Chef von Marks&Spencer
Luc Vandevelde: Der Desillusionierte

Vor gut einem Jahr trat der heute 50-jährige Belgier sein neues Amt bei der traditionsreichen britischen Bekleidungskette an. Zunächst als Hoffnungsträger bejubelt, mehren sich nun die Zweifel, ob er der Richtige ist, um Marks&Spencer wieder profitabel zu machen.

Die Londoner City jubelte, als der britische Traditionskonzern Marks & Spencer Anfang vorigen Jahr nach monatelanger Suche seinen neuen Chairman präsentierte. Mit Luc Vandevelde sollte endlich die Wende kommen. Doch auch 13 Monate danach wartet man bei dem Bekleidungs- und Lebensmittelriesen immer noch auf Zeichen der Besserung.

Das Vertrauen in den neuen Chef ist rapide geschwunden. Bislang hat der 50-jährige Belgier viel versprochen, aber nur wenig gehalten. So kündigte er etwa "wunderbare Weihnachten" an. Tatsächlich aber brach das Bekleidungsgeschäft von M&S, der Hauptumsatzpfeiler, deutlich ein.

Gleichwohl soll Vandevelde nun einen Bonus von mehr als 2,1 Millionen Mark kassieren. Das bringt nicht nur die Mitarbeiter in Rage, von denen viele um ihren Arbeitsplatz bangen. Auch ein Fondsmanager wundert sich: "Vielleicht hat Vandevelde ja interne Ziele erreicht, die wir nicht kennen."

Der Druck auf Vandevelde wächst. Wenn sich nicht bald Erfolge einstellen, ist sein Ziel, bis Frühjahr 2002 den Turnaround zu schaffen, akut gefährdet. Deshalb kündigte er vergangene Woche drastische Maßnahmen an. So sollen die 38 kontinentaleuropäischen M&S-Filialen geschlossen und zwei US-Geschäfte in den USA verkauft werden, was unter den Strich den Verlust von 4400 Arbeitsplätzen bedeutet.

Gleichwohl rätselt die City, ob Vandevelde wirklich der richtige Mann am richtigen Ort ist. Nach 24 Jahren in Diensten des US-Nahrungsmittelriesens Kraft, zuletzt als Chief Executive von Kraft Jacobs Suchard in Frankreich, wechselte er 1995 als Finanzvorstand zur französischen Supermarktkette Promodès. Dort gelang es ihm, innerhalb von fünf Jahren den Börsenwert zu versechsfachen.

Davon können die M&S-Aktionäre nur träumen. Viel schwerer wiegt aber, dass keine Strategie erkennbar ist.

Noch vor einem Jahr behauptete Vandevelde, dass es sich kein Einzelhändler erlauben könne, auf internationale Präsenz zu verzichten. Mit der gleichen Überzeugungskraft verkündet der stets tadellos gekleidete Mann, der fließend vier Sprachen spricht, nun die Notwendigkeit, das M&S sich auf das Kerngeschäft in Großbritannien konzentrieren müsse.

Aber auch das überzeugt die Analysten nicht: "Das Management muss erst noch beweisen, dass es sein Einzelhandelsgeschäft erfolgreich führen kann", lautet das vernichtende Urteil von Teather & Greenwood.

Vandevelde hat die Probleme bei M&S gewaltig unterschätzt. "Hätte ich zu Anfang gewusst, was ich jetzt weiß, hätte ich früher gehandelt", räumt der Belgier eigene Fehler ein. M&S sei halt ein "komplexes Unternehmen", sagt er lapidar. Viel zu spät erkannte der im Modegeschäft unbeschlagene Manager, dass er mit seinem Chief Executive Officer (CEO) Peter Salsbury auf das falsche Pferd gesetzt hatte. Erst im September zog Vandevelde die Konsequenz: Er löste Salsbury als CEO ab und verfügt seitdem als Executive Chairman über die größtmögliche Macht. Aber auch die scheint er nicht zu nutzen. Für die Beobachterin einer Investmentbank ist es deshalb Zeit, dass Vandevelde seinen Stuhl räumt.

Finanziell hat Vandevelde ausgesorgt. Seinen Abschied von Promodès ließ er sich mit einem "goldenen Handschlag" von umgerechnet fast sieben Millionen Mark versüßen. Er bezieht ein Jahressalär von knapp zwei Millionen Mark sowie einen Bonus in gleicher Höhe. Aktienoptionen im Wert von zehn Millionen Pfund (30 Millionen Mark) kann er ausüben, wenn sich der Aktienkurs gegenüber dem Stand bei seinem Amtsantritt verdoppelt hat.

Dass kann nach Lage der Dinge allerdings noch eine Ewigkeit dauern.

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