Chevron-Texaco-Manager soll neuer Chef werden
United-Mitarbeiter lehnen Gehaltsverzicht ab

Bei United Airlines stehen harte Verhandlungen an: Der Lufthansa-Partner verlangt von den Mitarbeitern drastische Gehaltskürzungen, um einen Konkurs abzuwenden. Die Gewerkschaften halten dagegen.

kk NEW YORK. Bei United Airlines deutet alles auf einen harten Arbeitskampf: Das Management der angeschlagenen US-Fluggesellschaft verlangt gravierende Gehaltskürzungen von den Mitarbeitern, um den Gang vor den Konkursrichter zu vermeiden und sich staatliche Kredite zu sichern. Doch die Gewerkschaften wollen davon nichts wissen.

Die US-Luftfahrtindustrie ist in Aufruhr. Fluggesellschaften, die bereits seit der ersten Hälfte des Jahres 2001 in der Krise steckten, kämpfen seit den Terroranschlägen am 11. September vergangenen Jahres ums Überleben. Nach Massenentlassungen wehren sich die verbleibenden Mitarbeiter nun gegen drastische Gehaltseinschnitte. Vergangene Woche lehnte die Gewerkschaft der Mechaniker der angeschlagenen Fluggesellschaft US Airways mit Sitz in Arlington/Virginia, Gehaltskürzungen ab. Und auch beim Chicagoer Flugzeugbauer Boeing Co. ist Arbeitskampf angesagt: 25000 Mechaniker drohen mit Streik, wenn sie keine Job-Garantien erhalten.

Die Geschäftsführung der UAL Corp., der Muttergesellschaft von United Airlines, verlangt von den Mitarbeitern Gehaltskürzungen in Höhe von insgesamt 1,5 Mrd. $ jährlich und das sechs Jahre lang, zusammen also 9 Mrd. $. Damit will das Unternehmen aus Elk Grove Township/Illinois die Zustimmung der Regierung für einen staatlichen Kredit in Höhe von 1,8 Mrd. $ gewinnen.

Als Frist für eine Einigung mit den Mitarbeitern, denen die Fluggesellschaft mehrheitlich gehört, hat das Management den 15. September gesetzt. Am 16. September will es einen neuen Antrag auf die Staatskredite stellen. United hatte bereits gedroht, man sei ohne die staatlichen Hilfen gezwungen, Gläubigerschutz nach Artikel 11 des US-Konkursrechts zu beantragen.

Die US-Regierung hatte nach dem 11. September 2001 Kredite von insgesamt 10 Mrd. $ zur Verfügung gestellt. Die Fluggesellschaften mussten sich bis zum Sommer dieses Jahres für die Kredite bewerben. Nun muss die zuständige Behörde, das Air Transportation Stabilization Board (ATSB), entscheiden, wer die Hilfen bekommt. Um die Kredite zu erhalten, müssen die Airlines vor allem Restrukturierungspläne vorlegen. Es gibt jedoch keinen offiziellen Termin, bis wann das ATSB-Board entscheiden muss.

Die Sanierungspläne stoßen bei den Mitarbeitern der Gesellschaften inzwischen auf erbitterten Widerstand. Die Pilotengewerkschaft von United nannte die Forderungen der Geschäftsführung "völlig unakzeptabel". United hatte nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters von den 8 800 Piloten Zugeständnisse in Höhe von 700 Mill. $ jährlich verlangt.

Die Gewerkschaft der Flugbegleiter schlägt einen ähnlichen Ton an: Sie sagte, die Fluggesellschaft habe "keinen Führer und keinen Plan". Tatsächlich will der 69-jährige Vorstandsvorsitzende Jack Creighton noch diesen Sommer zurücktreten. Nach Informationen des "Wall Street Journal" soll nun der 54-jährige Glenn Tilton, Vize-Chairman des Ölkonzerns Chevron-Texaco, neuer Vorstandschef bei UAL werden.

Randolph Babbitt, Präsident von Eclat Consulting, einer Beratungsfirma für Fluggesellschaften, gibt den Gewerkschaften in ihrer Kritik teilweise recht: "Die Geschäftsführung verlangt von den Mitarbeitern erhebliche Einschnitte. Aber es ist unklar, was ihr Plan ist, wie sie das Unternehmen wieder profitabel machen wollen", sagt er. Seiner Meinung nach müssten sich beide Seiten flexibel zeigen.

Die Gewerkschaften argumentieren, dass sie das Unternehmen 1994 mit ihren Zugeständnissen schon einmal gerettet haben. Als es United danach wieder besser ging, hätten sie davon jedoch nichts gehabt. Deshalb zeigen sie sich diesmal weit weniger kompromissbereit.

Die Äußerungen der Gewerkschaftsführer haben dem Aktienkurs von UAL am Freitag einen weiteren Stoß versetzt. Die Aktie verlor fast 6 %, nachdem sie am Mittwoch bereits um zwischenzeitlich 18 % abgesackt war. Der Grund dafür war ein Report der Investmentbank Credit Suisse First Boston. Analyst James Higgings schrieb, er sehe die Chancen für einen Antrag auf Gläubigerschutz bei 75 % bis 80 %.

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