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China tritt auf die Konjunkturbremse - Zentralbank erhöht Zinsen

Mit der ersten Leitzinserhöhung seit neun Jahren will China die heiß laufende Konjunktur abkühlen. Der entscheidende Zinssatz für einjährige Kredite wurde überraschend um 0,27 Punkte auf 5,58 Prozent erhöht. Parallel stieg der Satz für Spareinlagen auf 2,25 Prozent.

dpa-afx PEKING. Mit der ersten Leitzinserhöhung seit neun Jahren will China die heiß laufende Konjunktur abkühlen. Der entscheidende Zinssatz für einjährige Kredite wurde überraschend um 0,27 Punkte auf 5,58 Prozent erhöht. Parallel stieg der Satz für Spareinlagen auf 2,25 Prozent. Dies teilte die Zentralbank in Peking am Donnerstag mit. Die bisherigen makroökonomischen und administrativen Maßnahmen, das Wachstum zu dämpfen, hätten zwar "gute Ergebnisse" gezeigt. Doch habe der Staatsrat der Zinserhöhung zugestimmt, um jüngste "Widersprüche und Probleme" anzugehen und die Ergebnisse zu sichern.

Der Dollar legte nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung deutlich zu. Der Euro gab bis auf 1,2 633 Dollar nach, erholte sich aber wieder und notierte zuletzt deutlich über der Marke von 1,27 Dollar.

Experten gehen davon aus, dass weitere Zinsschritte nicht lange auf sich warten lassen: China habe die Inflation zwar bislang im Griff, aber die Investitionen legten immer noch zu kräftig zu, sagte Citigroup-Volkswirt Yiping Huang. "Es gibt eine große Wahrscheinlichkeit, dass die chinesische Zentralbank die Zinsen kurzfristig weiter erhöht."

Boomende Volkswirtschaft

Die mittlerweile siebtgrößte Wirtschaft der Erde wächst zwar nicht mehr ganz so schnell, doch lag der Zuwachs im dritten Quartal - verglichen mit dem Vorjahr - immer noch bei 9,1 Prozent. In den ersten neun Monaten waren es damit 9,5 Prozent. Für dass ganze Jahr werden 9,4 Prozent erwartet. Über eine Zinserhöhung war schon länger spekuliert worden, doch kam der Zeitpunkt für Marktbeobachter unerwartet, da das Wachstum auch für Anlageinvestitionen rückläufig ist. Die bisherigen Bremsmanöver zielten vor allem auf übermäßige Investitionen in überhitzten Bereiche wie Immobilien, Bau, Stahl, Zement und Autoindustrie.

Das schnelle Wachstum führte aber auch zu Engpässen in der Energieversorgung und beim Transport. So ist Chinas starke Nachfrage nach Öl einer der Hauptgründe für den rasanten Anstieg der weltweiten Ölpreise auf immer neue Rekordhöhen. Ein langsameres Wachstum der chinesischen Wirtschaft könnte Druck nehmen, meinten Beobachter. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) hatte China bereits vor einem Monat zu einer Zinserhöhung geraten, doch hatte die Zentralbank in Peking aus Sorge vor einer harten Landung der Wirtschaft bislang davon abgesehen, härter auf die Bremse zu treten.

Mehr Flexibilität

Mit der Zinserhöhung erlaubt die Zentralbank den Banken künftig mehr Flexibilität, ihren Zinssatz für Kredite jeweils nach Risikofaktoren festzulegen. Die Veränderung werde es kleineren Unternehmen leichter machen, Kredite aufzunehmen, was mehr Arbeitsplätze schaffen könnte, wie die Zentralbank mitteilte.

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