Cerruti wieder abstoßen. Angekündigt hat er diesen Schritt schon lange, aber jetzt will er endlich Ernst machen. Erst vor wenigen Wochen hat er die mühsam und teuer aufgepäppelte Parfum-Sparte Beauté an den Wella-Konzern abgegeben.

Strategie fehlgeschlagen

Er wollte immer alles selbst machen, dabei hat er sich oft verzettelt. "Ich musste für meine Fehler bezahlen", ist Leys späte Erkenntnis. Seine Strategie, aus dem reinen Modekonzern einen Life-Style-Konzern zu machen, ist fehlgeschlagen.

Ley kann leidenschaftlich und ausführlich über die Details der Modebranche reden. Und doch ist es der verzweifelte Versuch eines Mannes, das Fehlen seiner Frau auszugleichen. "Meine Frau war besser, hatte einen viel sichereren Geschmack", verehrt er die Schwedin noch heute, mit der er Mitte der 70er-Jahre das Münchener Unternehmen gründete.


An seine Frau erinnert ihn ein kleiner Silberengel, den er immer am Revers trägt. "Das ist mein Schutzengel", erklärt Ley und lächelt. Der Freund klassischer Musik hat zwar überlegt, noch einmal zu heiraten, lebt aber doch lieber allein in seiner Wohnung in Salzburg.

Die volle Konzentration gilt jetzt der Kernmarke Escada, mit der er das Geld verdient. Seit zwei Jahren ist er dabei, mit dem strengen Finanzchef Georg Kellinghusen den Konzern zu sanieren. Die Anschläge vom 11. September erschweren die Sanierung, weil die kaufkräftigen Damen des Jetsets seltener in Flugzeuge steigen und so den Einkaufsmetropolen Paris, London, Mailand und New York fernbleiben. Die unprofitablen Escada-Töchter muss er also noch schneller abstoßen.

Der Modemann, dessen Chef-Launen in und außerhalb des Unternehmens berüchtigt waren, ist nachdenklicher geworden. Selbst die Umwandlung von stimmrechtslosen Vorzugs- in Stammaktien ist kein Tabu mehr, obwohl dadurch sein Anteil von über 50 auf unter 30 Prozent sinken würde.

Außerdem hofft der Escada-Chef auf einen Finanzinvestor mit langem Atem. Unter das Dach eines Luxusmarken-Konzerns will er aber nicht schlüpfen. Gelingt die Suche nach einem Partner, kann sich der Manager sogar vorstellen, seinen Chefposten gegen eine Beraterposition zu tauschen. Einen Nachfolger aus der Familie gibt es nicht. Weder die Kinder aus erster Ehe noch sein Sohn aus zweiter Ehe mit Margaretha haben Interesse.

Bis zu seinem Rückzug will Ley aber weiter vor allem das tun, was er am besten kann: Kontakte pflegen und dem Geschmack der Kunden nachspüren. "Ich bin ein Schwamm, ich sauge alles auf", sagt Ley über sein Leben in der glitzernden Modewelt. Überall auf dem Boden seines Münchener Büros liegen Modemagazine und Stoffproben. Hier darf noch kreative Unordnung herrschen - in seinem Unternehmen jedoch nicht mehr.

Vita

Wolfgang Ley, 1937 in Köln geboren, lebt als Kind zehn Jahre mit seiner Mutter in Kanada. Der Bekleidungstechniker verschafft sich seine wirtschaftlichen Kenntnisse über ein Abendstudium. Er heiratet 1969 das schwedische Model Margaretha. Mit ihr zusammen baut er ab 1976 die nach einem Pferd benannte Modefirma Escada auf. 1984 geht die Escada AG an die Börse und Ley wird Vorstandschef.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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