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Chemieverband erwartet 2002 Produktionswachstum von einem Prozent

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechnet nach den Worten seines neuen Präsidenten, Eon-Chef Wilhelm Simson, für das kommende Jahr mit einem Produktionswachstum in der deutschen Chemie von rund einem Prozent.

rtr FRANKFURT. Dabei sei angenommen, dass keine weiteren Anschläge in der Größenordnung wie am 11. September mehr stattfinden, dass sich das Konsumverhalten langsam wieder normalisiere und sich auch die Lager bei den chemischen Vorprodukten wieder leeren werden, sagte Simson auf einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten am Mittwoch. Für das laufende Jahr sei nunmehr mit einem Rückgang der deutschen Chemieproduktion von einem (Vorjahr: plus 2,9) Prozent zu rechnen. Zuvor hatte der VCI lediglich von einer Produktion unter dem Niveau des Vorjahres gesprochen.

Simson, Vorstandsvorsitzender der E.ON AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Degussa AG, hatte erst vor einigen Tagen das Amt des VCI-Präsidenten von seinem Vorgänger, Bayer-Chef Manfred Schneider, übernommen. Simsons zweijährige Amtszeit als VCI-Präsident endet 2003.

"Wir erlebten eine zunehmende Konjunkturschwäche, erst in den USA, dann auch in Asien und Europa," sagte der neue VCI-Chef. Im dritten Quartal habe es aber einige Anzeichen dafür gegeben, dass die Talsohle durchschritten worden sei. Dabei konzentrierten sich die HoffnungeN der Chemiebranche nach den Worten von Simson auf den Beginn eines Konjunkturumschwungs in den USA Anfang des kommenden Jahres. Nach dem 11. September seien diese aber hinfällig geworden, sagte Simson. Insgesamt werde sich die Weltwirtschaft nun langsamer erholen als noch vor den Anschlägen erwartet wurde. "Man hatte lange gehofft, dass das vierte Quartal endlich das Durchatmen bringt," sagte Simson zur Einschätzung der Chemiekonjunktur. Heute gehe der VCI aber davon aus, dass dies nicht der Fall sein wird, und das in der Chemie die Erholung wohl erst im dritten und vierten Quartal 2002 durchgreife.

Nach Angaben von Simson sank die deutsche Chemieproduktion in den ersten drei Quartalen 2001 um 0,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Einen besonders starken Produktionsrückgang verzeichneten die Polymere und Seifen, Wasch- und Körperpflegemittel. Stark zugenommen habe dagegen die Produktion der weitgehend konjunkturunabhängigen Pharmaerzeugnisse und der Agrochemikalien. Die Erzeugerpreise in der Branche stiegen nach Angaben des VCI-Chefs in den ersten drei Quartalen um drei Prozent, für das Gesamtjahr 2001 werde ein Preisanstieg von zwei Prozent erwartet. Der Umsatz der deutschen chemischen Industrie legte in den ersten neun Monaten nach VCI-Angaben um zwei Prozent zu. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Verband ein Umsatzplus von 1,5 %, nachdem 2000 noch ein kräftiger Umsatzanstieg von 11,7 % verzeichnet wurde.

Es gebe aber auch einige gute Nachrichten, sagte Simson. So seien die Rohstoffpreise rückläufig, zudem gebe es noch Nachholbedarf bei den Preisen für chemische Erzeugnisse. Zum Ertragsausblick in der deutschen Chemie sagte der VCI-Chef: "Es ist nicht davon auszugehen, dass das nächste Jahr ein sensationaler Gewinnsprung sein wird." Auch für das laufende Jahr hielt sich Simson bedeckt. Die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen vieler Unternehmen könnten aber helfen, sagte Simson. Viele Chemiekonzerne weltweit, darunter Dupont und BASFund Akzo Nobel hatten angesichts gestiegener Rohölpreise, einer schwächeren Nachfrage der Abnehmerbranchen und sinkender Margen die Streichung von tausenden von Arbeitsplätzen angekündigt.

Simson äußerte sich außerdem zum Stand der Verkaufspläne beim Spezialchemiekonzerns Degussa, an dem E.ON derzeit noch knapp 65 % hält. Dabei wies er darauf hin, dass einige Potenziale bei der neuen Degussa noch gar nicht richtig gehoben seien. "Wir wären dumm, wenn wir Degussa abgeben, wenn noch nicht alle Synergien gehoben sind," sagte Simson. Nach früheren Angaben des Mutterkonzerns plant E.ON, sich in etwa drei bis fünf Jahren von seinem Degussa-Anteil zu trennen, um sich ganz auf das Energiegeschäft zu konzentrieren. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, Bayer sei an dem Anteil interessiert, was vom Leverkusener Konzern aber dementiert wurde.

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