Chefin der Käthe Kruse Puppen GmbH
Andrea-Kathrin Christenson: Die mit Puppen tanzt

Sie erfüllte sich einen Jugendtraum und kaufte den Puppenhersteller Käthe Kruse. Jetzt baut Andrea-Kathrin Christenson die Traditionsmarke behutsam aus.

DONAUWÖRTH. Liebevoll streichelt Andrea-Kathrin Christenson einer Puppe über den Kopf. "Alles Echthaar", betont die Inhaberin von Deutschlands bekanntester Puppenmanufaktur, "wir legen hier großen Wert auf natürliche Materialien." So haben viele der Luxus-Puppen aus den Käthe-Kruse-Werkstätten nicht nur Menschenhaar auf dem Kopf, ihre Körper sind auch mit teuren Rentier- und Reh-Haaren gestopft.

Der Aufwand ist Prinzip in Donauwörth. Ob Perücken oder Hosen, selbst das Lächeln auf den Puppengesichtern entsteht weitgehend in Handarbeit. Mit den Abläufen einer modernen Fabrik hat die aufwendige Arbeit in den vielen kleinen Räumen der unscheinbaren Fabrik in dem bayerischen Städtchen nichts gemein. "Ich will das gar nicht anders", verteidigt die Firmenchefin die bescheidene, etwas verstaubt anmutende Fertigung, "sonst geht unser Charakter verloren."

Der Gegensatz zwischen den biederen, einfachen Firmengebäuden der 50er-Jahre und der Außendarstellung ist riesig: In den Sammler-Geschäften und Spielzeugläden präsentiert sich die Käthe Kruse Puppen GmbH ausgesprochen fein. Die meisten Puppen kosten mehrere Hundert Euro, und selbst Kleinkind-Artikel reißen ein Loch ins elterliche Portemonnaie. Bei solchen Preisen ist der Absatz beschränkt: Im vergangenen Jahr sind lediglich 12 Millionen Euro in die Kassen geflossen - ein Klacks im Vergleich zu Massenherstellern wie Zapf Creation oder Mattell.

Einnahmen evrfünffacht

Die 44-jährige Firmenchefin ist trotzdem stolz darauf: Schließlich hat die Betriebswirtin die Einnahmen in den vergangenen zwölf Jahren etwa verfünffacht. Damals gab sie ihren Job als Unternehmensberaterin auf und übernahm mit ihrem Mann Stephen die Fabrik von den Kindern der legendären Puppenschöpferin Käthe Kruse. "Mit dem Kauf habe ich mir einen Traum erfüllt", erinnert sich die Mutter dreier Söhne, "weil ich in meiner Jugend Unternehmensberaterin werden, aber auch Spielzeug produzieren wollte."

Vor dem Wechsel in die Puppenfertigung war die gebürtige Wienerin - der man die österreichische Abstammung kaum anhört - sieben Jahre lang bei Boston Consulting in München. Sie hörte von Käthe Kruse, weil ein befreundeter Banker mit dem Verkauf der Puppenfabrik beauftragt war. "Purer Zufall", freut sie sich noch heute über die Gelegenheit.

Seit einigen Jahren erweitert die elegant gekleidete Frau die Produktfamilie Schritt für Schritt. Rund die Hälfte aller Einnahmen stammt aus Kleinkind-Artikeln wie Kuscheltieren. Darüber hinaus gibt es auch Kinder-Kleider. Und schon bald können Puppenmütter möglicherweise ihr Kinderzimmer mit Käthe-Kruse-Artikeln ausstatten. Die Perfektionistin legt Wert darauf, dass alles aus eigener Produktion stammt: In Lettland betreibt sie mit ihrem Mann eine Kleiderfabrik, in der allerdings nicht nur Puppenkleider produziert werden.

Oktoberfest für Kruse-Fans in Denver

Selbst in der Freizeit lässt sie die Firma nicht los. Wenn sie mit ihrer Familie bald in die USA zum Sommerurlaub reist, dann sind Puppen im Gepäck. Für die amerikanischen Käthe-Kruse-Fans in Denver veranstaltet sie ein Abendessen unter dem Motto "Oktoberfest". Und nicht nur das. "Da ziehe ich ein Dirndl an und meine Söhne Lederhosen", verrät sie.

Ihre drei Jungs, darauf legt Christenson Wert, seien genauso Puppenfans wie sie selbst. Als Lucas, der mit 12 Jahren älteste Spross, von Donauwörth ins Internat nach Wien umzog, bekam er von seiner Mutter eine Puppe in der Schuluniform mit auf den Weg. Dass der Sohn nun in ihrer Heimatstadt auf die Schule gehe, habe er so gewollt.

Die zwei anderen Söhne dürfen auch bald in die Großstadt: Nächstes Jahr will die Familie von Donauwörth nach München umziehen. Bisher sind die Christensons zwischen Firmensitz und Freizeitwohnung in der Landeshauptstadt gependelt. Denn trotz Puppen-Nostalgie liebt die Firmenchefin das Leben einer Millionenstadt.

Vita

Andrea-Kathrin Christenson, 44, ist gebürtige Wienerin. Nach dem betriebswirtschaftlichen Studium arbeitet sie einige Jahre bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group in München. 1990 steigt sie aus und übernimmt mit ihrem Mann die Käthe Kruse Puppen GmbH in Donauwörth. Die Österreicherin ist trotz ihres Full-Time-Jobs als Unternehmerin ihrem alten Beruf treu geblieben. Sie gibt heute noch Management-Seminare. Am liebsten spricht die Mutter von drei Söhnen dann über die Karrieremöglichkeiten für Frauen als Unternehmer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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