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Chemie-Industrie spart sich fit

Weil sich die Branche beim Bau neuer Anlagen zurückhält, erwarten Analysten höhere Gewinne.

FRANKFURT/M. Die weltweite Chemieindustrie wird in den nächsten Jahren voraussichtlich steigende Gewinne einfahren. Davon gehen Branchenvertreter und externe Fachleute aus. Ihre Zuversicht basiert nicht so sehr auf Konjunkturhoffnungen, sondern auf der Disziplin der Konzerne beim Kapazitätsausbau. "Wir sehen eine drei bis fünfjährige Periode mit hoher Profitabilität für Chemiefirmen", heißt es in einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley.

Weil sich die Branche beim Bau neuer Anlagen stark zurückhält, haben sich die Aussichten auf höhere Gewinnspannen verbessert. Experten der Investmentbank UBS Warburg schließen nicht aus, dass es gerade bei den zyklisch anfälligen Unternehmen, darunter Dow Chemical, Dupont, Lyondell oder BASF, zu "explosivem Gewinnwachstum" kommen könnte.

Die Chemieindustrie gehört zu den Branchen, die bei Investitionen ab 1999 und damit relativ früh auf die Bremse gingen. Nach Daten von Morgan Stanley sind die Ausgaben für neue Chemieanlagen seither um gut ein Drittel zurückgegangen. Das gilt nicht nur für Europa und die USA, sondern auch für Regionen mit niedrigen Kosten wie der mittlere Osten und Südostasien.

Erstmals seit Jahren lagen in der Branche die Zugänge bei den Sachanlagen im vorigen Jahr wieder unter den Abschreibungen. Auch in diesem Jahr dürften sie auf währungsbereinigter Basis weiter sinken. Chemiekonzerne wie BASF, Bayer oder Dow planen durchweg mit rückläufigen Investitionen.

Selbst bei moderatem Nachfragewachstum, so die Erwartung der Analysten von Morgan Stanley, dürften sich daher die Kapazitätsauslastung und die Chance für Preiserhöhungen verbessern. Schon Ende 2004 könnte es aus ihrer Sicht bei vielen Chemieprodukten zu einer Angebotsverknappung kommen. Zwar rechnen Experten ab 2004 wieder mit steigenden Chemieinvestitionen. Doch dürften diese Neuanlagen wegen der langen Planungs- und Bauphasen kaum vor 2006 in Betrieb gehen.

Schwankungen bei Anlagenauslastung und Preisen haben wesentlich größeren Einfluss auf die Erträge der Chemiebranche als die Entwicklung der Absatzmengen, die vergleichsweise stetig ist. Das gilt besonders für die Hersteller von Massenprodukten wie Basischemikalien und Standardkunststoffen. Typische Schwächephasen werden geprägt durch niedrige Preise und Überkapazitäten. Der letzte Investitionsboom in den Jahren 1995 bis 1998 dürfte daher zu dem nachfolgenden Ertragseinbruch in den zurückliegenden Jahren wesentlich beigetragen haben.

Auch in der Chemiebranche selbst wächst die Zuversicht, dass die Firmen vernünftiger agieren. BASF-Chef Jürgen Hambrecht sieht einen Trend zu intelligenteren Lösungen beim Kapazitätsausbau. "Da hat sich einiges verändert", erläuterte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Chemiefirmen bauen und betreiben neue Anlagen vermehrt mit Partnern. Damit wollen sie überschüssige Kapazitäten möglichst von vorneherein vermeiden. Auch die Bayer AG setzt etwa in ihrer Polymer-Sparte auf solche Partnerschaften.

Das Engagement privater Investoren im Chemiesektor dürfte für die Zurückhaltung beim Ausbau der Kapazitäten eine wichtige Rolle spielen. Denn Chemiefirmen, die privaten Kapitalgebern gehören, sind stärker darauf angewiesen, einen hohen freien Cashflow zu generieren. Entsprechend vorsichtig agieren sie bei Erweiterungen. Solche Cashflow- orientierte Strategien haben sich nach Beobachtung der Commerzbank inzwischen auch viele Großkonzerne zu eigen gemacht. Eine möglichst hohe Liquidität zu generieren, folgern sie, "ist eine verlässliche Strategie in der Chemie".

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