Chemiegewerkschaft sieht keinen Wettlauf mit IG Metall
Tarifabschluss in der nächsten Woche

Im Tarifkonflikt der Metallindustrie hoffen die Arbeitgeber auf einen Pilotabschluss in der nächsten Woche. "Aus heutiger Sicht ist es den Versuch wert", sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser dem Handelsblatt.

huh BERLIN. Noch sei er skeptisch, ob eine Einigung gelinge. Kannegiesser: "Bei der Lohnzahl und der Laufzeit des Tarifvertrags sind wir noch sehr weit auseinander". Beide Seiten hätten aber das Interesse, sich zügig zu einigen.

Baden-Württembergs IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber sagte, ob in der nächsten Woche ein akzeptables Tarifergebnis möglich sei, werde sich erst noch zeigen. Die Arbeitgeber müssten sich bewegen. Auch die IG Metall will einen ersten Abschluss versuchen. Zwar wies gestern ein Sprecher der Gewerkschaft einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts" vom Vortag zurück: "Von einem Pilotabschluss sind wir noch weit entfernt". Hinter vorgehaltener Hand bestätigten jedoch mehrere IG Metall-Funktionäre, dass ab Mittwoch eine Einigung denkbar sei. Für diesen Tag ist im Südwesten die siebte Verhandlungsrunde vorgesehen. Die folgenden Tage sind für weitere Termine freigehalten."Wir werden unsere Zahnbürsten mitnehmen, am Zeitbedarf soll es nicht scheitern", sagte Kannegiesser.

Der Gesamtmetallchef zeigte Zuversicht, dass sich IG Metall und Arbeitgeber in der Frage eines gemeinsamen Entgelttarifs für Arbeiter und Angestellte (Era) bei der nächsten Runde am Montag "weitestgehend annähern". Das sei die Voraussetzung dafür, dass am Mittwoch über das Gesamtvolumen des Tarifvertrags mit dem Ziel eines Abschlusses verhandelt werden könne.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sieht sich nicht in einem Wettbewerb mit der IG Metall um den ersten Tarifabschluss. Die Metaller sehen sich traditionell als tarifpolitischer Vorreiter. Es sei kein Problem, wenn die IG Metall voran gehe, sagte ihr Vorsitzender Hubertus Schmoldt dem Handelsblatt. Er betonte aber auch, die IG BCE habe nie erklärt, sie werde der IG Metall den Vortritt lassen. "Wir haben nur gesagt, dass wir den ersten Abschluss nicht anstreben." Wenn sich aber ein tragfähiger Kompromiss mit den Arbeitgebern abzeichne, dann werde die IG BCE nicht auf die IG Metall warten.

Schmoldt hält einen Tarifabschluss der Chemieindustrie bei der nächsten Verhandlung am 17. und 18. April für möglich. Doch sei er skeptisch, ob das Ergebnis den Erwartungen seiner Gewerkschaft entspreche. Die Arbeitgeber hätten bei der jüngsten Verhandlungsrunde am Dienstag darauf bestanden, dass der Abschluss deutlich unter dem Ergebnis im Jahr 2000 liegen müsse. "Das ist für mich ein völlig unverständlicher Rückschritt. Die Arbeitgeber leiden offenbar unter einem Wahrnehmungsdefizit, was die Stimmung in den Betrieben betrifft".

Die IG BCE fordert 5,5 % mehr Entgelt und macht dabei Nachholbedarf für die beiden letzten Jahre geltend. Im Jahr 2000 hatte die Branche einen zweistufigen Tarifvertrag abgeschlossen mit Entgelterhöhungen von 2,2 % bei zwölf Monaten Laufzeit und danach 2 % für neun Monate.

Auf Distanz ging Schmoldt zu den Warnstreiks der IG Metall. Auch gestern beteiligten sich wieder rund 100 000 Metaller, der Schwerpunkt lag in Nordrhein-Westfalen. "Die Tarifparteien der Chemieindustrie haben ein anderes Selbstverständnis, das geprägt ist von gegenseitigem Vertrauen". Die Arbeitgeber wüssten, dass die IG BCE trotz ihres konsensorientierten Ansatzes nicht den Willen vermissen lasse, ein angestrebtes Ziel auch durchzusetzen. Entschieden wies Schmoldt das Argument der IG Metall zurück, seine Gewerkschaft profitiere in den Verhandlungen von den Warnstreiks der Metaller. "Wir profitieren nicht vom Drohpotenzial anderer", sagte er. "Das hielte ich für eine Selbstüberschätzung der IG Metall. Wenn sie dieser Auffassung ist, verstehe ich nicht, warum es für sie so schwierig sein sollte, wenn es einen ersten Abschluss in der Chemie gäbe".

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