China ermutigt seine besten Firmen zum globalen Engagement
Die Chinesen kommen

Nachdem China 2002 zum weltweit größten Magneten für ausländische Direktinvestitionen aufgestiegen ist, das Land den Spieß jetzt umdrehen. Chinas Firmen sollen den Weltmarkt erobern.

mg PEKING. Nachdem China 2002 zum weltweit größten Magneten für ausländische Direktinvestitionen aufgestiegen ist, das Land den Spieß jetzt umdrehen. Chinas Firmen sollen den Weltmarkt mit Niederlassungen und Produktionen erobern. Im aktuellen 5-Jahr-Plan der Zentralregierung ist diese "going out-Strategie" als ein zentrales Ziel fixiert. Offiziellen Zahlen zufolge haben Chinas Firmen bereits knapp 7 000 ausländische Repräsentanzen und Fabriken errichtet und dabei über 13 Mrd. $ investiert. Internationale Organisationen dagegen beziffern das Volumen eher auf 30 Mrd. $.

Das bislang noch begrenzte globale Engagement dürfte in den kommenden Jahren rasant zunehmen, schätzt Jiang Xiaojuan, ein Analyst der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. Jiang hat berechnet, dass die direkten Auslandsinvestitionen chinesischer Firmen etwa ein Viertel der ins Land strömenden Investitionen ausmachen und im Gleichschritt mit diesen wachsen. Ausländische Direktinvestitionen in China nahmen im vergangenen Jahr um über 12 % auf knapp 53 Mrd. $ zu. Im Januar zogen sie um satte 50 % im Jahresvergleich weiter an.

Deutsche Kaufleute in China registrieren ein sichtbar wachsendes Interesse an Deutschland. "Mir sind schon zwei Fälle begegnet, wo deutsche Mittelständler keine Erbengeneration haben und chinesische Käufer suchen", sagt Christian Sommer, der Geschäftsführer im deutschen Zentrum in Peking. "Es gibt immer mehr chinesische Firmen, die ins Ausland wollen", sagt umgekehrt Wang Yuansi, der den Pekinger Ableger des Chinesischen Industrie- und Handelszentrums Berlin leitet und schon vier chinesischen Firmen Partner und Aufträge in Deutschland vermitteln konnte. "Man kann noch nicht sagen, dass die Chinesen scharenweise kommen, aber es ist ganz klar ein Trend", sagt Wang.

Die Motive chinesischer Firmen für den Sprung auf den Weltmarkt sind ganz unterschiedlich. Flaggschiffe wichtiger Branchen wie Banken, Versicherungen und Telekom gehen an westliche Börsen, um bekannter zu werden, Kapital aufzunehmen und das Bemühen des Landes um mehr Transparenz zu unterstreichen. Ölriesen wie PetroChina investieren in Ölfelder in Südost- und Zentralasien, Russland und Afrika, um die Energiezufuhr des Netto-Ölimporteurs China zu sichern und global an Größe und Statur zu gewinnen. Hersteller wiederum suchen Marken, Vertriebskanäle und Know How. Deutschland ist dabei ihr bevorzugtes Ziel in Europa, sagt Wang.

Einige wittern aber auch Chancen, die sich aus strukturellen Schwächen in der deutschen Wirtschaft ergeben. "Wir haben hunderte deutscher Mittelständler analysiert", sagt Jonathan Chu, Europa-Chef von D´Long. Der Mischkonzern schmiedet gerade den ersten privaten Bankenkonzern Chinas. "40 % der deutschen Mittelständler haben weniger als 10 % Eigenkapital", konstatiert Chu. D'Long bietet solchen Firmen Kapital, damit sie Teile ihrer Produktion nach China verlegen, wo sie billiger fertigen können. Enthalten sind auch Beratung, die Vermittlung von Kontakten und sogar Verhandlungen mit den Gewerkschaften. "Die Regierung sollte solche Strategien forcieren", verlangt Lin Yaoqin beim Wirtschaftsinstitut der Wissenschaftsakademie. "Man sollte eine Kommission einsetzen und spezielle Fonds bereit stellen."

Auch wenn Firmen ins Ausland drängen, ist das kein Garant für Erfolg: Weniger als die Hälfte chinesischer Firmen macht im Ausland Gewinne, hat die Akademie der Sozialwissenschaften ausgerechnet. Grund dafür sei, dass das veraltete Management-System chinesischer Firmen nicht so recht zur Globalisierung passe. Die Regierung will deshalb ein Kontroll-System einführen, das die Erfolge gewerblicher Auslandschinesen einmal im Jahr beleuchtet. Wer nicht gut abschneidet, wird nicht mehr gefördert.

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