Chemieriese im Sog der Branchenrezession – Konzernchef Strube pessimistisch
BASF sieht kein Ende des Abschwungs

Der Konjunktureinbruch hat bei der BASF tiefere Spuren hinterlassen als erwartet und lässt Europas größten Chemiekonzern seine Hoffnungen auf Wachstum im laufenden Jahr endgültig beerdigen. Für 2002 bereitet sich BASF-Chef Strube ebenfalls auf ein äußerst schwieriges Jahr vor.

hz/shf LUDWIGSHAFEN. Jürgen Strube, Vorstandschef der BASF AG, blickt wegen des Einbruchs der Weltkonjunktur düster in die Zukunft der Chemiebranche. Ein Ende des Abschwungs sei nicht erkennbar, sagte Strube in Ludwigshafen. Nach einem stärkeren Gewinneinbruch im dritten Quartal als zunächst erwartet schraubt Europas größtes Chemieunternehmen erneut seine Erwartungen für dieses Jahr nach unten. BASF stellt sich nunmehr auf deutliche Umsatz- und Ergebnisrückgänge ein.

Der Betriebsgewinn vor Sonderfaktoren hat sich im dritten Quartal mit 328 Mill. Euro mehr als halbiert und damit die bereits reduzierten Erwartungen der Analysten noch unterschritten. Der Umsatz schrumpfte in dem Zeitraum um gut ein Fünftel auf 7,2 Mrd. Euro.

Nach Ansicht von Strube wird sich in den letzten drei Monaten dieses Jahres der Minustrend für den Chemiekonzern noch beschleunigen. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen bleibe allerdings positiv, werde sich aber voraussichtlich gegenüber dem Vorquartal weiter verschlechtern, kündigte der BASF - Chef an. Damit dürfte sich das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen im Gesamtjahr auf weniger als 2,4 Mrd. Euro vermindern, nach 3,4 Mrd. Euro im Vorjahr.

Einen Verlust unter dem Strich im vierten Quartal schloss Strube nicht mehr aus. "Es ist vor der Hacke wirklich duster", sagte er bei der Vorlage der Neunmonatszahlen. Im Gegensatz zuvielen Konkurrenten, die in der zweiten Hälfte 2002 mit einer Wiederbelebung rechnen, ist für Strube eine Umkehr des Abwärtstrends nicht absehbar. "Deshalb richten wir uns darauf ein, dass 2002 ein schwieriges Jahr für die Wirtschaft werden wird."

Die Börse reagierte gelassen auf die Hiobsbotschaften. Nach einem anfänglichen Kursrutsch konnte sich die BASF-Aktie wieder erholen und im Laufe des Tages ein Plus verteidigen. Chemieanalyst Oliver Günther von der Bankgesellschaft Berlin glaubt, dass die Anleger den aktuellen Gewinneinbruch im laufenden Jahr bereits abgehakt hätten und auf eine Erholung im kommenden Jahr hofften. Klaus Kis von Merck & Finck erwartet jedoch, dass die bisherigen Einsparmaßnahmen noch nicht ausreichten. "BASF muss noch einiges machen."

Wie die meisten Großchemieunternehmen leidet die BASF im operativen Geschäft unter einer rückläufigen Nachfrage und starkem Preisdruck. Die Auslastung im Hauptwerk Ludwigshafen habe mit 68 % den niedrigsten Stand seit der Rezession Anfang der 90er Jahre erreicht. Der Eingang und Bestand von Aufträgen liege deutlich unter Vorjahresniveau. Um einen zu starken Vorratsaufbau zu vermeiden, sollen nun 50 bis 60 Werke und damit rund ein Viertel aller Einheiten am Standort Ludwigshafen vorrübergehend abgeschaltet werden.

Außerdem will der Konzern das bereits zur Jahresmitte angekündigte Strukturprogramm nochmals erweitern. Dafür sind im vierten Quartal zusätzliche Sonderkosten von 230 Mill. Euro erforderlich, nachdem bisher bereits 620 Mill. Euro zurückgestellt wurden. Die Schließung von Anlagen und kleineren Standorten soll die laufenden Kosten im kommenden Jahr um 240 Mill. Euro vermindern. Weitere 400 Mill. Euro Entlastung erwartet der Konzern durch eine weltweit neue Organisationsform, die momentan eingeführt wird.

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