Archiv
Chelsea-Reservist Huth stiehlt Ronaldo die Show

Bis zum Spiel gegen Brasilien kannten ihn nur die Insider, jetzt ist er ganz Fußball-Deutschland ein Begriff: Robert Huth war beim 1:1 gegen die Südamerikaner der Gewinner des Abends.

dpa BERLIN. Bis zum Spiel gegen Brasilien kannten ihn nur die Insider, jetzt ist er ganz Fußball-Deutschland ein Begriff: Robert Huth war beim 1:1 gegen die Südamerikaner der Gewinner des Abends.

Doch der 20-Jährige blieb auch nach dem größten Moment seiner noch jungen Karriere ganz ruhig und besonnen. "Ich hoffe, mein Trainer hat das Spiel gesehen", sagte der Abwehrhüne an die Adresse von José Mourinho, der ihn in dieser Saison beim FC Chelsea noch keine Sekunde spielen ließ. Ansprüche aber wollte der gebürtige Berliner nicht anmelden: "Ich kann jetzt nicht wegen einem guten Spiel hingehen und sagen, ich muss spielen. Als junger Spieler muss man seinen Mund halten und auf dem Trainingsplatz überzeugen."

So hatte er auch das Vertrauen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gewonnen, der sich überraschend für den unerfahrenen England-Legionär und gegen den weitaus routinierteren Bremer Frank Baumann entschieden hatte. "Wenn ich noch Stürmer wäre, hätte ich nicht gern gegen Robert gespielt. Schon im Training habe ich gedacht, ich möchte nicht Adriano oder Ronaldo sein", schilderte der ehemalige Weltklasse- Angreifer Klinsmann seine Eindrücke von Huth, der gegen Brasiliens Top-Duo kaum einen Zweikampf verlor, stets die Übersicht behielt und mehrmals in höchster Not klärte.

Der 1,88 Meter große und 90 Kilo schwere Modellathlet, der zuvor gerade einmal fünf Länderspiel-Minuten gegen Österreich absolviert hatte, strahlte weitaus mehr Sicherheit aus als Frank Fahrenhorst (27) in seinem ebenfalls zweiten Länderspiel. Und der Youngster war es, der nach dem frühen Rückstand durch Ronaldinhos Freistoßtor den patzenden Nebenmann Fahrenhorst aufmunterte und antrieb.

"Hut ab. Er hat seine Sache super gemacht und mich überrascht", lobte Torhüter Oliver Kahn, der zugab, dass er vor dem Anpfiff angesichts der Besetzung der Innenverteidigung "Bauchschmerzen" hatte. "Es hat mich begeistert, wie die jungen Spieler - Robert voran - ihre Sache gemacht haben", urteilte Kapitän Michael Ballack. Auch Sebastian Deisler zollte der "Berliner Mauer", wie Huths Spitzname in London ist, größten Respekt: "Er steht hinten wie ein Baum."

Huth selbst brachten auch die ganzen Glückwünsche nicht aus dem Häuschen. Innere Ausgeglichenheit scheint ein wesentliches Charaktermerkmal des Jung-Profis zu sein, der schon früh gelernt hat, auf eigenen Beinen zu stehen. Bei einem Spiel der deutschen U15 in Dublin war der damals für Union Berlin kickende Verteidiger den Spähern des FC Chelsea aufgefallen, mit 16 wechselte er nach London, mit 17 debütierte er in der Premier League. Obwohl der russische Öl- Magnat Roman Abramowitsch am Fließband neues Personal einkaufte, konnte sich Huth in der vergangenen Saison nicht über sein Arbeitspensum beschweren: "Ich hatte 22 Spiele gemacht."

Mit dem Trainerwechsel im Sommer - der Portugiese Mourinho löste Claudio Ranieri ab - hat sich für Huth die Situation jedoch verschlechtert. "Chelsea hat 24 Weltklasse-Spieler, da ist man manchmal nicht dabei", berichtete er über den Konkurrenzkampf beim Tabellenzweiten der Premiere League. Aufgeben aber ist überhaupt nicht sein Ding: "Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Vielleicht komme ich schon in zwei Wochen ins Team und mache dann jedes Spiel." Am Samstag im Gastspiel bei Aston Villa (13.45/Premiere) aber wäre schon ein Platz auf der Ersatzbank eine Belohnung für den Galaauftritt gegen Brasilien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%