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Chefvolkswirte dämpfen Konjunktur-Optimismus

Die Chefvolkswirte führender deutscher Finanzkonzerne haben sich zurückhaltend zu den optimistischen Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur Konjunkturentwicklung geäußert.

dpa BERLIN. Bis zur Bundestagswahl am 22. September sei nicht mit einem nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung zu rechnen, lautet das Ergebnis einer Umfrage der "Berliner Zeitung" (Donnerstag), an der die Chefvolkswirte Norbert Walter (Deutsche Bank), Klaus Friedrich (Allianz/Dresdner Bank), Martin Hüfner (HypoVereinsbank), Ulrich Ramm (Commerzbank) und Thomas Mayer (Goldman Sachs) teilnahmen. Am Arbeitsmarkt sei kaum Entspannung in Sicht.

Schröder hatte beim Eröffnungsrundgang auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover am Mittwoch gesagt, er erwarte von der Messe positive Signale für die Konjunktur. Es werde eine Aufbruchstimmung deutlich, die sich auch auf die gesamte Wirtschaft auswirken werde.

Deutsche-Bank-Chefökonom Walter sagte dem Blatt: "Zumindest im laufenden Jahr sehe ich keine Chance für einen nachhaltigen Aufschwung in Deutschland." In Deutschland seien zu viele Strukturreformen nicht angepackt worden. Auch nach der Wahl rechne er mit keiner entscheidenden Besserung. Ähnlich beurteilt Mayer die Lage: "Dieses Jahr wird die Erholung weiterhin von Impulsen aus dem Ausland bestimmt werden", sagte der Chefökonom von Goldman Sachs. Erst im nächsten Jahr bestehe die Chance auf einen nachhaltigen Aufschwung - wenn sich die dann gewählte Regierung zu umfassenden Reformen durchringe.

Hüfner (Hypo-Vereinsbank) sagte der Zeitung, zwar werde es einen vor allem durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen getriebenen konjunkturellen Aufschwung in diesem Jahr geben. Doch "freilich ist dies kein nachhaltiger Aufschwung, sondern nur ein Strohfeuer".

Optimistischer äußerten sich Friedrich und Ramm - aber nur, was die konjunkturelle Entwicklung angeht. Friedrich sagte: "In diesem Jahr bestehen gute Aussichten, dass die wirtschaftliche Schwäche überwunden wird." Für eine Erholung sprechen Friedrich zufolge vor allem die niedrigen Zinsen und der gesunkene Ölpreis. Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet damit, dass im Frühjahr ein Aufschwung einsetzt. "Die EZB hat die Zinsen gesenkt, die Weltwirtschaft scheint sich wieder zu erholen, und auch von dem niedrigen Rohölpreis gehen positive Impulse aus."

Weitgehend einig sind sich die Ökonomen, dass die Arbeitslosenzahl von fast vier Millionen bis zum Wahltermin im September kaum spürbar sinken wird.

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