Chemie-Exporte gestoppt
Hoher Funktionär Nordkoreas übergelaufen

Ein hoher Funktionär Nordkoreas ist laut südkoreanischen Medienberichten in die USA übergelaufen. Die Flucht des 69-jährigen Kil Jae Gyong sowie zwei seiner Assistenten stehe im Zusammenhang mit einem fehlgeschlagenen Versuch, Drogen nach Australien zu schmuggeln, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf diplomatische Quellen in Seoul am Samstag. Unterdessen wurde bekannt, dass die Bundesregierung auf Bitten der USA einen Chemikalien-Export stoppte, der möglicherweise für die Waffenproduktion in Nordkorea bestimmt war.

HB/dpa SEOUL/HAMBURG. Kil sei ein enger Mitarbeiter des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il und stellvertretender Leiter im Sekretariat des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei gewesen, berichtete Yonhap weiter. Er habe direkt mit dem versuchten Drogenschmuggel zu tun gehabt und habe eine Bestrafung befürchtet.

Die australischen Behörden hatten am 20. April einen nordkoreanischen Frachter mit Heroin im Schwarzmarktwert von schätzungsweise 50 Mill. Dollar an Bord abgefangen. An Bord des Schiffes habe sich auch ein Mitglied der Arbeiterpartei Nordkoreas befunden. Ob es sich dabei um Kil handelte, war zunächst nicht klar.

Auf Bitten der USA hat die Bundesregierung nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" (Montagausgabe) den Export von 30 Tonnen Natriumcyanid gestoppt. Die Amerikaner befürchteten, dass die Chemikalie, die offiziell von einer deutschen Firma an ein Handelshaus in Singapur geliefert werden sollte, für das Regime in Nordkorea bestimmt war, berichtete das Magazin. Die Bundesregierung teile den Verdacht der USA. Natriumcyanid wird für die Metallbehandlung benötigt, gilt aber auch als wichtiger Ausgangsstoff für die Produktion des Nervengases Tabun.

Erst vergangene Woche hatte der Verfassungsschutz vor illegalen Beschaffungsversuchen des kommunistischen Landes gewarnt; zur Verschleierung brisanter Importe würden oft Firmen in China und Singapur als Empfänger auftreten. Ein Frachter, der für den Atombombenbau geeignetes Material transportierte, war im April auf Betreiben Berlins gestoppt worden. Als Empfänger galt Nordkorea.

Süd- und Nordkorea werden am Montag wie vereinbart neue Wirtschaftsgespräche aufnehmen. Bei dem viertägigen Treffen soll es nach Angaben des Vereinigungsministeriums in Seoul unter anderem um die geplante Wiederherstellung der innerkoreanischen Schienen- und Straßenverbindungen und den Bau eines Industriekomplexes in Nordkorea gehen.

Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun bekräftigte unterdessen, dass der Fortschritt der innerkoreanischen Zusammenarbeit von der Entwicklung des Konfliktes um Nordkoreas Atomprogramm abhänge. "Wir werden uns überlegen, den innerkoreanischen Austausch in Übereinstimmung mit der Entwicklung in der Nuklearfrage auf flexible Art fortzusetzen", sagte Roh am Samstag nach der Rückkehr von seinem Besuch in den USA.

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