China droht den USA mit Konsequenzen
Taiwans Ex-Präsident Lee zu umstrittenem Besuch in Japan

Der frühere taiwanische Präsident Lee Teng-Hui ist am Sonntag zu einem umstrittenen Besuch in Japan eingetroffen. Er landete mit 20 Begleitern in Osaka und dankte der Regierung in Tokio in fließendem Japanisch, dass sie ihm trotz der Proteste aus Peking ein Visum gewährt habe.

rtr OSAKA. Der 78-jährige Lee hat als Grund seiner Reise angegeben, sich in der japanischen Stadt Kurashiki ärztlich behandeln zu lassen. Die Volksrepublik China, die die dem Festland vorgelagerte Insel als abtrünnige Provinz betrachtet und die Wiedervereinigung mit Taiwan betreibt, hatte bereits im Vorfeld des Besuches vor diplomatischen Verwicklungen gewarnt.

China hat zudem den USA mit Konsequenzen gedroht, falls diese Lee einreisen ließen. Die Beziehungen würden in diesem Fall Schaden nehmen, wurde ein Sprecher des Außenministeriums am Samstag im staatlichen Fernsehen zitiert. Das gelte auch für das Verhältnis der Volksrepublik China zu Taiwan (Republik China). Als Folge eines Bürgerkrieges ist China seit mehr als 50 Jahren geteilt. Die kommunistische Volksrepublik und die westlich orientierte Republik auf der Insel Taiwan erheben beide den Anspruch, legitime Vertreter der Anfang des vorigen Jahrhunderts von Sun Yat-Sen gegründeten Republik zu sein. In der UNO hat allerdings nur die Volksrepublik einen Sitz.

Die USA gewährten Lee ebenfalls ein Visum zur Einreise. Zu den Protesten Chinas sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Lee komme als Privatmann: "Es ist allgemeine Praxis für Privatleute, von Taiwan in die USA zu reisen." Dagegen hatte ein chinesischer Ministeriumssprecher in Peking erklärt, Lee wolle seinen USA-Besuch nutzen, um China endgültig zu spalten. Lee hatte als Präsident Taiwans im Jahr 1995 die USA besucht, was die Volksrepublik damals zum Anlass für Militärmanöver in der Taiwan-Straße zwischen Festland und Insel genommen hatte.

Die Erteilung des USA-Visums für Lee fiel in eine Zeit ohnehin starker Spannungen mit den USA. Gründe sind die Kollision eines US-Aufklärungsflugzeuges mit einem chinesischen Abfangjäger, bei dem am 1. April der chinesische Pilot starb, und die geplanten amerikanischen Rüstungsverkäufe nach Taiwan. Die Volksrepublik China hat mit der Besetzung Taiwans gedroht, falls führende Politiker Taiwans die internationale Anerkennung erreichen und den Bruch mit Peking vollziehen wollten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%