Chefin der Martha Stewart Living Omnimedia
Martha Stewart: Die dunkle Seite der Sauberfrau

Sie sagt den Amerikanern, was sie kochen und wie sie sich einrichten sollen. Jetzt muss sich die Haushaltspäpstin mit dem sauberen Image mit einem Insider-Skandal befassen.

NEW YORK. Seit Tagen schon steht sie auf den Titel-Seiten der US-Boulevard-Presse. Martha Stewart, ehemals Foto-Modell und Aktienhändlerin, heute Hausfrauen-Päpstin mit immer neuen Ideen für das perfekte Heim, muss sich plötzlich mit einem Wertpapier-Skandal beschäftigen. Sie steht im Verdacht, sie habe Insiderwissen zum rechtzeitigen Verkauf von knapp 4 000 Aktien des US-Pharma-Unternehmens Imclone genutzt.

Statt ihr neuestes Salat-Rezept vorzuführen, muss sich die 60-Jährige im Frühstücks-Fernsehen für Abmachungen mit ihrem Broker rechtfertigen. "Martha, come clean", Martha, pack aus, schreibt die Presse in Anspielung auf ihr sauberes Image. Andere fragen: "Martha, wie konntest Du nur?"

Zuvor war alles im Leben der Martha Stewart perfekt: ihre Gartenblumen, die zum Tischtuch passenden Gardinen, ihre Sommer-Rezepte und Haushaltstipps. Aus einem kleinen Partyservice im heimischen Keller schuf sie über viele Jahre ein ganzes Design- und Media-Imperium, das nur auf ihre Person zugeschnitten ist. Ihr börsennotierter Konzern Martha Stewart Living Omnimedia erreicht heute einen Umsatz von knapp 300 Millionen Dollar mit Fernsehshows, einer Einrichtungszeitschrift, mit Bettwäsche und Kochbüchern. "Wir sind doch nicht bei Martha Stewart", ist in den USA ein geflügeltes Wort, wenn es Zuhause mal nicht ganz so ordentlich zugeht. Und jetzt das.

Immer neue Skandale

Die Frau, die sagt "Man muss nicht perfekt sein, um Perfektes zu schaffen", reiht sich plötzlich in die Serie zweifelhafter Manager ein, die mit immer neuen Skandalen das Publikum in Atem halten. Bisher fand die Vertrauenskrise des US-Kapitalismus-Modells in den Chefetagen statt, mit Martha Stewart hat sie auch den amerikanischen Vorgarten erreicht. Zäh und von der Sucht nach Erfolg getrieben, das durfte die bisherige Vorzeigefrau ruhig sein. Dass ihr staatenweites Marketing für feine Soufflés auch Ellbogen verlangt, versteht die Nation. Doch Gesetzesbruch und Betrug?

Am 27. Dezember, einen Tag bevor das von Imclone entwickelte Krebs-Medikament Erbitux von den Prüfbehörden abgelehnt wurde, hatte Stewart nicht nur selbst knapp 4 000 Imclone-Aktien verkauft. Auch ihr Bekannter Bart Pasternak trennte sich von 10 000 Aktien. Beide hatten denselben, inzwischen von Merrill Lynch gefeuerten Broker. Beide sind mit dem früheren Chef von Imclone, Samuel Waksal, befreundet. Waksal wurde am 12. Juni wegen Insiderhandels festgenommen.

Martha Stewart sagt, es sei ein routinemäßiger Verkauf gewesen und streitet jedes Fehlverhalten ab. Doch Kritiker behaupten, fragwürdige Tricks passten zu ihr. "Sie hat so eine Haltung, als sei das ganze Leben eine Bühne und die Handlung drehe sich nur um sie", schreibt der Autor einer Biographie über Stewart, Christopher Byron.

Vom Glamour-Modell zur Aktienhändlerin

Geboren 1941 als eines von sechs Kindern einer vom alkoholsüchtigen Vater beherrschten Familie, schaffte sie es 20 Jahre später als best gekleidetes Girl auf die Titelseite des Magazins "Glamour" und wurde nach einer bescheidenen Karriere als Foto-Modell schließlich Aktienhändlerin.

Sie war kompetent, doch große Erfolge blieben im damaligen Bärenmarkt an der Börse aus. Sie zog von New York nach New Jersey um und gründete im Keller ihres Hauses einen Catering-Service. Sie verkaufte Dinner-Parties, die so aussahen, als habe die Hausfrau selber gekocht. Außerdem entwarf sie die dazu passende Dekoration. Ihr Mann, Andy Stewart, half ihr später, die ersten Kochbücher zu veröffentlichen.

Dann, 1987, kam der Konzern K-Mart auf sie zu. Stewart sollte der zweitgrößten US-Einzelhandelskette mit ihrem Namen ein besseres Image verschaffen. Mit K-Mart wurde sie zu einer der reichsten Frauen der Welt - doch ohne Andy, der hatte sie nach 25 Jahren Ehe verlassen, weil er ihr nichts recht machen konnte.

Der Imclone-Handel beschäftigt inzwischen die Wertpapieraufsicht und den US-Kongress. Die jüngsten Schlagzeilen haben den Kurs der Martha Stewart Living Omnimedia auf ein Allzeit-Tief abstürzen lassen und mehr als 100 Millionen Dollar Kapital vernichtet. "Stewart war 40 Jahre lang der Archetyp amerikanischer Volks- und Geschäftskultur", sagt Biographie-Schreiber Byron. "Wenn sie dieses Problem nicht meistert, wird sie zum Symbol der Habgier und Arroganz ihrer Zeit", merkt er an.

Vita

Martha Stewart, geboren 1941 als Martha Kostyra in New Jersey, besucht das Barnard College und heiratet 1961 Andy Stewart. Sie arbeitet zunächst als Fotomodell und wird 1968 Aktienhändlerin. Drei Jahre später verlässt sie die Wall Street und startet in ihrem neuen Zuhause in New Jersey einen Catering-Service. 1977 gründet sie ihre eigene Firma und bringt die Martha Stewart Living Omnimedia 1999 an die Börse.

Quelle: Handelsblatt

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