Chemiekonzern steigert Betriebsergebnis
BASF bewährt sich in der Flaute

BASF ist der Primus in der Chemie: Anders als bei den Konkurrenten sind die Auftragsbücher beim Ludwigshafener Konzern gefüllt. Die Aussichten für den Rest des Jahres bleiben unverändert gut.

HB/bef DÜSSELDORF. BASF-Chef Jürgen Strube hält Europas größten Chemiekonzern auf Kurs: Der Ludwigshafener Konzern überraschte gestern mit einem deutlichen Gewinnanstieg im zweiten Quartal und einem optimistischen Blick auf den Rest des Jahres. Strube spricht zwar nicht von konjunkturellem Aufschwung, rechnet aber für das dritte Quartal wegen anhaltend guter Auftragslage mit einer leichten Umsatzsteigerung und einem kräftigen Plus beim Gewinn. Dazu sollen auch Preissteigerungen beitragen, die der Konzern durchsetzen will.

Im zweiten Quartal profitierte BASF von einer anhaltend hohen Nachfrage und hielt trotz Preisrückgängen den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bei 8,38 Milliarden Euro nahezu konstant. Der Betriebsgewinn vor Sonderfaktoren stieg um 9,5 % auf 822 Millionen Euro. "Unsere Programme zur Kostensenkung haben sich ausgezahlt", sagte Strube. "Wir warten nicht auf den Aufschwung, sondern tun was."

BASF setzt sich mit seinem Ergebnis deutlich von Konkurrenten wie Bayer oder Akzo Nobel ab, bei denen das Chemiegeschäft zuletzt schwächer lief und deshalb wenig Hoffnung versprühten. BASF gilt wegen der Vielzahl seiner Produkte als guter Indikator für die Lage in der Chemie, die gesamte Branche wiederum als Maßstab für die allgemeine Konjunktur.

Kein klarer konjunktureller Trend erkennbar

Während BASF von einer guter Auftragssituation spricht, bezeichnete Bayer die Lage vor allem im Juni als schlecht. "Ein klarer konjunktureller Trend ist in der europäischen Chemie derzeit nicht zu erkennen", kommentiert Analyst Andreas Heine von der Hypovereinsbank.

Auch Strube mag sich noch nicht festlegen, ob der Zuwachs nur auf den Lageraufbau bei der Industrie oder schon auf einen nachhaltigen Aufschwung zurückzuführen ist. Mit einem Kurssprung von zwischenzeitlich mehr als 5 % zog BASF gestern dennoch nicht nur die Bayer-Aktie, sondern auch die Kurse von Konkurrenten wie Ciba, Clariant oder DSM in die Höhe.

Strube bekräftigte sein Ziel, wonach BASF in diesem Jahr einen Umsatz auf Vorjahresniveau und einen besseren Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen erreichen wird. Als Unsicherheitsfaktor nannte er die weltpolitische Lage: Eine Eskalation im Nahen Osten und im Irak hätte schwerwiegende ökonomische Folgen und könnte den Ölpreis um 2 bis 3 $ nach oben schnellen lassen. Öl ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Branche.

Analysten beeindruckt

Analysten zeigten sich beeindruckt von den Ergebnissen. "In den Industriegeschäften von BASF ist die Nachfrage deutlich stärker als erwartet", sagt Heine. In der Chemikaliensparte sprang der Erlös um ein Fünftel auf 1,4 Mrd. Euro und der Gewinn um 33 % auf 161 Mill. Euro. Nach dem Start der neuen Anlage in Port Arthur/USA verzeichnete das Segment Petrochemikalien ein Umsatzplus von 46 %. Auch die Auslastung der Anlagen für Kunststoffe und Fasern sei hoch. Im Öl- und Gasgeschäft drückte der niedrige Ölpreis den Gewinn um 23 %, allerdings hatte es mit 292 Mill. Euro weiter den größten Anteil am Gesamtgewinn.

Sorgenkind von BASF bleibt das wichtige Standbein Pflanzenschutz/Ernährung. Der Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln sank um 3,4 % auf 1 Mrd. Euro, der Betriebsgewinn ging um 19 % auf 108 Mill. Euro zurück. Schuld war das schlechte Wetter in den USA, das bei Farmern zu geringeren Einsätzen von Pflanzenschutzmitteln führte. Zudem drückte die Krise in Südamerika auf das Ergebnis.

Steigender Wettbewerbsdruck in den USA

Wie BASF bestätigte auch der Schweizer Agrochemieriese Syngenta den steigenden Wettbewerbsdruck in den USA und die Schwäche auf dem Pflanzenschutzmarkt: Allerdings konnte Syngenta im ersten Halbjahr weiter von kräftigen Kostenssenkungen profitieren und hat so den Gewinn um 12 % auf 448 Mill. $ gesteigert, während der Umsatz um 3 % auf 3,9 Mrd. $ sank.

Die Krise in Argentinien und die zuletzt kräftige Abwertung des brasilianischen Real drückte die gute Stimmung von BASF-Chef Strube, denn in Südamerika hat der Konzern seinen Verlust im zweiten Quartal auf 35 Mill. Euro ausgeweitet. Außer dem Pflanzenschutzgeschäft war besonders die Sparte Farben und Lacke betroffen. In Europa hat BASF die Talfahrt gestoppt: Nachdem der Konzern im ersten Quartal noch einen Umsatzrückgang von 16 % verzeichnete, waren es zwischen April und Juni im Vergleich mit dem Vorjahr nur 1 % weniger.

Das Ziel der Betriebsgewinnsteigerung in diesem Jahr will Strube auch durch weitere Kostensenkungen erreichen, die er auf 450 Millionen Euro bezifferte. BASF hat ältere Anlagen stillgelegt und will die Verschlankung vorantreiben, plant aber nach Angaben Strubes keine weiteren Streichungen bei Arbeitsplätzen.

Quelle: Handelsblatt

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