Chemiekonzern will sich mit hohem Aufwand in der Pflanzenbiotechnologie positionieren
BASF vertraut auf ein Comeback der grünen Gentechnik

Bei europäischen Verbrauchern und Politikern steht die grüne Gentechnik derzeit nicht hoch im Kurs. Dessen ungeachtet will BASF die Zeit der Akzeptanzprobleme nutzen, um sich in der Forschung in Position zu bringen und zu den führenden Unternehmen in der Pflanzenbiotechnologie aufzuschließen.

HB LUDWIGSHAFEN/M. Ihren Ehrgeiz in der grünen Genforschung untermauerte die BASF zuletzt am vergangenen Freitag in Berlin-Charlottenburg. Im dortigen Biotechnologiepark nahm der Chemieriese ein mehr als 23 Mill. DM teures Forschungszentrum bei seiner Tochter Metanomics in Betrieb. Rund 70 Beschäftigte werden in den Labors künftig die Funktion von Pflanzengenen erforschen.

Die 1998 zusammen mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für molekulare Pflanzenphysiologie gegründete Metanomics ist Teil eines Netzwerks von Forschungslabors, Biotech-Beteiligungen und Allianzen, das der Konzern in den vergangenen beiden Jahren aufgebaut und unter dem Dach der BASF Plant Science GmbH (BPS) zusammengefasst hat.

Im Vergleich zu Konkurrenten wie Monsanto , Novartis und Aventis ist die BASF spät auf diesem Gebiet gestartet. Doch der Konzern zeigt sich zuversichtlich, durch Nutzung modernster Verfahren noch eine starke Position in der Pflanzengenetik aufbauen zu können. "Wir wollen in zehn Jahren zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Pflanzenbiotechnologie gehören", sagte der Präsident der BASF Plant Science GmbH, Hans Kast, vor dem Club der Kurpfälzischen Wirtschaftsjournalisten.

Für die Forschung auf dem Gebiet plant der Konzern für die kommenden zehn Jahre 700 Mill. " ein. Hinzu kommt die Bereitschaft, sich im Saatgutgeschäft weiter zu verstärken. Im vergangenen Jahr hat sich die BASF bereits mit 40 % an dem schwedischen Saatgut-Unternehmen Svalöf Weibull beteiligt.

Die BASF ist traditionell ein bedeutender Hersteller von Düngemitteln. Ihr Pflanzenschutzmittel-Geschäft hat sie zur Jahresmitte durch den Kauf der Cyanamid-Sparte von American Home Products auf 3,6 Mrd. $ Umsatz verdoppelt. Cyanamid hat mehrere genveränderte Mais- und Rapssorten im Sortiment, die derzeit auf dem US-Markt eingeführt werden. Sie sind gegen bestimmte, von Cyanamid produzierte Herbizide resistent. Vergleichbare Produkte, so unter anderem von Monsanto und Novartis werden in den USA seit zwei Jahren in großem Stil angebaut. In Europa ist eine Vermarktung jedoch aufgrund fehlender Genehmigungen nicht in Sicht.

BASF hofft auf Stimmungsumschwung



Ähnlich wie die anderen Akteure auf dem Gebiet setzt auch die BASF auf einen Umschwung in der öffentlichen Meinung. Kast verweist darauf, dass die Technologie in der US-Landwirtschaft bereits Fuß gefasst habe. Mittelfristig werde es möglich sein, verbesserte Pflanzen zu entwickeln, die zum Beispiel einen höheren Gehalt an Ölen, Vitaminen oder Proteinen hätten. Vor allem daran forscht BASF. Auch die Möglichkeit, Pflanzen als "Bioreaktoren" für industrielle Produkte zu nutzen, spielt eine wichtige Rolle.

Hunderte von Patenten angemeldet



Die Entwicklungsarbeiten befinden sich aber überwiegend noch in einem frühen Stadium. Zunächst müssen die Forscher die Pflanzengene identifizieren, die für Inhaltsstoffe und Leistungsfähigkeit verantwortlich sind.

Inzwischen habe BASF auf diesem Gebiet schon mehrere Hundert Patente auf dem Gebiet angemeldet, sagt Kast. "Wir versuchen, das Feld möglichst breit abzudecken", erklärt er. Marktreif würden die ersten Produkte aber frühestens zur Mitte des Jahrzehnts. Und auch dann steht ihnen - zumindest in Europa - erst einmal ein sehr langwieriges Zulassungsverfahren bevor.

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