Chef von Fujitsu Siemens Computers
Paul Stodden: Der technikbegeisterte Sanierer

Er kann erst einmal durchatmen. Paul Stodden hat den Computerkonzern wieder auf Kurs gebracht. Aber die Risiken in der hart umkämpften Branche sind groß.

HB MÜNCHEN. Gelassen lehnt er sich zurück. "Gewiss, wir kommen aus einem emotionalen Tief", sagt Paul Stodden, ohne zu zögern, "aber jetzt ist die Stimmung positiv." Der 54-Jährige strahlt Zuversicht aus und gibt sich zufrieden.

Die Spuren des Kampfes sind heute, zum Start der Computermesse Systems in München, aber noch nicht verwischt, die Anspannung ist nur zum Teil gewichen. "Es ist ein nervenzerfetzendes Geschäft", beschreibt der gelernte Maschinenschlosser die zurückliegenden anderthalb Jahre. Als Sanierer hatten sie Stodden geholt, als im vergangenen Frühjahr die Doppelspitze des gemeinsamen Computerkonzerns von Fujitsu und Siemens nur ein halbes Jahr nach der Firmengründung bereits am Ende war.

Jetzt, nach dem Überlebenskampf, kann er für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres, also von April bis September, einen Gewinn von drei Millionen Euro vorweisen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte Europas größten Computerbauer noch ein Verlust von mehr als 100 Mill. Euro geplagt.

Ein mageres Plus

Sicherlich, das Plus sei mager, gibt der gebürtige Kölner unumwunden zu. Aber immerhin habe sein Unternehmen von April bis September für 2,5 Mrd. Euro Waren verkauft. Im Vergleich zu den gigantischen Verlusten der Konkurrenz sei Fujitsu Siemens Computers (FSC) gar nicht so schlecht. Und angesichts der trüben Wirtschaftslage sei der Profit umso beachtlicher, findet er.

Stodden kennt Siemens gut, hat schon 1987 bei den Münchenern angeheuert. Als alten Siemensianer sieht er sich trotzdem nicht. "Bei US-Firmen habe ich mehr Zeit verbracht als bei Siemens", erzählt er nicht ohne Stolz über seine Karriere. Denn bei Siemens war es lange nicht üblich, dass einer von außen einen Top-Posten bekommt. Er kam damals als Konzernfremder und startete in der Medizintechnik-Sparte als Leiter des Vertriebs für Geräte der bildgebenden Diagnostik. Es folgte ein schneller Aufstieg, bis er zuletzt dem Siemens IT Service vorstand.

Jegliche Lockerheit geht Stodden sofort verloren, wenn er auf die Zukunft zu sprechen kommt. Mit allem Nachdruck macht er dann klar, dass ein Rückfall in die roten Zahlen nicht in Frage kommt - wie auch immer sich der Markt entwickelt.

Fusion Compaq/Hewlett-Packard

"Unser Geschäft ändert sich jeden Monat dramatisch", weiß er. Der studierte Elektrotechniker und Wirtschaftswissenschaftler ist sich bewusst, dass er sich immer nur für wenige Momente zurücklehnen kann. Als er jüngst für ein paar Tage im Süden ausspannen wollte, überraschte ihn die Meldung von der Fusion Compaq/Hewlett-Packard. Vorbei war die Ferienidylle, und Stoddens Meinung war in den Medien gefragt.

Der Fujitsu-Siemens-Chef ist permanent auf Achse. Er pendelt zwischen den wichtigsten Unternehmens-Standorten London und München und jettet alle vier Wochen zur Mutter Fujitsu nach Japan. Da bleibt so wenig Freiraum, dass Stodden selbst Golf als Managersport Nummer eins für "viel zu zeitaufwendig hält" und nur "ein bisschen" spielt. Mit seinem wenigen Training könne er nicht wirklich gut werden. Sein Ehrgeiz verlange das aber, sagt Stodden über Stodden.

Wenn sich der Unternehmenslenker Freizeit gönnt, dann für seine einjährige Tochter. Für seinen Sprössling hat er sich extra einen geländetauglichen Kinderwagen gekauft, um die Kleine auch zum morgendlichen Joggen mitnehmen zu können.

Ansonsten steht Stodden eher auf schnellere Fortbewegungsmittel, fährt Porsche und hat in jahrelanger Kleinarbeit einen englischen Triumph restauriert. "Das lenkt ab", sagt einer, der sich selbst "technikbegeistert" nennt. Dann, und nur dann, wenn es um Freizeit geht, ist Stodden wirklich locker.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%