Chef von Powernext erwartet Konsolidierung des Marktes: Powernext will ins Derivate-Geschäft

Chef von Powernext erwartet Konsolidierung des Marktes
Powernext will ins Derivate-Geschäft

Der Chef der neu gegründeten Pariser Powernext rechnet für die Europäischen Strombörsen mit einem ähnlichen Konsolidierungsprozess wie an den europäischen Finanzplätzen.

"Am Ende bleiben vielleicht zwei bis drei Großbörsen übrig, die Energie-Derivate anbieten", sagte Jean-François Conil-Lacoste im Gespräch mit Volontären der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. In diesem Prozess sei man gegenüber den existierenden Strombörsen "weit offen" für Kooperationen. Als mögliche Partner nannte er Deutschland und die Benelux-Staaten, aber auch Italien und Spanien.

Bisher nur Spot-Handel

Bisher handelt Powernext, wie die meisten europäischen Strombörsen, nur im so genannten Spot-Handel. Hier werden Stromkontingente von einem Tag auf den nächsten verkauft. Später soll Conit-Lacoste zufolge der Handel mit Stromderivaten wie Futures und Optionen folgen. "Dazu müssen wir aber erst einen anerkannten Referenzpreis etablieren", erklärte der Vorstandschef. In dieses Geschäft werde Powernext einsteigen, "sobald wir ein Handelsvolumen von 24 Gigawattstunden pro Tag erreichen". Das entspricht in etwa dem jährlichen Stromverbrauch einer Kleinstadt mit 12 000 Einwohnern. Derzeit handelt Powernext rund ein Achtel dieser Menge. 2004, spätestens 2005 will Powernext die Gewinnschwelle überschreiten.

Das sind ehrgeizige Ziele. Von den acht europäischen Strombörsen in Europa arbeitet bislang nur die schwedische Nordpool profitabel. Zudem hat das Debakel um Enron den Strombörsen Liquidität entzogen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass der staatliche Stromversorger Frankreichs, die Electricité de France (EDF), im weltweit größten Erzeugerland für Elektrizität immer noch eine marktbeherrschende Stellung hat. "Die Zahl der Marktteilnehmer muss beträchtlich steigen, damit ein liquider Handel zu Stande kommt. Das bestätigen die Erfahrungen aus Deutschland. Wenn das gelingt, kann das Powernext sicherlich einen großen Schub geben", sagt KPMG-Berater Dietmar Motzer. Conil-Lacoste sieht das optimistisch: "Wir haben im Augenblick acht Teilnehmer und weitere zehn in der Warteschleife". Ende diesen Jahres sollen es bereits 20 sein. EDF sieht er nicht als Bedrohung. Der Konzern sei einer der Partner von Powernext und selbst an Liquidität interessiert.

Ein Weg zu mehr Liquidität könnten die neuen virtuellen Kraftwerks-Auktionen (VPP) sein, an denen sich auch ausländische Stromversorger wie die deutsche RWE und die spanische Endesa beteiligen. Auf den VPPs können die Anbieter überschüssige Kapazitäten handeln und entweder für den Eigenbedarf nutzen oder weiter verkaufen. Allein EDF will auf diesem Weg in den nächsten Monaten 6 000 Megawatt an die Konkurrenz versteigern.

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