Archiv
China sichert sich Technologie - 140 Züge fahren als 'Made in China'

Mit dem Milliardengeschäft über den Bau von 140 Schnellzügen hat sich China vollständig die ausländische Technologie gesichert. Das Eisenbahnministerium in Peking bestätigte am Montag entsprechende chinesische Berichte, ohne auf Details einzugehen. Bei dem Zuschlag für die Beschleunigung der Züge auf 2000 Kilometer Bahnstrecke an drei Konsortien aus China, Japan, Frankreich und Kanada war der deutsche Siemens-Konzern leer ausgegangen. Chinesische Industriekreise deuteten an, der Grund könne im Technologietransfer und der knappen Zeit zwischen Auftrag und Produktion gelegen haben.

dpa-afx PEKING. Mit dem Milliardengeschäft über den Bau von 140 Schnellzügen hat sich China vollständig die ausländische Technologie gesichert. Das Eisenbahnministerium in Peking bestätigte am Montag entsprechende chinesische Berichte, ohne auf Details einzugehen. Bei dem Zuschlag für die Beschleunigung der Züge auf 2000 Kilometer Bahnstrecke an drei Konsortien aus China, Japan, Frankreich und Kanada war der deutsche Siemens-Konzern leer ausgegangen. Chinesische Industriekreise deuteten an, der Grund könne im Technologietransfer und der knappen Zeit zwischen Auftrag und Produktion gelegen haben.

Voraussetzung für das Geschäft war der "vollständige Transfer" wesentlicher Zugtechnologie, schrieb das Parteiorgan "Volkszeitung". Dafür hätten zuerst Vereinbarungen mit der chinesischen Seite der Gemeinschaftsunternehmen unterschrieben werden müssen. Damit gelange die fortschrittliche ausländische Technologie "umfassend und systematisch" in chinesische Hände. Die neuen Züge fahren nach diesen Angaben sogar unter chinesischen Markennamen, praktisch als "Made in China".

Für seine Bewerbung hatte Siemens Gespräche mit den Waggonwerken in Changchun in Nordostchina geführt, die sich am Ende stattdessen mit der französischen Alstom zusammengetan hatten. Damit fehlte Siemens eine entscheidende Voraussetzung. Eine Quelle in der übergeordneten China Northern Railway Corporation bestätigte die Gespräche mit Siemens. "Es gibt in solchen Verhandlungen immer Probleme wegen des Technologietransfers." China habe zudem eine Anlaufzeit bis zur Produktion von nur zehn Monaten verlangt, während international 24 Monate üblich seien. Eine Siemens-Sprecherin in Peking verweigerte jede Auskunft dazu, bestätigte nur, dass Siemens unverändert Interesse am Geschäft mit Bahnsystemen in China hat.

Das japanisch-chinesische Konsortium unter Führung von Kawasaki Heavy Industries baut nach Angaben der "Volkszeitung" jetzt 60 Züge, das französisch-chinesische mit Alstom ebenfalls 60 und Bombardier aus Kanada mit seinem chinesischen Partner 20 Zugsysteme. Es sei "nur ein kleiner Teil" in dem Vorhaben die Geschwindigkeit der chinesischen Bahn auf 200 Stundenkilometer zu bringen. Den Auftragswert wollten weder Ministerium noch Unternehmen nennen. Im Gegensatz zu ersten chinesischen Presseberichten, die von zehn Mrd. ? sprachen, berichtete Japans Nachrichtenagentur Kyodo von 3,7 Mrd. ? für die genannten fünf Strecken. Die jetzige Vereinbarung hat nach Darstellung der "Volkszeitung" keine Auswirkungen auf die geplante Hochgeschwindigkeitsverbindung über 1300 Kilometer zwischen Peking und Schanghai, auf der ohnehin höhere Geschwindigkeiten erreicht werden sollen.

Mit den Details über das Geschäft, das als Coup zur Sicherung ausländischer Technologie für die Eigenproduktion dargestellt wurde, sollten offenbar Kritiker einer Beteiligung Japans besänftigt werden. Wegen ihrer Kriegsvergangenheit schlägt den Japanern in China starke Antipathie entgegen. Eine Website, die schon 68 000 Unterschriften gegen das Geschäft gesammelt hatte, wurde kurzerhand geschlossen. Erstmals musste allerdings eingeräumt werden, dass es größere Probleme mit der chinesischen Eigenentwicklung eines "China Star" genannten Schnellzugs gibt, der auf alter ICE-Technik basiert. "Es gibt eine Menge Probleme", hieß es bei China Northern Rail. Eine Kooperation mit dem Ausland sei "allemal besser".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%