Chef von General Electric
Jeffrey Immelt: Der geplagte Welch-Erbe

Der Nachfolger des legendären Jack Welch muss mit ungewohnten Problemen kämpfen. Der Vorzeigekonzern General Electric ist zur Zielscheibe der Kritik geworden.

"Es ist wirklich angenehm vor euch Airline-Menschen zu sprechen, denn ihr macht noch schwierigere Zeiten durch als ich", begrüßte Jeffrey Immelt vergangene Woche die Vertreter der Flugzeug-Industrie im New Yorker Wing?s Club.

So versucht der Chef von General Electric (GE), sich momentan selbst zu trösten. Denn der einstige US-Vorzeigekonzern hat einen Teil seines Glanzes verloren. Die Terroranschläge in New York haben das Geschäft und der Enron-Skandal hat das Vertrauen in die Bilanzzahlen des Riesenkonzerns erschüttert.

Seine ersten acht Monate im Amt hat sich der 46-jährige Mathematiker, der am 10. September vergangenen Jahres angetreten ist, sicherlich anders vorgestellt. Immelt, der sich neun Monate auf seinen Job vorbereitet hat, gilt als der ideale Nachfolger der weltberühmten Managerlegende Jack Welch. Immelt und Welch verbindet eine lange Karriere bei GE, dieselbe Heimat Ohio und die Fähigkeit, gut mit Führungskräften umzugehen und sie zu motivieren.

Das Umfeld ist schwieriger geworden

Immelt, dessen Auftreten an das des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton erinnert, mischt sich gerne unter Leute. Mit seiner 1,90 Meter großen, breiten Statur hebt er sich zwar schon von weitem von ihnen ab, aber seinem Gegenüber widmet er auch mitten im ärgsten Gewühl seine ganze Aufmerksamkeit. Zum Abschied klopft er auch fremden Gesprächspartnern gerne kumpelhaft auf die Schulter. Immelt ist umgänglich. Selbst sein Nein kommt noch mit einem Lächeln über seine Lippen.

Doch sein Umfeld ist unfreundlicher geworden. Seit den Terroranschlägen auf New York und Washington ist die US-Wirtschaft schwer eingebrochen. GE muss vor allem in den Geschäftsbereichen, die für die Flugzeugindustrie arbeiten, herbe Rückschläge hinnehmen. Und was die Terror-Anschläge und ihre Folgen nicht geschafft haben, das erledigt der Skandal um den zusammengebrochenen Energiehändler Enron. Immelt muss plötzlich den Investoren erklären, ob die Gewinne mit Bilanztricks manipuliert worden sind. Sie trauen auch einem Spitzenkonzern wie GE nicht mehr, der seinen Gewinn jedes Jahr um mehr als zehn Prozent steigert.

Aktienkurs auf Talfahrt

Der frisch gekürte Vorstandschef muss zusehen, wie der Aktienkurs von mehr als 40 Dollar im März auf knapp über 30 Dollar in diesem Monat fällt. "Ich hasse unseren derzeitigen Aktienkurs", gesteht er auf einer Analystenkonferenz. Als er den Konzern von Jack Welch übernahm, war GE mit über 400 Milliarden Dollar Börsenwert noch das wertvollste Unternehmen der Welt.

Das Misstrauen der Finanzgemeinde spiegelt auch das Publikum bei Immelts Auftritt im New Yorker Wing?s Club wider. Kommen sonst ausschließlich Flugzeugexperten, bestimmt diesmal die Finanzgemeinde die Szene, die dem Konzernchef sehr aufmerksam zuhört.

Neue Übernahmen nicht ausgeschlossen

Der gebräunte, ehemalige College-Football-Spieler mit dem grau melierten, welligen Haar versucht, die kritische Schar zu beruhigen. Er gibt zu, dass das Geschäft schwieriger geworden ist. Gleichzeitig ruft er die Vertreter der Flugzeugindustrie dazu auf, sich auf die echten Geschäftsbereiche zu konzentrieren. "So führen auch wir GE und unsere Töchter", fügt er hinzu.

Nur kurz geht er auf den gescheiterten Versuch ein, den Technologie-Konzern Honeywell zu übernehmen. Er nennt ihn ironisch eine "Mini-Niederlage namens Honeywell". Jetzt ist er auf der Suche "nach ähnlichen Möglichkeiten". Die Frage, ob der gesunkene Aktienkurs neue Übernahmen erschweren könnte, beantwortet er zwar mit Nein.

Doch macht Jeffrey Immelt derzeit - verglichen mit seinem Vorgänger Welch - schwere Zeiten durch.

Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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