China-Geschäft läuft trotz SARS
Intel macht der Chipbranche Mut

Die schwere Krise der Halbleiter-Industrie hält an, doch Marktführer Intel ist nach wie vor optimistisch. Die Branche werde dieses Jahr wieder wachsen, sagte Intel-Vize Paul Otellini dem Handelsblatt. Langsam sei zu erkennen, dass die Unternehmen ihre Systeme erneuern würden.

HB/jojo MÜNCHEN. Die Zuversicht des weltgrößten Chipherstellers ist ungebrochen. "Das vergangene Jahr war so schlecht, da kann es in der Halbleiter- Industrie in diesem Jahr nur aufwärts gehen", sagte der Präsident und Chief Operating Officer (COO) von Intel, Paul Otellini, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die SARS-Seuche in Asien und der Irak-Krieg hätten das Geschäft von Intel bisher nicht negativ beeinflusst, betonte der Manager: "Der Irak-Krieg war viel zu kurz, als dass er große Auswirkungen hätte haben können." Und im wichtigen Markt China sei der Absatz ungebrochen. Otellini: "Die Chinesen kaufen nur neueste Technologie, das ist spektakulär. Für uns ist das der wichtigste Markt in Asien - und das wird auch so bleiben."

Intel hat deshalb Mitte der Woche seine Umsatzprognose für das laufende Quartal bestätigt. Dabei sollen die Einnahmen mit 6,4 bis 7 Mrd. $ deutlich über denen des Vorjahresquartals von 6,3 Mrd. $ liegen. Wegen der insgesamt unsicheren Lage der Weltwirtschaft wollte sich das US-Unternehmen allerdings nicht genauer festlegen. Auch wichtige Konkurrenten von Intel hatten sich jüngst zuversichtlich gezeigt. AMD-Chef Hector Ruiz: "Wir gehen davon aus, dass sich der Markt stabilisiert, und hoffen auf eine Erholung im zweiten Halbjahr." Texas Instruments versprach Anfang der Woche, dass der Umsatz im laufenden Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 7 % steigen werde.

Der Optimismus der Unternehmen deckt sich mit den Einschätzungen der meisten Marktbeobachter. Der amerikanische Branchenverband Sia geht davon aus, dass die Umsätze in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr zweistellig klettern werden.

Wachstumstreiber werden nach Einschätzung von Sia erstmals auch wieder Unternehmenskunden werden. Ende des Jahres würden die Firmen wieder verstärkt beginnen, ihre veralteten PCs auszutauschen, so die Prognose. Bislang sind es vor allem Privatkunden, die sich mit neuen Computern eindecken und damit für Wachstum bei den Halbleiter-Produzenten sorgen.

Intel selbst geht mit gutem Beispiel voran. Die rund 80 000 Beschäftigten bekommen in diesem Jahr 30 000 neue Computer. In den vergangenen Jahren hatten die Amerikaner jeweils nur 5 000 bis 10 000 alte Geräte gegen neue Maschinen ausgetauscht. "Getrieben durch das E-Business wird die Wiederbeschaffung auch in anderen Unternehmen neue Fahrt gewinnen", ist Otellini überzeugt.

Am leichtesten von einer Neuanschaffung zu überzeugen seien freilich wie in den vergangenen beiden Jahren die Privatkunden. Paul Otellini: "In den Industrieländern legen sich die meisten Haushalte mittlerweile ihren zweiten oder dritten Computer zu. Dabei greifen sie immer öfter zu Notebooks statt zu PCs."

Für Firmen wie Intel ist das wichtig, weil sich mit Chips für Notebooks höhere Margen erzielen lassen als mit den herkömmlichen Desktop-PCs. Mitte März hatte Intel mit "Centrino" eine ganz neue Technologie für tragbare Computer vorgestellt. Bei einer hohen Rechenleistung braucht der Chipsatz weniger Strom als früher, die Geräte werden also wesentlich leichter. "Centrino hat unsere Erwartungen bislang voll erfüllt", betonte Otellini. Der 52-Jährige Manager gilt als Kronprinz von Intel-Chef Craig Barrett und wird in den kommenden zwei Jahren an die Spitze des Unternehmens rücken.

Die Halbleiter-Branche steckt seit zwei Jahren in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. Ein nie da gewesener Preisverfall hat viele Firmen in die roten Zahlen getrieben. Auch Intel musste Einbußen hinnehmen, konnte sich im Vergleich zu Wettbewerbern aber vergleichsweise gut halten. So stagnierte der Umsatz 2002 im Vergleich zum Vorjahr bei knapp 27 Mrd. $.

Die größten Sorgen macht Intel die Telekommunikations-Industrie. Der Absatz von Chips für Mobiltelefone laufe zwar nach wie vor gut, sagte Otellini. Doch die Ausgaben für die Telekommunikations-Infrastruktur seien weiter gering. Es sei zwar absehbar, dass die Investitionen wieder steigen müssten, weil der stark zunehmenden Datenverkehr für Engpässe in den Netzen sorgen werde. Die Telekommunikation sei aber der einzige Bereich, in dem kein Ende der Talfahrt zu sehen sei. Intel werde dennoch im Infrastrukturgeschäft bleiben, obwohl die Sparte keinen Gewinn erwirtschaftet.

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