China unter Schock
Olympia ohne Hürdenstar Liu Xiang

Fassunglos starrten die 91 000 Zuschauer auf die Anzeigetafel im Pekinger "Vogelnest". Und Trainer Sun Haiping konnte das Drama wenig später in der eilig einberufenen Pressekonferenz kaum erklären, denn der Chinese musste schluchzend wie ein Häufchen Elend um Worte ringen.

PEKING. Kurz zuvor war Chinas großer Traum vom Hürden-Gold geplatzt: Superstar Liu Xiang, Weltmeister und Olympiasieger von Athen, lief am Montagvormittag (Ortszeit) im Vorlauf über 110 Meter Hürden ganze zwei Meter an - und musste dann verletzt aufgegeben.

China steht unter Schock. Denn Liu Xiang ist im Reich der Mitte nicht nur der größte Sportstar. Der smarte 24jährige wird im ganzen Land als Held gefeiert. Als erster Chinese hatte er es in der sonst eher von den Amerikanern und Briten dominierten Leichtathletik bis an die Weltspitze geschafft. Und Liu ist der einzige chinesische Sportler, der Weltrekordler, Weltmeister und Olympiasieger war.

Und so fieberte das 1,3-Milliarden-Einwohner-Volk seit Monaten dem Hürdenfinale am kommenden Donnerstag entgegen. Es wird nun ohne den "Flitzer aus Schanghai" stattfinden, den in China jedes Kind kennt. Überall lächelt das Gesicht des Superstars von Plakaten. Der Liebling der Nation rennt mit Kängurus für Visa.Kreditkarten um die Wette, greift nach einem erfrischenden Glas Milch der Molkerei Yili und lobt in Werbespots Autos vom koreanischen Hersteller Kia. Liu Xiang ist in China außerdem das Gesicht von Coca-Cola, Nike und China Mobile. Bei 20 Firmen steht Liu Xiang angeblich unter Vertrag.

Mit etlichen Millionen Euro Werbeeinnahmen im Jahr ist der Hürdensprinter einer der bestverdienenden Leichtathleten der Welt. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen (2007) auf rund 24 Mill. Dollar und listet Liu Xiang unter drei den bekanntesten Chinesen auf. Doch mit der Popularität, den Werbeverträgen und dem Traum von der Führung im Medaillenspiegel stehen Chinas Sportler bei den Sommerspielen im eigenen Land extrem unter Druck. Etliche Spitzensportler haben dies offen beklagt. Der Gewichtheber und Olympiasieger von Athen, Shi Zhiyong, gestand vor den Spielen ein, dass der Medaillen-Druck sein Gemüt bereits stark belastet habe.

So kommt der Flop von Liu Xiang nicht ganz überraschend. Immer wieder hatten Beobachter gewarnt, dass der ganze mediale Rummel und die hohen Erwartungen den Sportler zu sehr unter Druck setzen würden. So hatten sich chinesische Sportoffizielle in Äußerungen verstiegen, dass alle seine Erfolge wertlos seien, wenn Liu Xiang nicht die Goldene in Peking hole.

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