Chefs der US-Geldhäuser kassieren weiter Millionengehälter: US-Investmentbanker sahnen weiter ab

Chefs der US-Geldhäuser kassieren weiter Millionengehälter
US-Investmentbanker sahnen weiter ab

Während Investmentbanken an der Wall Street einen ihrer steilsten Abschwünge erleben, verdienen viele ihrer Chefs immer noch mehr als zehn Millionen Dollar im Jahr. Doch langsam regt sich auch Kritik.

NEW YORK. Obwohl sie insgesamt leicht geschrumpft sind, bewegen sich die Vergütungen, die sich amerikanische Bankmanager genehmigen, immer noch in Schwindel erregenden Höhen. Philip Purcell, Vorstandschef (CEO) von Morgan Stanley, erhielt 2002 ein Vergütungspaket von 11 Mill. $. Goldman-Sachs-Boss Henry Paulson bekam 12,1 Mill. $, und der Chef von Lehman Brothers, Richard Fuld, trug geschätzte 12,5 Mill. $ nach Hause.

Sanford I. Weill, Chef der Citigroup, die in diesem Jahr durch Ermittlungen der US-Finanzaufsicht stark unter Druck geraten war, bildet eine Ausnahme: 2002 verzichtete er freiwillig auf eine Bonuszahlung in bar bzw. in Aktien, weil der Kurs der Citigroup-Aktie um 25 % gefallen war. Doch für 2003 hat Weill erneut Aktienbezugsrechte (stockoptions) mit einem aktuellen Schätzwert von 17,9 Mill. $ in Aussicht - mehr als der Cash-Bonus von 17 Mill. $, den Weill 2001 erhalten hatte. Ein anderer CEO, James Cayne von Bear Stearns, einem der wenigen Wertpapierhäuser, das 2002 seinen Gewinn steigerte, konnte 2002 sein Vergütungspaket auf 19,6 Mill. $ mehr als verdoppeln.

Doch mittlerweile sind diese äußerst großzügigen Gehaltsschecks in die Kritik geraten, weil sie offensichtlich nicht zur Krise in der Branche passen. Zum Beispiel sind die Gebühren, die Wall Street für die M&A-Beratung kassierte, mittlerweile versiegt. "In guten Zeiten rechtfertigen die Manager die Vergütungspakete für ihre Führungskräfte mit dem großartigen Job, den sie machen. In schlechten Zeiten rechtfertigen sie die Zahlungen mit der Begründung, die Führungsriege müsse die Bank durch unruhiges Gewässer lotsen. Egal wie - sie finden immer einen Grund, alles zu rechtfertigen", sagt Mike Corasaniti, Research-Chef bei der auf Banken spezialisierten Beratungsfirma Keefe, Bruyette & Woods.

Die Bezahlung eines Bankdirektors an der Wall Street ist an seine Performance gekoppelt. Die Krise hat ihre Jobs nicht einfacher gemacht. So mussten die Topmanager in vielen Banken massenweise Stellen abbauen. Andererseits können solche unliebsamen Entscheidungen dazu beitragen, das Vergütungspaket von so manchem Topbanker zu vergrößern - sofern die Kostensparmaßnahmen ihre Wirkung gezeigt haben. So kommt es, dass mit Ausnahme einiger weniger Firmen - wie der Credit Suisse First Boston - die meisten Wall Street Firmen während des Bärenmarktes Gewinne gemacht haben. Und obwohl die Aktien einiger Häuser erheblich an Wert verloren haben, ist der Dow Jones Financial Services Index nur um 3% gesunken.

Der Preis, den viele Angestellte in den vergangenen Monaten für die üppigen Vorstandsgehälter zahlen mussten, steht auf einem ganz anderen Blatt. So haben die Wertpapierhäuser seit Ende 2000 insgesamt 75000 Stellen beziehungsweise 9,6% ihrer Gesamtbelegschaft abgebaut, stellte der Branchenverband Securities Industry Association fest. In den größeren Häusern waren die Einschnitte sogar noch tiefer. Merrill Lynch beispielsweise hat im gleichen Zeitraum knapp 29 % bzw. 20700 Stellen abgebaut.

Um die fürstlichen Vergütungen besser an die Realitäten zu binden, hatte sich Henry Paulson von Goldman Sachs im vergangenen Jahr dafür ausgesprochen, dass Führungskräfte den größten Teil ihrer Vergütungen in Aktien erhalten. Damit wollte Paulson die Bezahlung enger an die Performance der Bank koppeln. Bei Paulson selbst scheint das der Fall zu sein: Wie ein Sprecher sagte, hat er von seinem 12,1-Mill.-Dollar-schweren Vergütungspaket den größeren Teil in die eigene Firma investiert.

So üppig die Vergütungen der CEOs auch immer ausfallen: häufig werden sie beim Jahresgehalt noch von einigen ihrer Händler übertroffen. So hat der Vice-Chairman von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, mehr verdient als sein Chef Paulson. Ausserdem war er von allen Goldman-Angestellten, deren Vergütung 2002 offen gelegt wurde, der einzige Top-Manager, dessen Gehalt noch erhöht wurde. Es stieg um 3 % auf 16,1 Mill. $.

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