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Chefin der Nacht

Eine 22-Jährige hetzt durch die Warschauer Internet-Szene - und durch ihr Leben.

Da sie ihre Tage so ähnlich gestaltet, wie sie Auto fährt, lebt Malgorzata Gawryszewska ziemlich ungesund. Kaum 30 000 Kilometer hat ihr kleiner Daewoo herunter. Und der Motor rasselt und heult bereits jämmerlich, wenn die junge Polin den Wagen im nächtlichen Nebel mit mehr als 100 km/h über die Weichselbrücken in Warschau peitscht.

Wenn Malgorzata - kurz Malgosia - so spät in die Außenbezirke der Millionenstadt rast, hat sie einen gewöhnlichen Arbeitstag bereits hinter sich. Sie ist ihrer Promotion in Anthropologie ein kleines Stück näher gekommen. Dennoch macht sich die 22-Jährige dann auf einen weiteren Weg: Nachts führt sie die Warschauer Internet-Firma Jas i Malgosia Technologies, die technische Detaillösungen für Großunternehmen austüftelt.

Ihre Firma ist ein Startup wie aus dem Bilderbuch. Zu zweit fingen sie und ihr Geschäftspartner Jas vor knapp 2 Jahren an. Inzwischen kaufen bei ihnen die renommiertesten Unternehmen ein wie der in Polen allgegenwärtige Mobilfunkbetreiber Era GSM oder der Internet-Zugangsanbieter Cable TV. Das Gründerduo hat derzeit bis zu 80 Mitarbeiter, darunter viele freie Programmierer und Studenten. Groß sei der Aufwand nicht, um die jungen Web-Experten anzuheuern, meint Malgosia: "Ich habe viele Freunde und kenne die Szene."

Auf den wesentlichen Warschauer Partys ist die schlanke und elegante Frau denn auch vertreten. Doch die pure Herzlichkeit herrscht in ihrer Firma deshalb noch lange nicht. Als einer ihrer "Freunde" kürzlich eine Programmierung zu spät lieferte und die Bezahlung außerdem mickrig fand, warf Malgosia ihn raus. "Ich habe mir alles bis zu Ende angehört und ihn dann gefeuert."

Wer Malgosia sieht, traut bei solchen Sätzen seinen Ohren kaum. Allenfalls spitzbübisch wirkt ihr häufiges Lächeln, meist aber interessiert und charmant. Und aus den großen Augen - scheint es zumindest - leuchtet etwas wie Wärme.

Das aber ist ein Trugschluss. Einer, der der jungen Unternehmerin hilft, Männer einzuwickeln. Risikokapitalgeber zum Beispiel: Im Unterschied zur üblichen Praxis geben die sich bei Malgosia damit zufrieden, bloß am Erlös einzelner Projekte beteiligt zu sein. Anteile an ihrem Unternehmen rückten Malgosia und ihr Partner bislang nicht heraus. Warum auch: "Es ist so einfach, an Geld zu kommen", sagen Frauen wie sie.

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